# taz.de -- Urteil gegen Daniela Klette: Der Krampf geht weiter
       
       > Der Prozess gegen Klette ist eine verpasste Chance. Er hätte die
       > Möglichkeit geboten, linke Geschichte und vor allem ihre kritische Seite
       > aufzuarbeiten.
       
 (IMG) Bild: Daniela Klette bei der Urteilsverkündung vor dem Landgericht Verden am 27. Mai
       
       Dreizehn Jahre Haft. So lange soll die juristisch gesehen immer noch nur
       mutmaßliche RAF-Angehörige Daniela Klette nun hinter Gitter. Und [1][das
       Urteil des Landgerichts im niedersächsischen Verden] wird vermutlich wieder
       heftige Diskussionen auslösen. Ist es zu hart für die lange Jahre im
       Untergrund lebende 67-Jährige? Ist es vielleicht sogar politisch motiviert,
       um nicht nur die bekennende Linksextremistin, sondern gleich eine ganze
       linke Bewegung zu verurteilen?
       
       Für Letzteres spricht wenig. Auch andere wurden wegen ähnlicher Überfälle
       auf Geldtransporter zu vergleichbar langen Haftstrafen verurteilt. Viel
       wichtiger wäre eine andere Diskussion. Denn der Prozess gegen Klette ist
       auch – und mal wieder – eine verpasste Chance. Er hätte die Möglichkeit
       geboten, linke Geschichte und von allem ihre kritisch zu sehende Seite
       aufzuarbeiten. Aber das wurde verpasst. Auch, weil Klette sich in
       althergebrachtem RAF-Gehabe verweigert hat.
       
       Stattdessen hat sie sich [2][bei ihrem Schlusswort vor zwei Wochen] mit
       schier unerträglicher Hybris als Kämpferin für eine bessere Welt inszeniert
       und feiern lassen. Ganz nach dem Motto: Der Krampf geht weiter.
       
       Sie hat ja recht mit ihrer Klage, dass gewaltloser Widerstand von
       staatlicher Seite schnell oft über alle Maßen bekämpft wird. Aber
       delegitimiert wird linker Protest gegen das kapitalistische System in
       erster Linie durch diejenigen, die nicht einmal vor Schusswaffengebrauch
       gegen Menschen zurückschrecken.
       
       ## Klassische Täter-Opfer-Umkehr
       
       Wenn Klette und Co. verkünden, dass ihnen die Opfer der angeklagten
       Überfälle sehr leid tun und sich dann auch noch verwundert zeigen, dass
       Geldboten für solche Situationen nicht besser ausgebildet seien, dann ist
       das kein Klassenkampf, sondern klassische Täter-Opfer-Umkehr.
       
       Insofern muss man schon froh sein, dass die Generalbundesanwaltschaft
       Klette auch noch [3][wegen uralter RAF-Taten anklagen will]. Da soll es
       unter anderem um den Anschlag auf den Gefängnisneubau in Weiterstadt gehen.
       Der wurde 1993 kurz vor seiner Fertigstellung in die Luft gesprengt – weil
       er auch als Abschiebeknast genutzt werden sollte, [4][wie die RAF damals
       schrieb.]
       
       Eine Begründung, die man durchaus nachvollziehen kann. Auch, weil die
       Täter:innen das Wachpersonal vor der Explosion in Sicherheit brachten.
       Vor allem aber, weil in dem Frühjahr nahezu zeitgleich [5][eine ganz große
       Koalition im Bundestag nach rechtsextremen Pogromen die faktische
       Abschaffung des Asylrechts durchsetzte].
       
       Dieser Teil der linken Geschichte harrt seiner Aufarbeitung. Es geht um die
       Frage, wie weit man gehen darf, kann, muss. Und welche Grenze nicht
       überschritten werden kann. Klette könnte ihren Beitrag dazu leisten. Es
       wäre überfällig.
       
       27 May 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [4] /Ein-Jahr-nach-ihrer-Erklaerung-sie-werde-Angriffe-auf-fuehrende-Repraesentanten-aus-Wirtschaft-und-Staat-einstellen-praezisier--te-am-Samstag-die-Rote-Armee-Fraktion-RAF-ihre-Vorstellungen-Unblutiger-Rueckbau-des-Superknasts-von-Weiterstadt/!1623128/
 (DIR) [5] https://www.proasyl.de/news/30-jahre-asylkompromiss-ein-grundrecht-wird-ausgehoehlt/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gereon Asmuth
       
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