# taz.de -- Neue Anklage gegen Daniela Klette: Die Geschichte der RAF vor Gericht
       
       > Die Bundesanwaltschaft will Anklage wegen Anschlägen aus den 1990er
       > Jahren erheben. Klettes Verteidigung bezweifelt die Beweiskraft der
       > DNA-Analysen.
       
 (IMG) Bild: Die Angeklagte Daniela Klette (links) im Landgericht Verden mit ihren Verteidiger:innen Lukas Theune und Undine Weyers
       
       taz/dpa | Die Geschichte der linken Terrorgruppe RAF könnte bald noch
       einmal vor Gericht verhandelt werden. Denn der ehemaligen RAF-Terroristin
       Daniela Klette droht ein weiteres Verfahren. Die Bundesanwaltschaft erhob
       Anklage gegen die 67-Jährige, [1][wie die oberste deutsche Anklagebehörde
       am Freitag in Karlsruhe bestätigte]. Die Ermittler werfen Klette zweifachen
       versuchten Mord, die Beteiligung an versuchten und vollendeten
       Sprengstoffanschlägen, erpresserischen Menschenraub sowie besonders
       schweren Raub in Mittäterschaft vor. Zuerst hatten Süddeutsche Zeitung, NDR
       und WDR [2][über die Anklage berichtet].
       
       Der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main muss nun
       entscheiden, ob und wann es zum Prozess kommt.
       
       In der Anklage der Bundesanwaltschaft geht es um Verbrechen, die Klette
       während ihrer Zeit bei der Roten Armee Fraktion begangen haben soll. Sie
       gehörte der sogenannten dritten Generation der RAF an. Ihre Mitgliedschaft
       in der linksterroristischen Vereinigung selbst ist mittlerweile verjährt.
       Die Karlsruher Behörde legt Klette aber unter anderem die Mittäterschaft
       bei drei RAF-Anschlägen zwischen 1990 und 1993 zur Last.
       
       Anschlag gegen die Deutsche Bank 1990
       
       So soll sie am 25. Februar 1990 mit anderen Mitgliedern der RAF versucht
       haben, in einem Verwaltungsgebäude der Deutschen Bank in Eschborn bei
       Frankfurt am Main eine Sprengstoffexplosion auszulösen. Dazu wurde den
       Angaben nach ein VW-Golf mit 45 Kilo Sprengstoff im Kofferraum in der
       Toreinfahrt abgestellt. Am Einbau des Sprengstoffs habe Klette mitgewirkt,
       teilte die Bundesanwaltschaft mit.
       
       Bei einer Explosion hätten nach Einschätzung der Ermittler drei
       Sicherheitskräfte getötet werden können. Doch die Zündvorrichtung versagte,
       die Explosion blieb aus.
       
       Wenige Tage später war [3][ein Bekennerschreiben der RAF] bekannt geworden.
       Es begann mit den Worten: „Es ist die Macht der Banken und Konzerne, gegen
       die wir uns durchsetzen müssen …“
       
       Schüsse auf die US-Botschaft in Bonn 1991
       
       Knapp ein Jahr später, am 13. Februar 1991, soll Klette laut
       Bundesanwaltschaft als Teil eines RAF-Kommandos einen [4][Anschlag auf die
       US-amerikanische Botschaft in Bonn] verübt haben. „Die Angeschuldigte
       feuerte gemeinsam mit zwei weiteren Schützen von der gegenüberliegenden
       Rheinseite aus mit automatischen Langwaffen mindestens 250 Schüsse auf das
       Botschaftsgebäude ab“, teilten die Ermittler mit. Mindestens 57 Projektile
       trafen demnach die Botschaft. Durch die Schüsse seien zwanzig Menschen in
       Gefahr gewesen.
       
       In einem Bekennenschreiben der RAF, das damals auch [5][in der taz
       dokumentiert] wurde, bezeichnete ein „Kommando Vincenzo Spano“ unter dem
       Titel „Internationale Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker“ die
       Schüsse als Reaktion auf die US-Angriffe auf den Irak. „Für die
       imperialistischen Staaten ist dieser Krieg der erste Schritt zur
       Durchsetzung ihrer neuen Weltordnung für die Zeit nach dem Kalten Krieg“,
       hieß es in dem Schreiben.
       
       Im sogenannten Zweiten Golfkrieg hatten die USA zunächst das von Irak
       besetzte Kuwait befreit und waren dann in den Irak einmarschiert. Das
       Vorgehen der USA hatte weltweit starke Proteste der Friedensbewegung
       ausgelöst. Auch vor der US-Botschaft in Bonn gab es damals eine Mahnwache
       der Antikriegsbewegung. Die RAF habe, hieß es damals in der taz, laut
       eigenen Angaben ihrer Munition Leuchtspurmunition beigemischt, um die
       Demonstrant:innen zu warnen. Verletzt wurde durch die Schüsse niemand.
       
       Schon [6][im Jahr 2011 war berichtet worden], dass Ermittler ein im
       Fluchtauto gefundenes Haar per DNA-Analyse Daniela Klette zuordnen konnten.
       Es blieb aber zweifelhaft, ob dies als Beweis für ihre Mittäterschaft
       gelten könne.
       
