# taz.de -- Horrorfilm „A Useful Ghost“: Es spukt in der Staubsaugerfabrik
> Der thailändische Regisseur Ratchapoom Boonbunchachoke verbindet in
> seinem Film stilistisch elegant Geistergeschichte, Familiensatire und
> Gesellschaftskritik.
(IMG) Bild: Death is not the end: Nat (Davika Hoorne) spukt nach ihrem Tod in einem Staubsauger
Der Geist einer toten Frau lebt weiter in einem Staubsauger. Ihr Mann freut
sich über ihre Wiederkehr, und in der anhaltenden Liebe manifestiert sich
die Verstorbene körperlich mehr und mehr. Bald hegt das Paar aus einem
Lebenden und einer Untoten erneute Kinderpläne, auch gegen den Willen der
Familie, einer kleinen, etwas zwanghaften Dynastie von
Haushaltsgerätfabrikanten.
Diese Geschichte ist eingefasst in eine Rahmenhandlung. Sie wird einem
queeren Staubsaugerbesitzer, dessen Staubsauger nachts schlimme
Hustenanfälle bekommt, von einem queeren Staubsauerreparateur erzählt. So
weit die Ausgangslage von Ratchapoom Boonbunchachokes in Cannes mit dem
Grand Prix der Reihe Semaine de la Critique ausgezeichneten Debütfilms „A
Useful Ghost“, der seine über zwei Stunden Laufzeit voll ausschöpft, um
sich gleich mehrfach zu transformieren.
Was man im Westen über asiatische Geister weiß, weiß man vor allem aus dem
japanischen Geisterfilm. Die Geister wollen etwas von den Lebenden, nämlich
Vergeltung für das, was ihnen angetan wurde. Und das meist wahllos, als
virushaft um sich greifender Fluch. Die auf den sehr guten [1][Film „Ringu“
folgende Welle an Horrorfilmen] verankerte das Bild des rachsüchtigen
Geistes mit langen, vors Gesicht hängenden Haaren in der globalen
Genremythologie.
Die Geister Thailands sind hierzulande weniger bekannt. Sie sind stiller
und weniger spektakulär. In der Welt der Lebenden gehalten werden sie durch
die Liebe, die nicht vergehen will, und durch die mit dieser Liebe
verbundene Erinnerung an sie. Ratchapoom Boonbunchachoke, der auch das
Skript geschrieben hat, erzählt zuallererst einmal eine Liebesgeschichte,
die routiniert edgy beginnt: besessene Staubsauger, randalierende
Haushaltsgeräte, skurriler Humor, so was. Die meisten Filme, die von betont
abgefahrenen Prämissen ausgehen, feuern gerne aus allen Rohren, schnelle
Schnitte, Krach. Und sind darin schnell ermüdend.
## Ein Gefühl von Selbstverständlichkeit
„A Useful Ghost“ aber gleitet in einem betont ruhigen Rhythmus. Was als
Fantasy-Komödie beginnt, entwickelt sich, ohne dass man es während des
ersten Schauens merkt, zu einem stillen Drama über die Gewaltgeschichte
Thailands. Langsame Montagen, geometrisch klar strukturierte Bilder und,
vor allem, ein gleichbleibender Erzählrhythmus, der über alle Wechsel im
Register des Plots Konstanz und bei Zuschauerin und Zuschauer ein Gefühl
von Selbstverständlichkeit erzeugt. Selbstverständlich wird der
Arbeitskampf am Anfang noch von einem besessenen Haushaltsgerät geführt,
warum auch nicht? Gibt ja schließlich keinen Betriebsrat und keine
Gewerkschaft.
Als Geisterfilm gleitet „A Useful Ghost“ wie von einer Mythologie in die
andere, vom durch die Liebe gebundenen Geist hin zum Geist, der die
Lebenden hasst (wenngleich auch die liebenden Geister Thailands recht
schnell recht böse werden können, sobald jemand versucht, sie aus der Welt
zu drängen). Die Geisterfrau, Nat (Davika Hoorne), wird von ihrer
Schwiegermutter beauftragt, einen die Staubsaugerfabrik heimsuchenden Geist
zum Verschwinden zu bringen.
Das geht, indem Nat in die Träume der Angestellten eindringt, um
herauszubekommen, wer den Verstorbenen so sehr geliebt hat, dass er ihn als
Geist in der Welt hält. Nat geht den Pakt mit der Familie, die sie als
Schwiegertochter ablehnt, ein, um bei ihrem Mann (Wisarut Himmarat) bleiben
zu können.
## Allegorie auf Klassenkampf
Der Plan geht auf, der Weg zurück in die Mitte der Familie und damit auch
der Gesellschaft geht über die Auslöschung der Toten, die nach den
Verantwortlichen greifen. Was im Kleinen geklappt hat, soll auch im Großen
funktionieren. Ein Minister verlangt nach Erlösung von den Geistern, die
ihn, mit Fug und Recht, heimsuchen. Wer die Getöteten geliebt oder mit
ihnen im gemeinsamen politischen Kampf verbunden war (was „A Useful Ghost“
als eine Form von Liebe beschreibt), soll die Erinnerung an sie verlieren.
Spätestens ab da verwandelt sich „A Useful Ghost“ mit schwebender
Leichtigkeit von einer Satire auf familiäre Zwänge in eine [2][Allegorie
auf Klassenkampf] und die Verdrängung der Erinnerung an politische Gewalt.
Er ist so inszeniert, als wäre jeder Wechsel im Register nur eine
selbstverständliche Station auf ein und derselben Linie. Im weiteren
Verlauf nimmt das alles noch einige Volten und inszeniert dabei wie im
Vorbeigehen eine der seltsamsten und zugleich berührendsten queeren
Sexszenen der letzten Jahre. Tradierung von Erinnerung in Form von Lust und
Analverkehr.
Aber anders als das gängige Transgressions- und Edgelord-Kino, dem „A
Useful Ghost“ anfangs noch zugehörig zu sein scheint, erzählt der Film
seine Geschichte langsam, behutsam und, bei allem immer wieder
aufblitzenden sardonischen Humor, voller Zärtlichkeit für seine
Außenseiter-Figuren. Während den Vertreterinnen und Vertreter des Kapitals
wie auch der repressiven Staatsgewalt sein sich am Schluss filmisch recht
drastisch entladender Hass gilt.
25 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Benjamin Moldenhauer
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