# taz.de -- Prostitution in Schweden: Die Lücken des Sexkaufverbots
> Deutschland diskutiert die Einführung des „Nordischen Modells“: Dabei
> werden Freier für den Sexkauf bestraft. Wirkt das? Eine Spurensuche in
> Stockholm.
Für Jazz Jett* ist Sex ein künstlerisches Handwerk. Ihr Wohnzimmer in einem
Vorort von Stockholm wirkt wie die dazugehörige Werkstatt: In der Mitte
steht eine Pole-Dance-Stange. Daneben ein großes, graues Ecksofa, ein
Couchtisch mit einer Kamera auf einem kleinen Stativ, an der Seite
Lederfesseln sowie eine Lederpeitsche. Früher arbeitete die 32-Jährige als
Entwicklerin im Bereich Cybersecurity. Jetzt hilft sie Menschen dabei, sich
mit ihrer Sexualität wohlzufühlen. Im zweistündigen Gespräch verliert sie
kein schlechtes Wort über ihren Beruf.
Ganz anders redet Izabella*. Die Frau mit lockigen, braunen Haaren und
Kapuzenpullover sitzt auf einem Sofa in einem Büro in Stockholm. Wenn sie
über ihre Vergangenheit spricht, lacht sie bei besonders tragischen Details
leicht auf. Die Rumänin hat vor knapp zehn Jahren als Prostituierte
gearbeitet, es sei das schlimmste Jahr ihres Lebens gewesen.
Die 37-Jährige landete aus Mangel an Alternativen in der Branche. Damit
begann eine Zeit geprägt von Drogenabhängigkeit, ausbeuterischen Zuhältern
und Gewalt, erzählt sie. Bis heute leidet sie unter den psychischen Folgen.
Für sie sei es unbegreiflich, wie Frauen ihren Körper für Sex verkaufen
können. Prostitution bedeutet für sie immer Gewalt.
Zwei Frauen, deren Erfahrungen mit dem Verkauf von Sex kaum
unterschiedlicher sein könnten. Für beide hat Schweden versucht, einen
gesetzlichen Rahmen zu finden. Seit 1999 gilt hier das sogenannte Nordische
Modell, auch bekannt als Sexkaufverbot, das Schweden als erstes Land
weltweit einführte. Mittlerweile hat es viele Nachahmer gefunden, ähnliche
Regelungen gelten in Norwegen, Island und Frankreich.
## Freier kriminalisieren
In dem schwedischen Modell werden Freier kriminalisiert und für den Kauf
von Sex bestraft, mit Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu einem
Jahr. Die Sexarbeitenden und Prostituierten hingegen bleiben straffrei, sie
sollen durch soziale Angebote und Ausstiegsprogramme unterstützt werden.
Das ist die Theorie, in der Praxis sieht es anders aus.
Auch in Deutschland wird das schwedische Modell immer wieder diskutiert.
[1][Erst Ende November bezeichnete Bundestagspräsidentin Julia Klöckner
(CDU) Deutschland als den „Puff Europas.“] Sie erklärte die liberale
Gesetzgebung für gescheitert und sprach sich für das Nordische Modell aus.
Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) beschrieb das Modell ebenfalls als
„durchaus bedenkenswert.“ Auch in ihrer Partei mehren sich die Stimmen für
ein Umdenken, doch bislang lehnt die SPD eine Gesetzesinitiative ab.
Befürworter:innen erhoffen sich von einem Sexkaufverbot eine bessere
Bekämpfung von Zwangsprostitution und dem damit verbundenen Menschenhandel.
Gegner:innen sehen darin einen Rückschritt für die hart erkämpften
Rechte von Sexarbeiter:innen. Was lässt sich aus Schweden lernen?
Eine Antwort geben Anna Sander und Josephine Appelqvist. Mit ihrer
Beratungsstelle Talita unterstützen sie seit mehr als über zwanzig Jahren
Frauen beim Ausstieg aus der Prostitution. Ihr Büro befindet sich in
Ensekede, einem bürgerlichen, wohlhabenden Vorort im Süden von Stockholm.
