# taz.de -- Medizinische Versorgung in Hamburg: Schuldzuweisungen auf Kosten der Armen
> Im Hamburg-Wilhelmsburg schließt bald das Krankenhaus Groß-Sand. Doch die
> Verkaufsverhandlungen, von denen eine Nachfolgelösung abhängig ist,
> stocken.
(IMG) Bild: Mit fabelhafter Unterstützung: Demo für die Erhaltung des Krankenhauses Groß-Sand
In Hamburg sind die Kaufverhandlungen um das Wilhelmsburger Krankenhaus
Groß-Sand ins Stocken geraten. Während Bürgerschaftsabgeordnete von SPD und
Grünen dem Krankenhausträger, also dem Erzbistum Hamburg, die Schuld dafür
geben, kritisiert das Bistum dem NDR zufolge wiederum die SPD-geführte
Sozialbehörde.
Die Behörde habe die geheim geführten Verhandlungen unterbrochen, obwohl
bereits eine Einigung über den Kaufpreis des Gebäudekomplexes bestanden
habe, kritisiert das. Für die Bewohner:innen des von Armut geprägten
Hamburger Stadtteils bedeutet das eine Hängepartie um ihre medizinische
Versorgungslage.
Dabei hält die Unklarheit schon länger an, wie die medizinische Versorgung
für die rund 55.000 Einwohner:innen zwischen [1][Norder- und Süderelbe]
künftig aussehen soll: Das Erzbistum hatte aus finanziellen Gründen eine
Schließung des Krankenhauses bereits seit Längerem angekündigt.
Im vergangenen Sommer waren im ersten Schritt die Notaufnahme und die
Chirurgie des Krankenhauses geschlossen worden. Vor zwei Wochen dann
erklärte das Erzbistum das endgültige Aus für Groß-Sand zum 30. Juni. 350
Beschäftigte erhielten bereits die Kündigung.
## Nadelöhr Elbbrücken
Knapp 10.000 Unterschriften waren bereits im vergangenen Jahr gegen die
Schließungspläne für das Krankenhaus gesammelt worden. Zwar sind die
nächstgelegenen Krankenhäuser mit Notaufnahme südlich in Harburg und
nördlich in St. Georg nur wenige Kilometer entfernt – durch ihre Insellage
müssen Wilhelmsburger:innen aber in beide Richtungen über Elbbrücken,
die als Nadelöhr im städtischen Verkehr gelten.
Rettungswagen können dort im Stau stehen; mit Bus und Bahn dauert es je
rund 40 Minuten von Groß-Sand zu den beiden nächstgelegenen Kliniken.
Die rot-grüne Koalition im Rathaus hatte auf die Kritik bereits reagiert,
in dem sie [2][den Aufbau einer „Stadtteilklinik“ auf dem Gelände des bald
geschlossenen Krankenhauses versprach.] Wie genau eine solche
Stadtteilklinik ausgestaltet werden soll, ist noch nicht klar.
Neben ambulanten Behandlungsangeboten könnte eine solche Klinik als
Basisversorgung auch stationäre Betten für sogenannte
Kurzzeitlieger:innen anbieten. Auch das bereits auf dem Gelände
bestehende Medizinische Versorgungszentrum (MVZ), in dem Ärzt:innen
verschiedener Fachrichtungen arbeiten, soll erhalten bleiben.
Dass damit eine zufriedenstellende Versorgung für die Bewohner:innen
sowie die vielen in dem angrenzenden Hafengebiet Arbeitenden fortgeführt
wird, bezweifelt schon länger etwa der Verein Wilhelmsburger Ärzteschaft.
Er beklagt, dass mit dem Entfallen von Akutversorgung, Anästhesie,
Intensivmedizin und Chirurgie ein „integraler Bestandteil einer umfassenden
stationären Versorgung“ fehlen wird. „Ein Krankenhaus kann nicht durch eine
Stadtteilklinik ersetzt werden“, stellen die Ärzt:innen fest.
Voraussetzung für den Plan einer Stadtteilklinik ist aber zunächst, dass
die Stadt das Gelände vom Erzbistum erwirbt. Auf Nachfrage will die
Sozialbehörde keinen Zwischenstand zu den Verhandlungen nennen und verweist
darauf, dass Stillschweigen vereinbart worden sei. Auch zu dem Vorwurf des
Bistums, es habe bereits eine Einigung vorgelegen, will sich ein Sprecher
nicht äußern.
Dagegen betonte Claudia Loss, gesundheitspolitische Sprecherin der
SPD-Fraktion, zuletzt angesichts der andauernden Verhandlungen, dass „die
heutige Situation maßgeblich auf das Erzbistum Hamburg zurückzuführen ist“.
Zusammen mit den Grünen fordert die SPD-Fraktion die Sozialbehörde nun auf,
auch nach alternativen Standorten für die Stadtteilklinik zu suchen. Auf
Nachfrage teilt die Behörde allerdings mit, dass sie alternative Standorte
in solchen Fällen ohnehin standardmäßig recherchiere.
„So oder so wird es in Wilhelmsburg nun über Jahre hinweg keine angemessene
Versorgung geben“, sagt der gesundheitspolitische Sprecher der
Linksfraktion, Deniz Çelik. Die Suche nach gegebenenfalls alternativen
Standorten sei schon vor langer Zeit gefordert worden; ein Konzept zur
geplanten Stadtteilklinik habe die Sozialbehörde eigentlich schon für Ende
vergangenen Jahres angekündigt. Und von einer Übergangslösung sei bislang
nichts bekannt.
„Es trifft in solchen Fällen immer dieselben Stadtteile“, sagt Çelik. Eine
ähnlich schlechte [3][medizinische Versorgungslage] gebe es etwa auch im
[4][ebenso armen Stadtteil Steilshoop]. „Dagegen ist das in Eimsbüttel oder
Harvestehude undenkbar.“
2 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /In-Hamburg-Wilhelmsburg/!6101360
(DIR) [2] /Kein-Krankenhaus-in-Hamburg-Wilhelmsburg/!6096810
(DIR) [3] https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/sozialbehoerde/themen/gesundheit/gesundheitsfoerderung/gesundheitsberichterstattung/faktenblaetter/ressourcen-32852
(DIR) [4] /Leben-in-Plattenbausiedlungen/!6093182
## AUTOREN
(DIR) André Zuschlag
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