# taz.de -- Drohnen-Abwehr: Ukraine will Israel beim Krieg gegen Iran helfen
> Benjamin Netanjahu plant ein Gespräch mit Selenskyj, um über eine
> Zusammenarbeit bei der Abwehr iranischer Drohnen zu beraten.
(IMG) Bild: Das israelische Luftabwehrsystem Iron Dome bei der Abwehr iranischer Raketen über Tel Aviv
Israel will offensichtlich Drohnenabfangsysteme von der Ukraine kaufen.
Israelischen Medienberichten zufolge hat Ministerpräsident Benjamin
Netanjahu ein Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj
angefragt, um über eine mögliche Zusammenarbeit bei der Abwehr iranischer
Drohnen zu sprechen.
Die israelische Armee plant, den Krieg gegen Iran noch mindestens drei
Wochen fortzusetzen. Es verblieben noch „Tausende Ziele“ im Iran, sagte der
Militärsprecher Effie Defrin, wie die Armee bestätigte.
Bereits zu Beginn des Iran-Krieges hatte der ukrainische Präsident den USA
und den Golfstaaten angeboten, diesen durch die Lieferung von
Abfangsystemen und Fachleuten im Krieg gegen Iran beizustehen.
In Iran wird dies sehr genau registriert. Teheran wirft der Ukraine vor,
sich durch ihre Hilfe in den Konflikt einzumischen. Vor diesem Hintergrund
warnt der Vorsitzende des Sicherheitsausschusses im iranischen Parlament,
Ebrahim Azizi, die Ukraine könne zu einem „legitimen Ziel“ iranischer
Angriffe werden. Falls Kyjiw Israel mit Drohnen unterstütze, würde sich die
Ukraine damit faktisch am Konflikt beteiligen. Und dann würde der Iran auch
[1][die Ukraine als militärisches Ziel] betrachten.
Das Regime in Iran hatte den russischen Angriffskrieg von Anfang an mit der
Lieferung der gefürchteten Shahed-Drohnen unterstützt. Für die Ukraine war
dies bisher kein Grund, Iran als Kriegsziel zu betrachten.
In der Ukraine löst das neue Interesse mehrerer Staaten am Kauf
ukrainischer Drohnen und Drohnenabwehr Begeisterung aus. Die
Drohnenproduktion des Landes sei einer der erfolgreichsten
Wirtschaftszweige des Landes, schwärmt etwa Ihor Luzenko, Kommandeur einer
Drohneneinheit, in der ukrainischen New Voice.
Habe es zu Beginn des russischen Angriffskrieges nur wenige ukrainische
Drohnenhersteller gegeben, so Luzenko, rechne man für 2026 mit sieben
Millionen Drohnen aus einheimischer Produktion. „Das Drohnenfieber hat
begonnen“, so Luzenko. In Kyjiw seien die Hotels überfüllt mit Ausländern,
die in das Drohnengeschäft einsteigen wollten.
Einer der Kritiker des Verkaufs von Drohnen an Israel und die Golfstaaten
ist Sergi Jagodsinski, Prorektor der Europäischen Universität in Kyjiw.
Natürlich sei es verständlich, dass sich die Ukraine den USA anbiedern
würde, habe man doch viel von den USA erhalten. Faktisch stelle sich die
Ukraine mit ihrem Angebot, den Golfstaaten, den USA und Israel mit Drohnen
beizustehen, auf eine Seite in diesem Krieg. Und damit gehe das Land das
Risiko eines iranischen Angriffs ein. Mikolajiw, Odessa und Charkiw seien
für iranische Raketen durchaus erreichbar, [2][so Jagodsinski auf Youtube.]
## Selenskyj kritisiert die Lockerungen der Sanktionen
Unterdessen kritisierte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die
Entscheidung der USA, die Russland-Sanktionen zu lockern, scharf. Die
Einnahmen, die Russland aus dem Ölverkauf erziele, flössen in den Krieg,
zitiert die ukrainische Agentur Ukrinforn den Präsidenten.
„Ich meine, dass die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland nicht der
Welt, sondern nur Russland helfen wird.“ Die Entscheidung der USA, den
Verkauf von russischem Öl und Ölprodukten, die bereits auf Schiffe verladen
wurden, vorübergehend zuzulassen, bringe Russland zusätzliche 10 Milliarden
Dollar ein, so Selenskyj.
In der vergangenen Woche sind bereits die ersten ukrainischen
Drohnenspezialisten in einigen Golfstaaten eingetroffen. Dort sollen sie
Qatar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate vor iranischen
Drohnen schützen, berichtet Ihor Luzenko in der ukrainischen New Voice.
Diese drei Golfstaaten dürften nicht die Einzigen sein, die eine
Zusammenarbeit mit der Ukraine für den Kauf von Drohnen anstreben.
Selenskyj hatte kürzlich erklärt, dass sich bereits mehr als ein Dutzend
Staaten an Kyjiw gewandt hätten, um Unterstützung beim Schutz vor
iranischen Drohnen zu erhalten.
## Waffendeal zwischen Ukraine und Saudi-Arabien
Die Beziehungen zwischen der Ukraine und den arabischen Staaten sind
insgesamt relativ gut und seit dem russischen Angriff 2022 intensiver
geworden. In diesem Monat wurde ein geplanter Waffendeal zwischen
Saudi-Arabien und der Ukraine öffentlich. Ein saudi-arabisches
Rüstungsunternehmen hat offenbar einen Vertrag über den Kauf ukrainischer
Abfangraketen unterzeichnet. Das berichtete der Kyjiw Independent unter
Berufung auf Quellen aus der ukrainischen Rüstungsindustrie.
[3][Gleichzeitig verhandeln Riad und Kyjiw] demnach über ein weiteres,
deutlich umfangreicheres Rüstungsgeschäft.
In Kyjiw weiß man auch die Bemühungen von Golfstaaten bei der Vermittlung
in humanitären Fragen zu schätzen. So hatten in der Vergangenheit unter
anderem die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien an einem
Gefangenenaustausch mitgewirkt. Anfang September 2025 hatten Erstere den
ukrainischen Abgeordneten Fedor Christenko vom „Oppositionsblock für das
Leben“ an den ukrainischen Geheimdienst ausgeliefert und in die Ukraine
überstellen lassen. Dies war nur durch vertrauliche Absprachen auf höchster
Ebene möglich, wie der ukrainische Dzerkalo Tyschden berichtet hatte.
15 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] http://ynetnews.com/article/hjwvn8x5bl
(DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=kvh4ED-2Cjg
(DIR) [3] https://kyivindependent.com/exclusive-saudi-arabia-prepping-huge-deal-for-ukrainian-weapons-amid-iran-threat/%C2%A0
## AUTOREN
(DIR) Bernhard Clasen
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