# taz.de -- Krieg in der Ukraine: Wie Russland Afrikaner als Kanonenfutter rekrutiert
       
       > In afrikanischen Ländern wirbt Russland Männer für den Krieg in der
       > Ukraine an. Gelockt werden sie mit Geld und harmlosen Jobs – und enden an
       > der Front.
       
 (IMG) Bild: Caroline Mukizas Mann Edson Kamwesigye starb im Ukrainekrieg. Mit falschen Versprechen wurde er von Russland angelockt
       
       Caroline Mukiza kniet auf einer Kirchenbank, ihre Hände gefaltet, ihr Kopf
       nach vorne gebeugt. Sie betet, sie weint, sie trauert. Erst vor wenigen
       Tagen hat die 42-jährige Uganderin erfahren, dass ihr Ehemann, Edson
       Kamwesigye, an der [1][Front in der Ukraine] gefallen ist. „Er ist kurz vor
       Weihnachten ins Flugzeug nach Moskau gestiegen, er dachte er werde dort als
       Wachmann einen Job bekommen“, berichtet Mukiza unter Tränen, nachdem sie
       ihr Gebet beendet hat. „Am 16. Januar erhielt ich noch eine letzte
       Nachricht von ihm“, schluchzt sie leise. „Er sagte, wir sollen für ihn
       beten, denn er absolviere jetzt ein Militärtraining und werde an die Front
       geschickt.“
       
       Nach dem Gebet spaziert die Frau mit den kurzen krausen Haaren durch den
       Garten hinter der Kirche und setzt sich auf eine Bank im Schatten einer
       Akazie. Das schmucke, steinerne Gebäude mit den bunten Glasfenstern, in dem
       sie regelmäßig die Messe besucht, liegt hoch oben auf einem Hügel am
       nördlichen Stadtrand von Ugandas Hauptstadt Kampala. Der Wind weht durch
       die Blätter der Bäume, es ist ruhig und friedlich im Kirchengarten. Von
       weitem sieht man Grabsteine auf dem Friedhof unterhalb. „Was, wenn wir ihn
       nicht einmal beerdigen können?“, fragt sie und schluchzt in ein
       Taschentuch.
       
       Die Uganderin ist eine von vielen afrikanischen Frauen, die derzeit um ihre
       Männer und Söhne trauern. Ob in Uganda, Kenia, Kamerun, Nigeria oder
       Südafrika – überall wurden arbeitslose Männer für angebliche Jobs in
       Russland rekrutiert und letztlich vom russischen Militär an die Front
       geschickt.
       
       „Mindestens 1.436 Staatsbürger aus 36 afrikanischen Ländern kämpfen derzeit
       in den Reihen der russischen Invasionsarmee in der Ukraine“, hatte der
       [2][ukrainische Außenminister Andrij Sybiha] im November erklärt und die
       Regierungen in Afrika gewarnt, dass ihre jungen Rekruten in Massen an der
       Front sterben. „Einen Vertrag zu unterzeichnen ist gleichbedeutend mit der
       Unterzeichnung eines Todesurteils“, stellte er klar. Die meisten Afrikaner
       würden den Krieg in den russischen Reihen „nicht einen Monat lang
       überleben“.
       
       Mukizas 46-jähriger Ehemann hat den Einsatz nicht einmal zehn Tage lang
       überlebt. Nach seiner letzten Textnachricht mit der Bitte um Gebete Mitte
       Januar war es still in seinem Whatsapp-Account. „Wir haben letztlich am 26.
       Januar über die Sozialen Medien von seinem Tod erfahren“, berichtet Mukiza
       leise weinend. Ein ehemaliger Kollege, mit welchem ihr Mann einst in
       Afghanistan war, habe Fotos von einer halb verbrannten Leiche im Schnee an
       ihren Bruder geschickt.
       
