# taz.de -- Artemis 2: An der Realität vorbeigeflogen
       
       > Rund 90 Milliarden US-Dollar kostete die Reise zum Mond. Das ist dreimal
       > so viel, wie man bräuchte, um für ein Jahr den Welthunger zu stoppen.
       
 (IMG) Bild: Ganz schön aufwändig: Um zu fotografieren, wie die Erde hinter dem Mond untergeht, muss man 400.000 Kilometer weit reisen
       
       La li lu, die Crew der Artemis 2, ist gelandet. Zwar haben sie keine
       bahnbrechenden Erkenntnisse mitgebracht. Aber dafür Daten für den Bau einer
       Mondbasis und dazu eine gesunde Portion Erdpatriotismus. Im Zweifelsfall
       würde man sich immer für unseren Planeten entscheiden, hieß es.
       
       Weltraumreisende betonen wiederholt, wie zerbrechlich unsere Erde doch ist.
       Wladimir Kowaljonok hat erst im All realisiert, dass wir alle im selben
       Boot sitzen. Der Preis für solche interstellaren Erkenntnisse ist hoch. Das
       Artemis-Programm inklusive der letzten Spritztour zum Mond hat bislang mehr
       als 90 Milliarden US-Dollar gekostet. Auch Deutschland [1][investiert
       enthusiastische Milliardensummen] in die europäische Raumfahrt. Doch
       ironischerweise schaffen wir es nicht, diese teuren Weisheiten zu befolgen.
       
       Das könnte daran liegen, dass man vom All aus zwar die Golden Gate Bridge
       sehen kann, nicht aber hungernde Kinder im Sudan oder zerbombte Schulen in
       Gaza. Wie viele andere Industrienationen ist Deutschland gerade erneut
       daran gescheitert, seine versprochene Summe in [2][Entwicklungsarbeit] zu
       investieren. Gleichzeitig werden Klimabudgets geschreddert, wird Kriegen
       und humanitären Krisen der Rücken zugekehrt. Um den Welthunger zu stoppen,
       bräuchte man laut [3][Oxfam] 30 Milliarden US-Dollar jährlich.
       
       Doch die feuern wir lieber ins All, in der Hoffnung, dass uns der Blick von
       oben klüger macht. Oder einfach, weil Sterngucken so schön ist. Die
       Raumfahrt sei ein bewährtes Mittel für die Menschheit, „erwachsen zu
       werden“, sagte [4][ein Sprecher des Deutschen Zentrums für Luft- und
       Raumfahrt zur taz]. Aber ist nicht ein wichtiger Teil des Erwachsenwerdens,
       die eigenen Probleme lösen zu lernen und nicht vor ihnen wegzulaufen? Vor
       allem nicht bis zum Mond. Den haben wir Menschen übrigens längst mit
       unserem Scheiß behelligt.
       
       Buchstäblich: Neil Armstrong und seine Crew ließen auf ihrer Mission [5][96
       Beutel] mit menschlichem Kot, Urin und Erbrochenem auf dem Mond, die dort
       auf tapfere Mondfahrer:innen warten. Wer die dann beseitigen darf,
       steht noch in den Sternen.
       
       12 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.dlr.de/de/aktuelles/nachrichten/2025/deutschland-investiert-5-4-milliarden-euro-in-die-zukunft-der-europaeischen-raumfahrt
 (DIR) [2] /Studie-zu-Entwicklungspolitik/!6167669
 (DIR) [3] https://www.oxfam.de/presse/pressemitteilungen/2024-06-12-nur-drei-prozent-g7-militaerausgaben-koennten-beendigung#:~:text=Demnach%20sind%20derzeit%20zus%C3%A4tzlich%20rund%2031,7%20Milliarden,H%C3%B6he%20von%20rund%20vier%20Milliarden%20US-Dollar%20erlassen.
 (DIR) [4] /Artemis-2-auf-Ruecktour/!6169823
 (DIR) [5] https://www.rmg.co.uk/stories/space-astronomy/strange-things-humans-have-left-on-moon
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Evke Bakker
       
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