       Zerstörung des Gefängnisneubaus in Weiterstadt 1993
       
       Im März 1993 soll Klette laut Bundesanwaltschaft zudem an einem
       Sprengstoffanschlag auf ein neu gebautes Gefängnis im hessischen
       Weiterstadt beteiligt gewesen sein. Demnach kletterten Mitglieder des
       RAF-Kommandos vorher über die Gefängnismauer, überwältigten die Wächter mit
       einer Maschinenpistole und brachten sie gefesselt in einem VW-Transporter
       vom Gelände. Im Gefängnisgebäude zündeten sie dann mehrere Sprengsätze, die
       unter anderem Klette angebracht haben soll. Es entstand ein Schaden von
       rund 63 Millionen Euro. In dem Gefängnis waren zu diesem Zeitpunkt noch
       keine Gefangenen untergebracht.
       
       Den Anschlag am 27. März 1993 hatte die RAF damals unter anderem damit
       begründet, [7][dass der Neubau auch als „Abschiebeknast“ genutzt werden
       sollte].
       
       Der Neubau hatte in den ersten rot-grünen Koalitionsverhandlungen in Hessen
       1985 als Knackpunkt gegolten. Erst als die SPD einen „menschenwürdigen
       Strafvollzug in Hessen“ versprach, stimmten die Grünen zu. Und die SPD
       konnte die Grundsteinlegung für den Bau der „modernsten Haftanstalt
       Europas“ feiern.
       
       Erst vier Jahre nach dem Anschlag wurde das wieder aufgebaute Gefängnis
       [8][tatsächlich in Betrieb genommen].
       
       Bei der Tat in Weiterstadt sollen auch Klettes mutmaßliche Komplizen
       Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg dabei gewesen sein. Die beiden
       Männer sind weiter auf der Flucht, auch gegen sie wird ermittelt. Gemeinsam
       mit Klette sollen sie laut Staatsanwaltschaft Verden von 1999 bis 2016
       Geldtransporter und Kassenbüros in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und
       Schleswig-Holstein überfallen haben, um ihren Lebensunterhalt zu
       finanzieren.
       
       Die DNA-Spuren und der V-Mann
       
       Klette war nach jahrelang erfolgloser Fahndung im Februar 2024 in einer
       Wohnung in Berlin-Kreuzberg festgenommen worden, wo sie mehr als zwanzig
       Jahre unter falscher Identität gelebt hatte. [9][Seit einem Jahr steht sie
       bereits wegen der Raubüberfälle vor dem Landgericht Verden]. Garweg und
       Staub sind bis heute flüchtig.
       
       Für die drei RAF-Anschläge, die Klette nun vorgeworfen werden, beruft sich
       die Bundesanwaltschaft nach taz-Informationen auf DNA-Spuren Daniela
       Klettes, die an den drei Tatorten gefunden zu sein sollen – und auf den
       früheren V-Mann des Verfassungsschutzes, Klaus Steinmetz, der Anfang der
       neunziger Jahre Kontakt zur Kommandoebene der RAF hatte und damals auch zu
       Klette und über diese die Sicherheitsbehörden unterrichtete.
       
       Klettes Anwalt Lukas Theune sagte der taz dagegen, dass die
       DNA-Nachermittlungen größtenteils erfolglos verlaufen seien. „Es ist
       bezeichnend, dass die Bundesanwaltschaft dennoch Anklage erhebt.“ Theune
       zieht auch die Glaubwürdigkeit von Steinmetz massiv in Zweifel. „In seiner
       Vernehmung hat er selbst angegeben, früher so viel gelogen zu haben, dass
       er nicht mehr sagen kann, was überhaupt jemals der Wahrheit entsprach.“
       
       Durch die damaligen Hinweise von Steinmetz fand im April 1993 ein Einsatz
       von BKA- und GSG9-Beamten gegen RAF-Mitglieder am Bahnhof Bad Kleinen
       statt. Das Führungsmitglied Birgit Hogefeld wurde damals festgenommen. Ihr
       Begleiter Wolfgang Grams erschoss einen Polizisten und wurde selbst von
       Schüssen getroffen, worauf er sich mit einem Kopfschuss tötete.
       
       Die dritte Generation der RAF
       
       Die sogenannte dritte Generation der RAF soll auch mehrere direkte Morde
       beziehungsweise Mordversuche begangen haben. Beim letzten dieser Art wurde
       am 1. April 1991 der Vorsitzende der Treuhandanstalt Detlev Karsten
       Rohwedder erschossen. Auch hier wollen die Ermittler einen der Täter
       [10][per DNA-Haarprobe erkannt haben]: Wolfgang Grams, der 1993 bei der
       Schießerei mit der Polizei ums Leben kam. Beweise zu einer Beteiligung von
       Klette liegen bis heute offenbar nicht vor.
       
       27 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] /Mutmassliche-RAF-Terroristin-Klette/!6166440
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 (DIR) [7] /Ein-Jahr-nach-ihrer-Erklaerung-sie-werde-Angriffe-auf-fuehrende-Repraesentanten-aus-Wirtschaft-und-Staat-einstellen-praezisier--te-am-Samstag-die-Rote-Armee-Fraktion-RAF-ihre-Vorstellungen-Unblutiger-Rueckbau-des-Superknasts-von-Weiterstadt/!1623128/
 (DIR) [8] /JVA-Weiterstadt-lebt/!1402331/
 (DIR) [9] /Daniela-Klette-vor-Gericht/!6085501
 (DIR) [10] /RAF-um-ein-Haar-ueberfuehrt/!1172150/
       
       ## AUTOREN
       
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