       „Mein Bruder hat dann meine Schwester gebeten, es mir schonend
       beizubringen, ohne dass ich die grausamen Bilder sehen muss“, erzählt sie.
       Sie kramt ihr Handy aus der ledernen Handtasche, ruft die Facebook-Seite
       ihres Mannes auf. „RIP“ hat dort ein befreundeter Ugander Ende Januar
       gepostet, mit welchem er gemeinsam nach Moskau gereist war – die englische
       Abkürzung für „Ruhe in Frieden“.
       
       Sie scrollt weiter durch sein Facebook-Profil: zahlreiche Bilder von
       Kamwesigye in Uniform. Eins zeigt ihn in voller Kampfmontur im
       Schneegestöber, wohl an der ukrainischen Front. Auch Fotos zu Hause von ihm
       mit seinen Kindern im Garten. „Er war früher als Wachmann in Irak und
       Afghanistan“, erzählt Mukiza. Zu jener Zeit kurz nach dem 11. September
       2001, während der Stationierung der US-Truppen im Krieg gegen den Terror,
       waren Tausende Ugander mit Hilfe ugandischer Sicherheitsfirmen in die
       Kriegsgebiete entsandt worden.
       
       Uganda hat eine der besten Armeen des Kontinents, Veteranen dienen in den
       zahlreichen ugandischen Sicherheitsfirmen, die auch weltweit Jobs anbieten:
       „Bereits damals hatte ich Angst um ihn aber er hat mich immer beruhigt,
       weil er ja nur als Wachmann irgendwo diente und nicht an der Front gekämpft
       hat“, so Mukiza.
       
       Während der Coronapandemie wurden die ugandischen Sicherheitskräfte aus
       Irak und Afghanistan nach Hause geschickt. Seitdem hatte sich Kamwesigye
       als Vater gut um die beiden gemeinsamen Kinder gekümmert, sich als Bauer
       auf seiner Farm versucht, sei Taxi gefahren. Doch er verdiente meist nur
       wenig, berichtet Mukiza. Die Jobs im Ausland seien einfach lukrativer
       gewesen. Wieviel die Russen ihm versprochen hätten, wisse sie nicht. „Er
       hat von dort aus nie Geld geschickt“, Mukiza schüttelt den Kopf. Das
       Schuljahr hat in Uganda gerade angefangen und bis heute wisse sie nicht,
       wie sie die Schulgebühren bezahlen soll.
       
       Als er dieses Mal seiner Frau erzählte, dass er nach Russland gehen werde,
       hatte Mukiza ein sehr „ungutes Gefühl“, erinnert sie sich. Der Grund: „Er
       sagte, er wisse noch nicht, welche Tätigkeiten er ausführen werde, die
       Verträge würden erst in Moskau unterzeichnet.“ Wer ihn in Uganda angeheuert
       habe, ob eine Firma oder eine Privatperson, wie viel Geld und welcher Job
       ihm versprochen wurde – über all diese Details habe er nichts verraten,
       erklärt sie. Er habe nur erwähnt, dass er mit einem Freund ausreise – auch
       dieser ist seitdem nicht mehr erreichbar, sagt sie. Immerhin, kurz vor
       seinem Abschied habe sie ihm noch ein Versprechen abringen können: „Es
       werde das letzte Mal sein, dass er im Ausland arbeite.“
       
       ## „Ich warne euch, landet nicht auch in dieser Falle.“
       
       Dass Russland in Afrika gezielt junge Männer für den Ukraine-Krieg
       anheuert, war lange Zeit ein offenes Geheimnis. Bereits im Mai 2024 hat der
       ukrainische Militärgeheimdienst auf seiner Internetseite die Meldung
       herausgegeben, dass Russland für 2.200 Dollar im Monat Afrikaner als
       Söldner an die Front schickt: „Russland intensiviert die Rekrutierung von
       Afrikanern für den Krieg gegen die Ukraine“, heißt es dort. Die jüngsten
       Rekruten würden vor allem aus Ruanda, Burundi, Kongo and Uganda stammen.
       
       Wenig war jedoch bislang bekannt über die Rekrutierungsmethoden vor Ort,
       über das Schicksal der Männer oder gar das Ausmaß des Ganzen. Erst seit der
       Meldung des ukrainischen Außenministers im November, die auch von
       afrikanischen Medien zitiert wurde, tauchen immer mehr Informationen auf.
       
