# taz.de -- Rechte Allianz in Schweden: Normalisierung der Rechtspopulisten
       
       > Die Liberale Simona Mohamsson hat mit den Schwedendemokraten ein
       > Strategiepapier beschlossen. Das zerreißt ihre Partei.
       
 (IMG) Bild: Liberal nach rechts: Simona Mohamsson will ihre Partei an die rechten Schwedendemokraten heranrücken
       
       Ein palästinensischer Vater, eine libanesische Mutter, eine deutsche
       Geburtsurkunde und aufgewachsen in einem kleinen schwedischen Dorf: Mit
       diesem Hintergrund sei man für gar nichts jemals die „offensichtliche
       Kandidatin“. So reagierte Simona Mohamsson auf entsprechende Bemerkungen
       aus der schwedischen Presse. Da war sie gerade zur Parteivorsitzenden der
       schwedischen Liberalen gewählt worden. Sie nahm den Worten den skeptischen
       Unterton, machte sie sich stolz zu eigen. Gut gekontert.
       
       Noch nicht mal ein Jahr ist das her. Gerade hat die 31-Jährige ihre
       Liberalen ordentlich aufgewirbelt. Nur mit Ach und Krach wurde Mohamsson am
       Sonntag in einem turbulenten Sonderparteitag als Vorsitzende wiedergewählt.
       Sie hatte die Vertrauensfrage gestellt, nachdem ihre neue Freundschaft zu
       den rechtspopulistischen, nationalistischen Schwedendemokraten nicht bei
       allen Parteikollegen gleich gut angekommen war. Um es milde auszudrücken.
       
       Die Liberalen, traditionsreich als kleiner Koalitionspartner auf Schwedens
       konservativer Seite, schwächeln schon länger stark in Umfragen. Würde jetzt
       gewählt, kämen sie gar nicht erst wieder ins Parlament. Vorgänger Johan
       Pehrson war zurückgetreten, um, wie er sagte, die Fackel an jemand Neues
       weiterzugeben, und zwar mit ausreichend Zeit bis zum nächsten Wahlkampf.
       Der ist im Grunde im vollen Gange, gewählt wird im September. Aber was
       Mohamsson daraus macht, erscheint unklarer denn je.
       
       ## Aufruhr in der Partei
       
       Gerade erst hat sie also die Schwedendemokraten endgültig zur ganz normalen
       Partei erklärt. I[1][hre öffentliche Umarmung kürzlich – metaphorisch und
       buchstäblich – mit deren Chef Jimmie Åkesson,] bedeutete erst mal vor allem
       eins: Aufruhr in ihrer Partei.
       
       Wie sie selbst feststellte, prägte ihre migrantische Biografie ihr Leben.
       Zu ihrer Geschichte gehört, wie viel Wert ihre Eltern darauf legten, ein
       Teil der schwedischen Gesellschaft zu werden. Sie hießen nicht immer
       Mohamsson. In Schweden möglich, ließen sie den Namen Mohammed ändern, damit
       er schwedischer klingt.
       
       Offiziell betonte sie bei der Vorstellung eines gemeinsamen, im Geheimen
       erarbeiteten Programms mit dem Titel „Schweden-Versprechen“, ihre Parteien
       wollten schließlich beide Verantwortung übernehmen, Probleme anpacken. Man
       könne mit den Schwedendemokraten inzwischen ordentlich reden und sei sich
       in vielem einig.
       
       Mohamssons Liberale sind bereits Teil der jetzigen Regierungskoalition, die
       nur mit den Schwedendemokraten als Mehrheitsbeschaffer funktioniert. Sie
       gehören also – nach viel parteiinterner Diskussion – längst zu der
       Regierung, die gerade mit ihrer [2][immer härteren Migrationspolitik] für
       Proteste im Land sorgt.
       
       Ob sie die empörte Reaktion prominenter Liberaler vorausgesehen hat? Nach
       dem Sonderparteitag geht sie jedenfalls nicht gerade gestärkt aus der Causa
       hervor. Prominente Mitglieder haben die Liberalen aus Protest gegen ihre
       Wiederwahl bereits verlassen. Ob Mohamssons Pakt mit den Schwedendemokraten
       nun den offenbar davon erhofften Anschub für die Liberalen gibt, wird
       weithin angezweifelt. Ihre Vorsitzende aber verteidigt weiterhin wacker,
       was sie sich da vorgenommen hat.
       
       24 Mar 2026
       
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