In dem großen, offenen Raum sorgen zwei große graue Sofas für
Gemütlichkeit. „Du bist am richtigen Ort“, begrüßt Appelqvist die
Reporterin überschwänglich, bevor sie aufs Sofa einlädt.
Wenige Minuten später kommt ihre Kollegin hinzu, die es sich mit Socken und
angezogenen Knien auf dem Sofa bequem macht. Die beiden sind langjährige
Freundinnen und immer einer Meinung, wie sie selbst betonen. Ähnlich wie
Izabella haben sie eine klare Haltung zu Prostitution, auch sie sehen sie
immer als eine Form der Ausbeutung und Gewalt. Deshalb sagen sie auch
Prostitution, und nicht Sexarbeit. Der Begriff soll verdeutlichen, dass der
Verkauf von Sex kein Beruf wie jeder andere ist. Die Politik fängt in der
Sprache an.
„Wir waren erst gegen das Gesetz, weil wir dachten, wir kommen an die
Frauen nicht mehr ran“, sagt Sander. Damals gab es Talita noch nicht, die
beiden Freundinnen arbeiteten als Streetworkerinnen für eine kirchliche
Organisation. Nach der Einführung des Gesetzes stellten sie jedoch fest,
dass die Frauen weiter erreichbar waren, da sie nach wie vor in Kontakt mit
ihren Kunden treten mussten. Aber während sie früher über die Straße in
Kontakt mit ihnen kamen, finde Prostitution heute vor allem online und im
Privaten statt. Ein Wandel, den die einen als Erfolg, die anderen als
Rückschlag werten.
## Theorie und Dunkelfeld
Straßenprostitution ist in Schweden kaum noch präsent. Die Regierung
spricht von einem Rückgang von über fünfzig Prozent im Vergleich zu den
späten 1990er Jahren. Laut Schätzungen ist auch die Zahl der Prostituierten
gesunken: Je nach Quelle liegt sie heute zwischen 300 und 1.000 Personen,
vor 1999 waren es noch mehrere tausend.
Die Regierung wertet den Rückgang als direkte Folge des Sexkaufverbots, das
Freier vom Kauf von Sex abschrecken soll. Kritiker:innen zweifeln
hingegen an den Zahlen, sehen eine problematische Verlagerung der
Prostitution in private, geheime Räume und ins Internet. Sexarbeitende
würden dadurch mehr in Gefahr geraten, Hilfe sei weniger zugänglich, die
Gewalt nehme zu, so die Argumentation.
Wie bei vielen Argumenten für und gegen das Nordische Modell ist es
schwierig, belastbare Daten zu finden. Sexarbeit findet in Schweden wie
auch in Deutschland häufig im Verborgenen statt, deshalb gibt es keine
repräsentativen Zahlen. Eine umfassende Studie der schwedischen
Gleichstellungsbehörde aus dem Jahr 2023 bringt ein wenig Licht ins Dunkel.
Sie untersuchte Tausende Onlineanzeigen, führte fast zweihundert Interviews
mit aktiven und ehemaligen Sexarbeitenden sowie mit Behörden und NGOs. Das
Ergebnis: Ein Gefühl von Stigmatisierung führt unter Sexarbeitenden dazu,
dass sie weniger zum Arzt gehen oder andere soziale Unterstützung annehmen.
Viele kommen zudem aus dem Ausland, ein unsicherer Aufenthaltsstatus
verstärkt die Isolation. Einen Beleg, dass die Gewalt zunimmt, liefert die
Studie so wie viele andere nicht. Ein zentrales Bedenken bleibt damit
unbeantwortet.
Sander und Appelqvist nennen das Argument der Unsicherheit einen Mythos aus
Deutschland. „Die Frauen haben keine Angst, die Polizei zu rufen, weil sie
wissen, dass sie nicht die Kriminellen sind“, sagt Appelqvist. Auch ihre
Klientinnen kommen über die Polizei zu ihnen. Das sei eine direkte
Konsequenz der Gesetzgebung.