       In Kenia meldeten sich zahlreiche Familien in den sozialen Medien zu Wort,
       die nach ihren verschollenen Söhnen und Ehemännern suchten, die nach
       Russland ausgereist waren. Immer mehr Videos und Fotos von Afrikanern im
       Militäreinsatz zirkulieren seitdem auf den Plattformen. Es wirkt ein wenig,
       als würden sie von Seiten der Ukraine gezielt eingespielt werden, um eine
       Art Abschreckungseffekt zu generieren. Darunter sind auch brutale, grausame
       Bilder von Leichen und verstümmelten Afrikanern.
       
       Ein Handyvideo von der ukrainischen Front ging Anfang Januar in Uganda
       viral: Rund ein Dutzend afrikanischer Söldner in voller Kampfmontur stehen
       knöcheltief im Schnee, tanzen zu einem Song. „Kawedemu!“ singen sie im
       Refrain. Übersetzt aus der lokalen Sprache Luganda bedeutet dies: „Wir
       haben gewonnen!“. Der Song ist in Uganda landesweit bekannt, denn er wurde
       nach dem Ende des Bürgerkrieges 1986 gesungen, als die Guerillakämpfer
       unter dem heutigen Präsident Yoweri Museveni das Land erobert hatten.
       
       Einige Videos verdichten die Vermutungen, dass Afrikaner als Kanonenfutter
       geopfert werden. Ein besonders verstörendes Video erzeugte im Januar einen
       Aufschrei. Darin sieht man einen afrikanischen Söldner in einem
       unterirdischen Bunker, dem eine gewaltige Mine um den Bauch gebunden wurde.
       „Hör auf dich vollzuscheißen“, hört man eine Stimme im Hintergrund auf
       Russisch sagen. Ein Gewehrlauf zielt auf den Afrikaner: „Los jetzt, lauf –
       du wirst heute die Eröffnung machen“, sagt der Russe. Offenbar wird er in
       eine Kamikaze-Operation losgeschickt, um die Ukrainer zu überraschen.
       
       In einem weiteren Video, das mit dem Wasserzeichen und dem Logo der Dritten
       Sturmbrigade des ukrainischen Kommandanten Andri Bilezki gekennzeichnet
       ist, die direkt an der Front eingesetzt ist, erklärt Anfang Januar der
       Ugander Richard Akantorana, wie er rekrutiert worden war: „In meiner Heimat
       habe ich mich mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten – ich habe in
       Supermärkten geputzt und bin Motorradtaxi gefahren“, erzählt er. Er habe
       etwas mehr als zehn Euro umgerechnet pro Monat verdient: „Das Leben war
       sehr hart.“
       
       Um das Flugticket nach Russland zu bezahlen, habe er einen Kredit
       aufgenommen, erzählt er weiter: „Ich hätte niemals gedacht, dass ich zur
       Armee gehen würde“, sagte er. „Mir wurde gesagt, ich würde in einem
       Supermarkt arbeiten.“ Bei seiner Ankunft in Moskau hieß es dann: „Tut uns
       leid, Leute, ihr werdet in die russische Armee eintreten“, berichtet er:
       „Als wir uns weigerten, hielten sie mir eine Waffe an den Kopf und zwangen
       mich, die Papiere zu unterschreiben.“
       
       Er sei dann nahe [3][Donezk] in einem unterirdischen Lager untergebracht
       worden. „Es war dunkel und schrecklich. Überall waren Bettwanzen. Wir
       schliefen auf dem Boden und bekamen nur Kekse und Wasser“, erzählt er. In
       der ersten Nacht habe er sich direkt den Ukrainern ergeben. Jetzt werde er
       von der Ukraine als Kriegsgefangener gehalten: „Meine lieben Landsleute in
       Uganda“, sagt er am Schluss: „Ich warne euch, landet nicht auch in dieser
       Falle.“
       
       Für 316 Afrikaner kommt diese Warnung zu spät. Ihre Namen und
       Herkunftsländer stehen auf einer 15-seitigen Liste, die vergangene Woche in
       einem Bericht des Recherche-Teams INPACT veröffentlicht wurde. Die in der
       Schweiz ansässige Organisation hat 2021 die Internetseite „All Eyes on
       Wagner“ ins Leben gerufen, die die Aktivitäten der russischen
       [4][Söldnergruppe Wagner] in Afrika unter die Lupe nahm.
       
