# taz.de -- Hitlist polizeifeindlicher Slogans: Halb Kreuzberg hasst die Polizei
       
       > Eine Spontandemo gegen die Stromanschlagsrazzien wird zum
       > Gesangswettbewerb. Ein Slogan gegen die Polizei folgt auf den nächsten.
       
 (IMG) Bild: Verbalradikal, aber friedlich
       
       „Hass, Hass, Hass wie noch nie. All cops are bastards – ACAB“ hallt es am
       Dienstagabend gegen halb neun plötzlich über den Mariannenplatz. „All cops
       are targets – ACAT“, berichtigt jemand. Aus den etwa 40, 50 Kehlen
       überwiegend dunkel gekleideter Menschen folgt kurz darauf: „Bullenschweine
       raus aus den Kiezen.“ Sie alle stehen mit Abstand zueinander rings um die
       Kuhle vor dem Bethanien. „Auf die Straße, Bullen auf die Nase“, rufen ein
       paar männliche Stimmen, ohne große Resonanz, dann wieder lauter: „Ganz
       Berlin hasst die Polizei.“ Der Autor denkt an Bingo und schreibt mit.
       
       In Chatgruppen kursierte zuvor ein Aufruf für eine Spontandemonstration
       gegen [1][die Razzien auf linke Projekte und WGs am Morgen im Zusammenhang
       mit dem Anschlag auf Strommasten] in Treptow im vergangenen September. Nun
       schallt „Ein Baum, ein Strick, ein Bullengenick“ durch die anbrechende
       Nacht. Auch die Polizei hatte Wind bekommen von dem nicht angemeldeten
       Protest, eine Hundertschaft hat sich in Stellung gebracht. „Deutsche
       Polizisten – Mörder und Faschisten“ wird in ihre Richtung geschrien. Mit
       Taschenlampen leuchten Polizist:innen in die Szenerie.
       
       „Wo, wo, wo wart ihr in Hanau?“ folgt [2][als eher rhetorische Frage], ehe
       einige unbehelmte Beamte über den Platz streifen. „Blut an euren Händen“
       lautet die Antwort der noch immer Verstreuten. Immer noch kommen
       Kleingruppen dazu, dabei sollte es schon um 20 Uhr losgehen. „Ein Bulle,
       ein Schwein, das muss Verwandtschaft sein“, rufen ein paar Zuspätgekommene.
       Irgendwo lacht jemand laut. Warmgerufen von den Parolen folgen eher
       melodische Beleidigungen: „Alle Bullen sind Schweine.“
       
       Langsam kommt die Menge, die näher zusammenrückt, in Schwung: Auf „Auch mit
       Koks und auch mit Nazis seid ihr nichts“ folgt die Darth-Vader-Melodie von
       „Star Wars“. Ein Mann geht die Verstreuten ab und informiert, dass der
       Demozug bald starten soll. „Ich bin nichts, ich kann nichts, gebt mir eine
       Uniform“ lautet die dankbare Antwort. Angesichts der im Raum stehenden
       Vorwürfe der Bildung [3][einer kriminellen Vereinigung nach Paragraf 129]
       fehlt auch ein „129, das kennen wir schon. Feuer und Flamme der Repression“
       nicht.
       
       Nach einem Pfiff formieren sich die überwiegend jungen Linksradikalen zu
       einem Block. „Nur für Arbeit gibt es Lohn, Bullen in die Produktion“ ist
       nun laut und deutlich vernehmbar. Über den Platz setzen sich die etwa 100
       Menschen in Bewegung Richtung Mariannenstraße. „BRD, Bullenstaat, wir haben
       dich zum Kotzen satt“, erinnert sich ein einzelner Teilnehmer an alte
       Zeiten, als Spontis noch gut besucht waren.
       
       „Not nation, no border, fight law and order“ zeigt dann den
       Internationalismus der Bewegung. Getoppt noch von [4][„Policia –
       assassini“] und „Tout le monde déteste la police“. Polizist:innen
       begleiten die Demo in einem engen Spalier, die Helme bleiben zunächst am
       Gürtel. „Die Gewalt kommt immer von denselben, schwarzer Block mit
       schwarzen Helmen“ verstehen sie dann aber als Aufforderung, sich doch
       besser zu schützen. Noch bevor man die durchsuchte anarchistischen
       Bibliothek in der Reichenberger Straße erreicht, biegt man schon wieder ab.
       
       „Überall Polizei, nirgendwo Gerechtigkeit“ erklingt auf Kreuzbergs Straßen.
       Die Demo saust im Brauseschritt. Das „Bullen, Schweine, Lügner, Mörder“
       hört sich schon recht hastig an. Nach 20 Minuten Rundtour durch Kreuzberg
       erreicht man den Lausitzer Platz. „Wir kriegen euch alle“, rufen die
       Letzten. Dann entschwinden sie in der Nacht. Die Polizei musste nicht
       eingreifen.
       
       25 Mar 2026
       
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