# taz.de -- Münchner Koalition: Die Mango kann loslegen
       
       > Nicht nur, dass München jetzt von einem grünen Oberbürgermeister regiert
       > wird, ist neu. Auch eine solche 5-Parteien-Koalition hat die Stadt noch
       > nicht gesehen.
       
 (IMG) Bild: Gibt sich betont kollegial: Münchens neuer Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne)
       
       Das wichtigste Thema, zumindest wenn man nach der gefühlten Medienpräsenz
       in den letzten Monaten geht, konnte Dominik Krause gleich in den ersten
       Tagen seiner Amtszeit abräumen: die Eisbachwelle. Noch am Freitag hat das
       Münchner Rathaus verkündet, die beliebte innerstädtische Surfwelle sei
       wieder stabil und zum Surfen freigegeben. „Er erwischt die perfekte Welle“,
       kommentierte die Süddeutsche Zeitung sogleich den Start des neuen
       Oberbürgermeisters.
       
       Es läuft für Dominik Krause. Gut, ein fiebriger Infekt hat [1][den neuen
       Münchner OB] am Wochenende noch einmal umgeworfen, weshalb die
       Unterzeichnung des Koalitionsvertrags verschoben werden musste. Doch am
       Montagmorgen, kurz vor der feierlichen Eröffnung des neuen Stadtrats, wurde
       dies dann nachgeholt.
       
       35 Seiten hat das Schriftstück mit dem Titel „Aufbruch und Erneuerung.
       Zusammenhalt und Verlässlichkeit. [2][Für München].“ Und wenn man den
       Autorinnen und Autoren glauben darf, wurden sie in größtmöglicher Eintracht
       verfasst. Der Stadtrat sei schließlich kein Parlament, sondern ein
       „Kollegialorgan“, wie Krause zu betonen nicht müde wird.
       
       Es ist ein grün-rosa-rot-gelb-orangefarbenes Bündnis, auf das sich fünf im
       Stadtrat vertretene Parteien zuletzt geeinigt hatten – ein griffiger Name
       wird noch gesucht. Krause favorisiert Mango-Koalition, SPD-Chef Christian
       Köning gibt sich etwas skeptisch gegenüber Flugobst – vor allem angesichts
       des geringen Rotanteils einer Mango. Das ist aber dann auch schon alles,
       was die Koalitionäre an diesem Morgen an Konfliktstoff aufzubieten haben.
       
       ## Volt hat sich verzockt
       
       Die ursprünglich von Grünen und SPD favorisierte Koalition wäre zwar eine
       andere gewesen, aber jetzt geben sich die Partner so zufrieden, als wäre
       nie eine andere Option überhaupt nur in Frage gekommen. Dass Grün und Rot
       miteinander weiterregieren wollen, haben die beiden Parteien nach der Wahl
       zwar schon sehr schnell klargemacht – obwohl es im alten Stadtparlament
       zuletzt zunehmen knirschte. Die Avancen der CSU an die Grünen blieben daher
       unerhört.
       
       Nur: Gemeinsam kamen die schon traditionelle Fraktionsgemeinschaft von
       Grünen und Rosa Liste einerseits und die SPD-Fraktion andererseits nicht
       auf die nötige Mehrheit im neuen Stadtrat. Was hätte da also nähergelegen,
       als Volt mit ins Boot zu holen, die Europapartei, die es zum ersten Mal in
       Fraktionsstärke ins Stadtparlament geschafft hatte. Schon im vergangenen
       Stadtrat waren zunächst die SPD und dann Grüne/Rosa Liste eine
       Fraktionsgemeinschaft mit der kleinen Partei eingegangen, man kannte sich.
       
       Doch bei den Sondierungsgesprächen stellte Volt – vor allem, was das
       Personal anging – dann Forderungen, die für die beiden großen Fraktionen
       inakzeptabel hoch waren und brach die Gespräche schließlich komplett ab.
       Offensichtlich hatte sich die kleine Partei verzockt. Jetzt muss sie sich
       mit der Rolle einer von vielen Oppositionsparteien zufrieden geben.
       
       Grüne und SPD setzten sich stattdessen mit FDP und Freien Wählern zusammen,
       die sich mittlerweile zu einer Fraktionsgemeinschaft zusammengefunden
       hatten, und kamen schnell zu Ergebnissen. Am Wochenende haben die
       Koalitionspartner bei Parteitagen das Bündnis abgesegnet. Daher nun die
       fünffarbige Koalition.
       
       Die größten Herausforderungen sehen die Koalitionäre in der Linderung der
       Wohnungsnot und der Sanierung des Haushalts. Um den ist es so schlecht
       bestellt, dass es darüber hinaus für größere Sprünge derzeit ohnehin kaum
       reichen wird. So liegt auch eine große Hoffnung auf der
       [3][Olympia-Bewerbung der Stadt]. Der grüne Oberbürgermeister hatte sich –
       anders als Teile seiner Partei – von Anfang an hinter das Projekt gestellt.
       
       Die feierliche Eröffnungssitzung mit der Vereidigung der neuen Stadträte
       findet mit vielen Gästen nebenan im Alten Rathaus statt. Nachdem ihm
       Vorgänger Dieter Reiter die goldene Amtskette umgehängt hat, unterstreicht
       Krause in seiner Rede noch mal seinen kollegialen Politikansatz, mit dem er
       alle demokratischen Kräfte im Stadtrat mitnehmen möchte.
       
       ## Auch die CSU kommt zum Zug
       
       Dazu passt eine seiner ersten Personalentscheidungen als OB: So geht das
       Vorschlagsrecht für die Besetzung der Referenten, also gewissermaßen der
       Stadtminister, nicht ausschließlich an die Mango-Parteien. Kommunalreferent
       soll demnach der über die Parteigrenzen hinaus geschätzte CSU-Politiker
       Alexander Dietrich werden. Krauses Stellvertreterinnen dagegen stellen die
       größten Koalitionsparteien: Zweite Bürgermeisterin wird die Grüne Mona
       Fuchs; Verena Dietl von der SPD bleibt Dritte Bürgermeisterin.
       
       Angesichts der Dimension der Herausforderungen stehe es einem gut zu
       Gesicht, Gräben zu überwinden und Kompromisse zu suchen, sagte Krause in
       seiner Antrittsrede. Und man könne durchaus hinterfragen, „ob es wirklich
       jeder so liebgewonnene Kulturkampf wert ist fortgeführt zu werden, ob ein
       zehn Zentimeter breiterer Radweg oder ein Parkplatz wirklich der Untergang
       des Abendlandes ist – in die eine wie die andere Richtung“.
       
       11 May 2026
       
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