# taz.de -- Fan-Krawalle in Dresden: Stadionverbote sind auch keine Lösung
> Die Innenminister wollen Fußballstadien schärfer überwachen.
> Ausschreitungen wie in Dresden kommen ihnen da gerade recht.
(IMG) Bild: Bis die Polizei kommt: Herta BSC zu Gast in Dresden
Es waren außergewöhnliche Szenen, die sich am vergangenen Samstag im
Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion [1][beim Zweitligaspiel zwischen Dynamo
Dresden und Hertha BSC] abspielten: Anhänger beider Vereine standen sich im
Stadion-Innenraum vor dem Gästeblock unmittelbar gegenüber und beschossen
sich mit Feuerwerk. Erst das Eingreifen der Polizei beendete diese direkte
Konfrontation.
Zuvor war es Dresdnern gelungen, einen Teil einer großen Zaunfahne des
Förderkreises Ostkurve aus dem Gästeblock zu entwenden. Als die Fahne des
Dachverbandes der aktiven Hertha-Fanszene, der Choreographien und
Auswärtsfahrten organisiert, kurz darauf in der Dresdner Heimkurve
präsentiert wurde, kletterten Herthaner über die Balustrade, mehrere
Dutzend Dresdner rannten ihnen entgegen.
Die Ereignisse, die eine 20-minütige Spielunterbrechung zur Folge hatten,
sind einer der gravierendsten Gewaltvorfälle in deutschen Stadien in dieser
Saison. Sowohl das Betreten des Platzes, als auch direkte
Auseinandersetzungen zwischen Fanlagern sowie der Beschuss mit Pyrotechnik
gehören nicht zum Alltag des Profifußballs. Zu sicher sind die modernen
Stadien, zu abgeschirmt die Fankurven.
## Revierverhalten junger Männer
Die Eskalation nach dem Fahnenklau ist bei den Ultras, den besonders
aktiven Fans, mit Revierverhalten testosterongesteuerter junger Männer zu
erklären. Eigene Materialien gelten als heilig, so manche Ultragruppe hat
sich nach einem Verlust der identitätsstiftenden Fahne bereits aufgelöst.
Für die Dresdner ist die Aktion ein Coup, der die gewalttätige Reaktion
ihrer Gäste bewusst provozierte.
Doch für die Szene der aktiven Fans bundesweit kommt der Vorfall zur
Unzeit. Ausgerechnet an jenem Spieltag meldeten sich die Fans mit Protesten
gegen repressive Maßnahmen zurück. Motto: Vor der Innenministerkonferenz
ist nach der Innenministerkonferenz. [2][Der IMK im Dezember waren massive
Proteste vorausgegangen,] um Maßnahmen wie [3][KI-gestützte
Gesichtserkennungssoftware, die Einführung personalisierter Tickets oder
zentral verfügte Stadionverbote schon auf Verdacht] zu verhindern. Zunächst
erfolgreich.
Doch bereits im Juni droht auf der nächsten IMK neues Ungemach. Die Politik
macht Druck auf die Fußballverbände für die Einrichtung einer bundesweiten
Stadionverbotskommission. Diese soll bestehende Strukturen bei den Vereinen
entmachten und Fans bereits bei Einleiten eines Ermittlungsverfahrens aus
den Stadien verbannen. Anfang April hatten Fanszenen von 50 Vereinen diesen
Plänen widersprochen, das entsprechende Statement findet sich auch auf den
Seiten der wichtigsten Ultragruppen von Dynamo und Hertha.
Beklagt wird darin zudem eine Zunahme gewalttätiger Polizeieinsätze und die
Behinderung von Anreisen zu Spielen. Ob bei [4][Hertha], Magdeburg oder
Stuttgart: In jüngster Vergangenheit war es zu teils massiven
Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen. „Kein Zufall“, sagen die
Fans: „Möglichst schockierende Bilder und Schlagzeilen sollen das politik-
und polizeieigene Narrativ, die Stadien seien nicht sicher, Woche für Woche
unterfüttern.“
## Law-and-order-Minister
Man muss das nicht als Verschwörungstheorie abtun. Denn
Law-and-order-Minister brauchen Aufhänger, um ihre Politik zu legitimieren.
Dumm nur, dass die Fans den besten Grund nun selbst geliefert haben. Denn
was hätte den Innenministern Besseres passieren können als die Ereignisse
in Dresden? Sachsens Armin Schuster war prompt zur Stelle und sagte, ab
jetzt dürfe es „kein Pardon mehr geben“.
„Die Stadien sind sicher“, lautete bislang das schlagende Argument der Fans
gegen neue Maßnahmen. Im Grundsatz bleibt das richtig. Aber damit
durchzudringen wird nach Dresden schwerer.
10 Apr 2026
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