# taz.de -- Brandmauer bröckelt: Liberale umarmen Schwedendemokraten
> Die Vorsitzende der Liberalen in Schweden hätte kein Problem mehr damit,
> gemeinsam mit der Rechtsaußenpartei zu regieren. Doch an der Basis
> brodelt es.
(IMG) Bild: Fahren von jetzt an gemeinsam: die Vorsitzende der liberalen Partei Simona Mohamsson (L) und Jimmie Åkesson (SD)
Mit großer Geste wurde am Freitag in Stockholm eine einst gezogene rote
Linie überschritten. Simona Mohamsson umarmt den Anführer der
Schwedendemokraten: Eine Regierungskoalition mit der Rechtsaußenpartei?
Kein Problem mehr für die Chefin der Liberalen.
Mit ihrer Kehrtwende wollte Mohamsson ihrer Partei wohl einen Gefallen tun.
Doch seit ihrer Pressekonferenz mit Jimmie Åkesson am Freitag herrscht bei
den Liberalen Tumult und Krise. Viele von ihnen betrachten die Umarmung vor
laufenden Kameras als unwürdig, sie fordern Mohamssons Rücktritt. Ein
Sonderparteitag am Sonntag soll darüber abstimmen.
Auch politische Beobachter in Schweden nehmen der Liberalen-Chefin nicht
ab, was sie als gute Idee verkaufen wollte: die angebliche Einsicht, dass
man mit den Schwedendemokraten inzwischen sachlich verhandeln könne.
Ein gemeinsames Programm hatten sie sogar vorzulegen, sie nennen es das
„Schweden-Versprechen“. Darin ein paar Zugeständnisse an liberale Politik –
etwa die Aussicht auf eine Volksabstimmung zur Euro-Einführung in Schweden.
Dafür würde die Partei nun die lange als Gegner angesehenen
Schwedendemokraten als Koalitionspartner akzeptieren, nicht wie bisher
„nur“ als Mehrheitsbeschaffer ohne eigene Ministerposten.
## Davon konnten die Schwedendemokraten lange nur träumen
Åkesson wirkte sehr zufrieden auf dieser online übertragenen
Pressekonferenz. Von seiner Seite aus habe es ja eh nie eine rote Linie
gegeben. Nachdem auch die Christdemokraten von Wirtschaftsministerin Ebba
Busch ihre einstige rote Linie nach rechts bereits abgeschafft hatten, wäre
bei entsprechendem Wahlerfolg jetzt der Weg frei zu einer Viererkoalition
des liberalen bis ganz rechten Spektrums. Davon konnten die
Schwedendemokraten lange nur träumen.
Am Ende könnten sie auf die Idee kommen, als größte Partei (derzeit 22,1
Prozent in Umfragen) Anspruch auf den Posten des Regierungschefs zu haben.
Die Moderaten von Ministerpräsident Ulf Kristersson liegen bei 17,4
Prozent.
Und die Liberalen? Sie haben nur noch 2,1 Prozent Wählerzustimmung – und
würden nach jetzigem Stand im September in hohem Bogen aus dem schwedischen
Reichstag mit seiner Vierprozenthürde fliegen. Mohamssons Wende geschah
wohl auch in der Hoffnung, daran etwas zu ändern. Ob das klug war, zweifeln
viele an.
Der Parteivorstand hatte für das „Schweden-Versprechen“ gestimmt – nach
Informationen der Zeitung Aftonbladet mit 13 zu 8 Stimmen. Liberale
Minister wollen laut der schwedischen Tageszeitung Dagens Nyheter
zurücktreten, wenn Mohamsson abgesägt wird. So fordern es die
Jungliberalen, und sie fordern gleich den Rücktritt des gesamten Vorstands
mit. In der Partei werden also dringend Freiwillige gesucht, die als
Mohamssons Herausforderer antreten würden. Bis Donnerstag haben sie Zeit
dafür.
16 Mar 2026
## AUTOREN
(DIR) Anne Diekhoff
## TAGS
(DIR) Schweden
(DIR) Schwedendemokraten
(DIR) Brandmauer
(DIR) Schweden
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Schweden
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Rechte Allianz in Schweden: Normalisierung der Rechtspopulisten
Die Liberale Simona Mohamsson hat mit den Schwedendemokraten ein
Strategiepapier beschlossen. Das zerreißt ihre Partei.
(DIR) Kommunalwahlen in Frankreich: Keine Skrupel, wenn's um Paris geht
Der kommunale Stimmungstest in Frankreich zeigt nach rechts. Die Brandmauer
hatte bereits viele Löcher, nun könnte sie bald vollends einstürzen.
(DIR) EVP kooperiert mit Rechtsextremen: Brandmauer eingerissen
Atemberaubende Doppelmoral: In Straßburg reißt die CDU/CSU die Brandmauer
ein, damit man in Berlin den Saubermann spielen kann.
(DIR) Nach Kritik an Migrationspolitik: „Teenager-Ausweisungen“ in Schweden vorerst gestoppt
Das skandinavische Land macht einen Rückzieher bei seiner „strammen
Migrationspolitik“. Jugendliche verlieren jetzt nicht mehr mit 18 das
Aufenthaltsrecht.