       Mittlerweile untersuchen sie [5][russische Rekrutierungsnetzwerke] auf dem
       Kontinent: Von Reiseagenturen, die für Afrikaner online Visa beantragen;
       über Jobagenturen, die mit einer Vorabbezahlung von bis zu 20.000 Dollar
       locken; bis hin zu russisch-afrikanischen Partnerschaftsorganisationen, die
       über die sozialen Medien mit Studienplätzen in Russland locken. Die
       Methoden, die offenbar von russischen Geheimdiensten genutzt werden, junge
       arbeitslose Afrikaner anzulocken, sind vielfältig und von Land zu Land
       verschieden. Doch sie liefern einen ersten Anhaltspunkt für afrikanische
       Behörden, diesen Netzwerken nachzugehen.
       
       Für ihre Recherche kollaborierten die Investigativjournalisten auch mit
       ukrainischen Behörden: Auf der Liste sind nun erstmals die Namen der
       gefallenen Afrikaner veröffentlicht, deren Leichen vom ukrainischen Militär
       entlang der Frontlinien geborgen worden waren. Die meisten – fast 100 –
       stammen aus Kamerun. Auf der Liste stehen auch zwei ugandische Namen. Der
       von Mukizas Ehemann Kamwesigye ist nicht dabei.
       
       Die Recherchegruppe kommt zu einem grausamen Schluss: Die meisten Afrikaner
       sterben innerhalb eines Monats nachdem sie an der Front stationiert wurden.
       Sie dienen ausschließlich als „Kanonenfutter“, so der Bericht. „Diese
       Netzwerke stellen eine organisierte Ausbeutung der afrikanischen Jugend dar
       – der Zukunft der betroffenen Länder –, die im Streben nach Chancen und
       Belohnungen enorme Risiken eingeht“, stellt der Bericht klar. „Russland
       nutzt ihren Ehrgeiz und ihre Verzweiflung aus, um die Reihen der russischen
       Armee in der Ukraine mit jungen afrikanischen Männern zu verstärken.“
       
       ## Ugandas Russland-Connection
       
       Immerhin, in Uganda, Kenia, Kamerun und Südafrika haben die jeweiligen
       Regierungen nun Ermittlungen aufgenommen, um die russischen
       Rekrutierungsnetzwerke zu zerschlagen. In Uganda wurden im August neun
       Männer am Internationalen Flughafen in Entebbe gestoppt, die auf dem Weg
       nach Moskau waren. Sie bestätigten, dass sie als angebliche Wachmänner für
       eine russische Sicherheitsfirma angeheuert wurden. Zwei Tage später wurde
       ein Russe in Ugandas Hauptstadt Kampala verhaftet, der laut eigenen Angaben
       für eine Rekrutierungsfirma namens „Magnit“ arbeiten soll.
       
       Die Ermittler stellten später fest, dass die Firma in Uganda nicht
       registriert ist. Auch online ist zu dieser Firma kein Hinweis zu finden. In
       Uganda sind Hunderte internationale Rekrutierungsfirmen aktiv. Die meisten
       suchen nach billigen Arbeitskräften für Jobs in Dubai, Saudi-Arabien oder
       Katar. Junge Frauen werden als Haushaltshilfen für reiche Scheichs
       angeheuert, Männer meist als Fahrer oder Sicherheitspersonal.
       
