# taz.de -- Album von das bisschen Totschlag: Lo-Fi kaputter Frühling
       
       > Shoegaze, Erschöpfung, Großstadt – das bisschen Totschlag haben mit „0dB
       > Headroom“ ihr bisher bestes Album herausgebracht.
       
 (IMG) Bild: Sehen aus wie ihre Musik: das bisschen Totschlag v.l.n.r Max Kiepe, Fabian Kiepe, Niklas Kiepe
       
       Ein abgeschrabbelter Renault 5 fährt in den Stadtautobahntunnel. Altes
       Polster, Asche und warme Haut in der Sonne. Die Dämmerung der Stadt
       entfernt sich im Rückspiegel. Langsam perlig-klimpernde Töne knirschen aus
       dem Autoradio, eine heisere Stimme: „Can you keep a secret for me?/Can you
       keep for me a promise?“. Immer tiefer bohrt sich der schummrige Tunnel.
       Oben über dem Asphalt arbeitet die Stadt sich krumm, bricht sich das Herz
       und schluckt die Tränen runter. Der Radioempfang ist weg, was bleibt, ist
       Knistern.
       
       Dabei gibt es kein Auto, keinen Tunnel und auch kein Radio, nur
       geschlossene Augen und das neue Album „0dB Headroom“ der Berlin-Hamburger
       Familienunternehmung [1][das bisschen Totschlag], bestehend aus den Brüdern
       Fabian und Max (beide Gitarre, Synths, Gesang) und ihrem Cousin Niklas
       Kiepe (Schlagzeug). Trotzdem rauschen die shoe-gazingen Sounds in den
       Ohren, es rauscht im Hirn und in der Brust, momentan rauscht es auch auf
       einer Mini-Tour der Band in Mini-Läden, letzten Donnerstag in der Berliner
       8mm-Bar, am 28. März im Import Export in München.
       
       ## Abgebrühte Synthies und schrubbende Drums
       
       Irgendwo zwischen dem gelangweilten Cloud Rap Yung Leans und dem retro
       Lo-Fi Folk Eliott Smiths drücken die drei Jungs mit ihrer dritten LP
       melancholische Abstumpfung in den Äther. Verzerrte Gitarren und reibende
       Stahlbesen-Percussions brechen die Lyrics immer wieder, lassen sie hinter
       dem Sound verschwinden. Die Versatzstücke, die sich im Gehörgang
       entziffern, stützen die Gesamtanmutung: „Time is all I want/Time is all I
       want“ umkreisen da die Gitarren: „time is all I want/with you by my
       side/with/you/with/you/with you/by my side“
       
       Es gibt keinen Puffer mehr. Der Titel des Albums – eine Anspielung aus der
       Tontechnik, die den Spielraum zwischen Signal und Verzerrung anzeigt – ist
       eindeutig. Kein Geräusch passt dazwischen, [2][die Klänge sind wund] und
       auch lyrisch-emotional scheinen die Kapazitäten erschöpft.
       
       Die Monotonie zieht sich durchs Album, sie gräbt sich ins Nichts. Die
       meisten Songs verlaufen in die Leere. Das alles ist so großartig
       ausdruckslos, dass es sich zur maximalen Resignation aufstapelt. Wenn in
       „93“ elektronisches Knattern die Textzeilen „I’m doing my best, smoking out
       the window/I wanna change my hair my clothes my face/I wanna steal mums car
       and get away“ eröffnet, fehlt der Intonation zwar jegliche Dringlichkeit,
       doch gerade deswegen fangen die meist recht kurzen Tracks den Zeitgeist
       dieses deprimierenden Großstadtfrühlings ein. [3][Man hört sie einfach in
       Endlosschleife.] Musik wie Schotter in den Schuhen. Es tut weh, aber zum
       Rausschütteln fehlt die Kraft.
       
       23 Mar 2026
       
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