Die Beamt:innen geben sich meist als Sexkäufer aus. Sie kontaktieren die
Prostituierten online und organisieren ein Treffen, immer in Begleitung von
Sozialarbeiter:innen. Sie sprechen mit den meist weiblichen Prostituierten,
klären sie über die Gesetzeslage auf und sammeln Informationen über ihre
Kunden. Danach bieten sie den Sexarbeitenden an, Kontakt zu Organisationen
wie Talita aufzunehmen und vermitteln sie direkt an die Beratungsstelle.
„Manchmal haben sie aber zu viel Angst vor ihren Zuhältern, dann ist es
schwer, ihnen zu helfen“, sagt Sander.
Auch Izabella fand ihren Weg zu Talita über die Polizei. Vor zehn Jahren
kam sie mit ihr in Kontakt. Ein Freier habe ihr erzählt, dass er seine
Tochter sexuell missbraucht, sie zeigte ihn an. Die Beamten wirkten auf sie
sehr respektvoll, gaben ihr das Gefühl, sie nicht zu verurteilen.
Izabella war über einen rumänischen Zuhälter nach Schweden gekommen. Davor
lebte sie in Dubai. Zur Prostitution gekommen war sie ursprünglich, nachdem
ihre Schwester sie nach einem Streit aus ihrer Wohnung geworfen hatte und
sie dringend eine Arbeit brauchte. Eine Bekannte vermittelte ihr einen Job
im Massagesalon. Vor Ort stellte sich heraus: Es war ein verstecktes
Bordell. Die Frauen dort wirkten stark, selbstbewusst. Das beeindruckte
sie. Sie wollte so sein wie sie und blieb. Heute bereut sie die
Entscheidung. In diesem einen Jahr wurde sie mehrfach von Freiern
geschlagen, einmal sogar vergewaltigt, erzählt sie. Es sei die pure Hölle
gewesen.
Um das Erlebte zu verarbeiten, fing sie an, Drogen zu nehmen – und wurde
abhängig. An einen Ausstieg dachte sie trotzdem nicht. „Ich war eine stolze
Prostituierte“, sagt sie. Deshalb war die Rumänin erst wütend, als die
Polizisten sie drängten, wenigstens einmal mit Talita zu sprechen. Heute
ist sie dankbar. „Schweden hat mir meine Menschlichkeit zurückgegeben“,
sagt sie.
## Indirekte Kriminalisierung
Izabellas Geschichte ist die einer Prostituierten, die sich aus einem
System aus Gewalt, Drogen und Abhängigkeit befreit hat. Eine Geschichte,
die Jazz Jett nicht gern hört. Sie ärgert sich, dass alle Sexarbeitenden in
Schweden automatisch als Opfer gesehen werden, findet das bevormundend.
Jett liebt ihren Beruf, bei dem sie in verschiedene Rollen schlüpfen kann.
Sie tritt etwa als Succubus auf, eine Dämonin aus dem Mittelalter, und
verführt ihre Kund:innen in individuell produzierten Onlinepornos, trifft
sie in Videocalls und arbeitet gelegentlich als Escort. Ihre Kund:innen
beschreibt sie als respektvoll und freundlich. Doch die Gesetze machen ihr
das Leben schwer.
„Man wird hier eigentlich aus dem Beruf rausgemobbt“, sagt sie. Im
vergangenen Jahr hatte sie immer mehr Schwierigkeiten, ihr Einkommen zu
sichern.
Im Juni 2025 verschärfte Schweden das Sexkaufverbot. Auch der Kauf
sexueller Dienstleistungen online ist nun strafbar. Plattformen wie
OnlyFans änderten daraufhin ihre Nutzungsbedingungen, sagt Jett. Als
Sexarbeitende darf sie nicht mehr über diese Plattformen mit Kund:innen
interagieren. Ihre Arbeit wird massiv eingeschränkt. Sie versucht, direkt
mit bestehenden Kunden in Kontakt zu bleiben, doch das sei schwer, erzählt
sie. Das Modell scheint ihr die Kund:innen zu rauben.
Die Idee des Nordischen Modells ist, dass Sexarbeitende straffrei bleiben.
In der Realität werden sie indirekt kriminalisiert, sagt die Sexarbeiterin.
