# taz.de -- Alltag des Krieges in der Ukraine: Luftalarm im Zug
       
       > In der Ostukraine läuft die Evakuierung eines Nachtzuges bei Luftalarm
       > geradezu routiniert ab. Danach geht die Fahrt weiter. Ein
       > Erlebnisbericht.
       
 (IMG) Bild: Bei einem russischen Drohnenangriff auf den Bahnhof in Schostka (Region Sumy) wird am 4. Oktober 2025 dieser Zug getroffen
       
       Um kurz vor 3.00 Uhr morgens kommt der Zug Kyjiw – [1][Charkiw] plötzlich
       zum Stehen. Mitten auf einem Feld. „Alle raus, Evakuierung! Luftalarm“,
       sagt der Schaffner im ruhigen Ton zu den Schlafenden. „Nehmen Sie Ihre
       Dokumente und Ihr Handgepäck mit. Ihre Koffer können Sie im Zug lassen.“
       
       Also warmen Pullover überziehen, Stadtrucksack auf den Rücken, Taschenlampe
       in die Hand nehmen, Telefon und Powerbank in die Jackentasche und raus in
       die Dunkelheit auf den Acker, die steile Böschung hinunter. Wer jetzt keine
       Taschenlampe hat, muss sich an den Lichtkegeln der anderen Passagiere
       orientieren. „Weiter!“, ruft ein Schaffner den auf dem Acker Wartenden zu.
       „Weg vom Zug!“
       
       Irgendwo in der Nähe ist ein Dorf. Zu sehen ist es in der Dunkelheit nicht,
       aber das Gebell mehrerer Hunde legt die Vermutung nahe, dass hier irgendwo
       Häuser sein müssen.
       
       Dutzende Taschenlampen leuchten auf dem Acker, weinende Kinder. Ungefähr
       eine Stunde warten die Passagiere in der Kälte auf dem Acker. Dann ruft ein
       Schaffner: „Entwarnung, kommen Sie zurück.“
       
       ## Nach der Evakuierung geht es im Stop and Go Weiter
       
       Nun heißt es, mit der Taschenlampe in der Hand die steile Böschung
       hochkommen, mit dem Lichtkegel die Nummer des eigenen Waggons erfassen.
       
       Dann geht es los. Aber nicht für lange. Drei Stunden braucht der Zug im
       Stop and Go, bis er schließlich im Bahnhof von Poltawa eingetroffen ist.
       
       Natürlich war die Evakuierung eine kluge Entscheidung des Zugführers. Denn
       während wir auf dem Acker standen, wurde Poltawa aus der Luft angegriffen.
       
       In der Nacht zum Dienstag hat Russland die Ukraine mit ballistischen
       Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen angegriffen. In mehreren Regionen
       wurden Explosionen gemeldet. Besonders schwer betroffen waren
       Saporischschja und Poltawa.
       
       ## Opfer der nächtlichen Angriffe auf beiden Seiten
       
       Nach Angaben der Militärverwaltung von Poltawa kamen dort mindestens zwei
       Menschen ums Leben, weitere elf wurden verletzt. Durch die Einschläge
       wurden mehrere Wohngebäude sowie ein Hotel beschädigt. An den getroffenen
       Orten brachen Brände aus. Bilder zeigen zerstörte Fassaden und schwer
       beschädigte Mehrfamilienhäuser.
       
       In Saporischschja kam eine Person ums Leben, mehrere weitere wurden
       verletzt. Beschädigt wurden Wohnhäuser, ein Geschäft sowie
       Industrieanlagen. In Charkiw schlug eine Drohne in offenem Gelände ein,
       ohne Opfer oder größere Schäden zu verursachen. Explosionen wurden zudem
       aus der Region Iwano-Frankiwsk gemeldet.
       
       Auch im unweit von Charkiw gelegenen russischen Gebiet Belgorod kamen
       Menschen durch ukrainische Drohnen zu Schaden. Dies meldet der russische
       Gouverneur von Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, auf Telegram. So seien in
       fünf Ortschaften mehrere Menschen verletzt worden. In einer städtischen
       Klinik in Belgorod hätten Ärzte bei drei Männern Minen- und
       Explosionsverletzungen diagnostiziert.
       
       Im Bezirk Schebekino griff eine Drohne im Dorf Nezhegol ein Auto an. Eine
       Frau, die sich während des Angriffs neben dem Fahrzeug befand, erlitt eine
       Splitterverletzung.
       
       24 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Ausstellung-zu-getoeteten-Kindern/!6142569
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernhard Clasen
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Ostukraine
 (DIR) Luftangriffe
 (DIR) Evakuierung
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Drohnenangriffe
 (DIR) wochentaz
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Drohnenangriff auf Lwiw: Unesco-Welterbe unter russischem Beschuss
       
       Eine russische Drohne schlug Dienstag im historischen Stadtzentrum von Lwiw
       ein. Es gab 27 Verletzte, ein Wohnhaus neben der St.-Andreas-Kirche stand
       in Flammen.
       
 (DIR) Nachrichten im Ukraine-Krieg: Drohnenkrieg eskaliert
       
       Nach verheerenden russischen Angriffen schlägt die Ukraine mit Hunderten
       Drohnen zurück. Zwei Drohnen gehen auch in Lettland und Estland nieder.
       
 (DIR) Podcast „Stalino.“: Östlich unserer Erinnerung
       
       Ein Podcast von Dekoder widmet sich dem Vernichtungskrieg der deutschen
       Wehrmacht in der Donbass-Region der Ukraine – und den Parallelen zur
       Gegenwart.
       
 (DIR) Drohnen-Abwehr: Ukraine will Israel beim Krieg gegen Iran helfen
       
       Benjamin Netanjahu plant ein Gespräch mit Selenskyj, um über eine
       Zusammenarbeit bei der Abwehr iranischer Drohnen zu beraten.
       
 (DIR) Krieg gegen die Ukraine: Russland greift Kyjiw mit Raketen und Drohnen an
       
       Bei nächtlichen Attacken auf die Hauptstadtregion sterben vier Menschen, 15
       werden verletzt. Ziel waren auch Energieanlagen und Bahnstrecken, es kommt
       zu Stromausfällen.