# taz.de -- Das Sterben der FDP: Wolfgang Kubicki ist nicht Gerhart Baum
> Ausgerechnet die Krawallkanone Wolfgang Kubicki soll die Liberalen
> retten. Mit ihm entscheidet sich die Partei für einen moderaten
> Rechtspopulismus.
(IMG) Bild: Soll die FDP retten und wieder hochprozentig machen: Wolfgang Kubicki
Die Leiche ist noch nicht unter der Erde, am Erbe wird aber schon gezerrt.
Nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg verkündete Bundeskanzler
Friedrich Merz, die FDP sei von der Bühne verschwunden und komme nicht
wieder. Ihre Wähler*innen sollen künftig bitte die CDU wählen.
Zwei Wochen später in Rheinland-Pfalz taten sie das dann auch, was [1][den
Sterbeprozess der Liberalen beschleunigte] und Grünen-Chefin Franziska
Brantner zur Nachahmung bewegte: Mit einem [2][Interview in der
<i>Welt</i>] und einem [3][Gastbeitrag in der
<i>FAZ</i>] sprach mittlerweile auch sie eine „Einladung“ an
die bisherige FDP-Klientel aus.
Mit der Erbfolge kann man sich tatsächlich schon mal befassen. Die
Freidemokraten zucken zwar noch und wollen [4][mit der Wahl einer neuen
Spitze im Mai] einen letzten Comebackversuch starten. Große Hoffnungen
sollten sie sich aber nicht machen. Mit dem einen Kandidaten, Wolfgang
Kubicki, würde sie sich für einen moderaten Rechtspopulismus zwischen CDU
und AfD entscheiden.
Ob dort überhaupt noch Platz ist, ist fraglich. Der Gegenkandidat, Henning
Höne, ist jünger als Kubicki und weniger unseriös. Sonst weiß man nicht
viel über ihn – was den Landespolitiker für die Rettung einer Partei, der
die Bundestagsfraktion und damit mediale Reichweite abhandengekommen ist,
auch nicht prädestiniert.
## FDP hat viele Stimmen an die Rechten verloren
Aber ob sich ausgerechnet die Grünen Chancen auf den Nachlass der FDP
ausrechnen können? Brantners Vorgängerin Ricarda Lang sagte diese Woche in
der Zeit, sie bezweifle, dass die FDP-Wähler*innen „nur auf uns Grüne
gewartet haben“. Daten zur Wählerwanderung bei den vergangenen
Landtagswahlen deuten darauf hin, dass sie recht hat.
Die FDP hat dort stark an die AfD und noch stärker an die Union verloren,
an die Grünen dagegen wenig bis gar nicht. Was allerdings denkbar ist: dass
für die Grünen nur deshalb nichts zu holen war, weil sie längst ein
vorgezogenes Erbe eingestrichen haben.
Es liegt nahe, dass sie in einem schleichenden Prozess zur politischen
Heimat von Wählergruppen wurden, die einst die FDP geschätzt haben – aber
nicht wegen deren Kampf gegen Staatsschulden und Mietpreisbremse, sondern
wegen der Bürgerrechtspolitik und des Linksliberalismus von Urgesteinen wie
Gerhart Baum.
Liberal sind die Grünen ja schon auch, nur anders. Die FDP, wie wir sie
heute kennen, verfolgt einen intuitiven Begriff von Freiheit: Frei ist der
Mensch, wenn der Staat ihn in Ruhe lässt. Bei den Grünen ist es komplexer:
Frei ist der Mensch, wenn ihm der Staat seine Freiheit ermöglicht, und sei
es mit Verboten. Anschaulich wird das zum Beispiel in der Klimapolitik, in
der die Grünen für massive staatliche Eingriffe werben – und dabei gerne
mit dem Urteil des Verfassungsgerichts von 2021 argumentieren: Wenn wir
jetzt nicht handeln, verlieren künftige Generationen an Freiheit.
Damit kann man sicherlich Liberale überzeugen. Aber sicher nicht die
Liberalen, die bis zum bitteren Ende die FDP gewählt haben.
10 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Landtagswahlen-in-Rheinland-Pfalz/!6164327
(DIR) [2] https://www.welt.de/politik/deutschland/plus69c00d508f5761671715b871/gruene-strategie-warum-eigentlich-nur-fuer-die-jungen-was-machen-die-alten-sagt-brantner-zum-wehrdienst.html
(DIR) [3] https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/die-gruenen-wollen-den-liberalismus-neu-denken-accg-200684797.html
(DIR) [4] /Chaostage-bei-der-FDP/!6168867
## AUTOREN
(DIR) Tobias Schulze
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