Denn in Schweden macht man sich auch strafbar, wenn man Prostitution
fördert. Vermieter:innen, die ihre Wohnung an Sexarbeitende vermieten.
Banken, die Konten führen. Deshalb muss Jett vorsichtig sein. Was ihr
Vermieter oder ihre Bank über ihren Beruf erfahren, kann Folgen haben. Aus
diesem Grund würde sie auch nicht die Polizei rufen, falls mal etwas
passiert. „Ich vertraue denen nicht“, sagt sie.
Das Vertrauen in die Polizei ist entscheidend, damit das Nordische Modell
funktioniert. Denn meistens können Freier nur bestraft werden, wenn die
Frauen gegen sie aussagen. Deshalb liegt es auch im Interesse der Polizei,
mit den Sexarbeitenden in Kontakt zu treten. Sie sammeln Informationen über
die Sexkäufer und gewinnen Einblicke in die Strukturen des Gewerbes. Und
nur wenn sie der Polizei vertrauen, wagen sie vielleicht auch einen
Ausstieg, wenn sie das wollen.
Wie viele Frauen freiwillig oder gezwungen in der Prostitution arbeiten,
ist unklar, sowohl in Schweden [2][als auch in Deutschland]. In der Studie
der Gleichstellungsbehörde gaben die meisten Frauen an, aus
wirtschaftlichen Gründen zu arbeiten. Finanzielle Not und Zwang lassen sich
jedoch oft schwer trennen und die Studie ist nicht repräsentativ. In
Deutschland schätzen manche Expert:innen, dass etwa neun von zehn
Sexarbeitenden den Beruf nicht freiwillig ausüben, belegt ist jedoch auch
diese Zahl nicht. Die Freiwilligkeit bleibt damit eine Frage der
politischen Deutung.
## Ein Fenster in ein verschlossenes Milieu
Ein wenig Klarheit liefert Thomas Ahlstrand. Von 2008 bis 2023 war er
Staatsanwalt in Schweden, spezialisiert auf Menschenhandel. Heute ist er in
Rente und Teil der europäischen Expert:innengruppe Greta des
Europarats, die überprüft, wie die Mitgliedsstaaten Menschenhandel
bekämpfen. Das Nordische Modell habe die Strafverfolgung von
Zwangsprostitution erleichtert, sagt er in einem Videogespräch. Aber wie?
Im Vergleich zu Deutschland könne die Polizei in Schweden weitreichender
ermitteln. Durch die Kriminalisierung des Sexkaufs liege bereits der
begründete Verdacht auf eine Straftat vor. Die Polizei könne einfacher
Kontrollen durchführen, Zeugen vernehmen und Verdächtige observieren,
erklärt der Staatsanwalt. Das öffnet ein Fenster in ein sonst sehr
verschlossenes Milieu.
Dieses Argument stützen Befürworter:innen des Sexkaufverbots in
Deutschland. [3][Duisburgs ehemalige Polizeipräsidentin Elke Bartels sagte
der taz etwa in einem Interview, die Polizei habe derzeit kaum
Möglichkeiten, das Dunkelfeld aufzuhellen.] Kontrollen dürfen nur bei einem
konkreten Anlass durchgeführt werden. Doch das sehen nicht alle so. Die
Gewerkschaft der Polizei in Deutschland fürchtet etwa, dass sich das
Gewerbe durch Sexkaufverbot noch weiter ins Dunkelfeld verlagert. Eine
Sorge, die sich in Schweden weder bestätigen noch komplett abstreiten
lässt.
„Unser Markt für Prostitution ist kleiner als in Deutschland, deshalb haben
wir weniger Menschenhandel“, sagt der ehemalige Staatsanwalt Ahlstrand. Das
sagt auch eine Studie der Universität Heidelberg. Diese verglich 150 Länder
und kam zu dem Schluss: Länder mit legalisierter Prostitution haben mehr
Menschenhandel. Allerdings erfasst auch diese Studie nicht das Dunkelfeld.
Neben den Ermittlungen sind in Fällen von Zwangsprostitution die Aussagen
der Opfer entscheidend. Die sind jedoch oft traumatisiert, was die
Gegenseite vor Gericht gezielt ausnutzt. Durch das Sexkaufverbot gibt es
inzwischen mehr belastbare Aussagen gegen die Täter. Die Sexkäufer müssen
sich vor Gericht verantworten und sagten oft umfassend aus, um ihre Strafe
zu mildern, so Ahlstrand.
Das könne helfen, Menschenhändler zu überführen, das sei ein überraschender
positiver Nebeneffekt des Modells. Auch die abschreckende Wirkung bestätigt
er: „Ich habe immer wieder Telefonabhörungen mitbekommen, in denen sich
Menschenhändler darüber beschwert haben, wie schlecht der Markt in Schweden
ist“, sagt er.
Doch gibt es wirklich weniger Fälle von Zwangsprostitution? Die Studie der
Gleichstellungsbehörde kommt zu dem Schluss, dass Zwangsprostitution in
Schweden weiterhin existiert. Auch die EU geht davon aus, dass die Zahlen
eher gleich geblieben sind. Laut Ahlstrand spricht das jedoch nicht gegen
die Gesetzgebung. Man wisse nicht, wie hoch die Zahlen ohne das Modell
wären. In Deutschland beobachten Expert:innen etwa, dass Menschenhandel
zwecks sexueller Ausbeutung seit Jahren steigt.
## Migration versus Schutz
In Stockholm sitzen Sander und Appelqvist noch immer auf der Couch. Nach
ihrer anfänglichen Euphorie über die schwedische Gesetzgebung zeigt sich
nach einer Stunde Gespräch: Auch sie haben Kritikpunkte. „Seit fünf Jahren
spüren wir Veränderungen“, sagt Sander. Schweden hat in den vergangenen
Jahren seine Migrationspolitik verschärft und setzt verstärkt auf
Abschiebungen aus Drittstaaten. „Früher haben die Frauen die Polizei
geliebt, aber das ist jetzt anders“, ergänzt sie. Das Vertrauen sei nicht
mehr ganz da.
Frauen mit unsicherem Aufenthaltsstatus würden aus Angst vor Abschiebung
oft keine Hilfsangebote der Polizei mehr annehmen. Das führe dazu, dass
immer weniger an die beiden vermittelt werden. Und selbst wenn sie ihren
Weg zu Talita finden, könne Talita den Frauen oft nicht langfristig helfen.
Denn die Frauen müssen Schweden meist wieder verlassen, bevor das Programm
abgeschlossen ist. Das betrifft vor allem Menschen aus Ländern wie
Kolumbien, Venezuela und Brasilien, die in den vergangenen Jahren vermehrt
bei der Beratungsstelle Hilfe suchten. Zwar dürfen sie während der
Ermittlungen, in der Regel sechs Monate, bleiben, doch danach wird es
schwierig. Betroffenen, die besonders verletzlich sind, bleibt also oft die
Hilfe verwehrt.
Für Izabella aus Rumänien war ihr Aufenthaltsstatus damals kein Problem.
Sie konnte zwei Jahre am Ausstiegsprogramm teilnehmen. Die Organisation
zahlte ihre Lebenshaltungskosten. So konnte sie zur Ruhe kommen und ihr
Leben neu sortieren. Nach einer Traumatherapie und einem schwedischen
Sprachkurs begann sie eine Ausbildung zur Psychotherapeutin. Heute arbeitet
sie selbst für die Organisation Talita. „Ohne diese langfristige
Unterstützung hätte ich den Ausstieg nicht geschafft“, sagt sie.
Ihre Geschichte und die Erfahrungen von Sander und Appelqvist zeigen: Wenn
man den Schutz von Sexarbeitenden wirklich ernst nimmt, muss das Gesetz mit
Migrationspolitik und sozialpolitischen Maßnahmen zusammengedacht werden.
Das ist wohl eine der wenigen Gewissheiten aus Schweden, die in der
deutschen Debatte nicht untergehen sollte.
* Die Frauen wollten nur mit ihrem Vornamen oder Künstlernamen genannt
werden.
26 Mar 2026
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