       Im letzten Jahr war afrikaweit die [6][russische Firma Alabuga] in Verruf
       geraten. Sie warb über die sozialen Netzwerke mit gut bezahlten Jobs in
       Restaurants oder Hotels, suchte Schweißer oder Lackierer für eine
       angebliche Motorbootfabrik in der russischen Provinz Tatarstan. Letztlich
       stellte sich heraus, dass die jungen Afrikaner:innen Kampfdrohnen für
       den Russlandfeldzug fertigen mussten. Vermutungen wurden laut, dass über
       Alabuga auch Söldner angeheuert werden.
       
       Doch um dies legal zu betreiben, benötigen Firmen Lizenzen von Ugandas
       Arbeitsministerium und müssen Regeln beachten: mit den Rekruten bereits in
       Uganda einen Arbeitsvertrag unterzeichnen, eine Krankenversicherung
       abschließen. Im Fall der jungen Männer, die am Flughafen an der Ausreise
       gehindert wurden, waren all diese Dokumente gefälscht, so die Ermittler
       gegenüber ugandischen Medien. Der verhaftete Russe wurde letztlich wegen
       Dokumentenfälschung angeklagt. Doch nachdem er angab, für die russische
       Botschaft zu arbeiten, wurde er auf Kaution freigelassen und hat daraufhin
       das Land verlassen, gibt Ugandas Polizeisprecher an.
       
       Auf taz-Anfrage bestätigt Joshua Kyalimpa, Sprecher von Ugandas
       Arbeitsministerium, dass in Uganda keine Firma Magnit registriert sei.
       Uganda habe mit Russland kein offizielles Abkommen über die Rekrutierung
       von Arbeitskräften unterzeichnet. Daher sei jegliche Rekrutierung in Uganda
       von russischer Seite illegal. „Wir hören von Fällen, in denen Ugander in
       diesen Konflikt in der Ukraine verwickelt sind“, bestätigt Kyalimpa. Die
       meisten würden nicht über eine Firma, sondern online, beispielsweise über
       Tiktok, rekrutiert.
       
       „Die Regierung und wir als Ministerium, warnen die Ugander davor, sich von
       Personen, die vorgeben, Arbeiter für die Konfliktgebiete Russlands oder der
       Ukraine anzuwerben, verleiten zu lassen“, stellt Kyalimpa klar. Über
       diplomatische Wege zu versuchen, die Rekrutierung zu unterbinden – dafür
       sei sein Ministerium nicht zuständig.
       
       [7][Uganda unterhält seit einigen Jahren enge Beziehungen zu Russland], vor
       allem zu Russlands Militär. In den vergangenen zwei Jahren haben die Russen
       die ugandische Armee mit über 150 Millionen Dollar ausgestattet. Ugandas
       Armeechef und Sohn von Präsident Museveni, Muhoozi Kainerugaba, ist ein
       großer Fan von Russlands Präsident Putin: „Nennt mich ruhig einen
       ‚Putinisten‘, aber Uganda wird Soldaten zur Verteidigung Moskaus entsenden,
       sollte es jemals von Imperialisten bedroht werden!“, schrieb Kainerugaba im
       März 2023 auf der Nachrichtenplattform X.
       
       Vor diesem Hintergrund ist es unwahrscheinlich, dass Ugandas Regierung im
       Fall der an der Front getöteten Ugander gegen die Freunde in Moskau
       vorgeht. Ugandas Außenminister Okello Oryem erklärt gegenüber dem lokalen
       Fernsehsender NTV: „Uganda hat keine Kapazitäten, die Leichen von
       denjenigen zurück zu holen, die im Ausland sterben“, so der Außenminister.
       „Diese Agenten, die die Leute rekrutieren, sind für deren Gesundheit
       verantwortlich, ebenso wie für die Rückholung der Leiche, wenn jemand
       stirbt.“
       
       ## „Wir wollen ihn doch nur beerdigen“
       
       Im Nachbarland Kenia hingegen geht die Regierung nun harsch gegen Moskau
       vor. Dort haben sich landesweit Familien zusammengetan, die nach ihren
       Angehörigen suchen: Sie haben Gedenkfeiern organisiert; über die sozialen
       Medien Druck auf die Regierung ausgeübt. Kenias Polizei hat Verhaftungen
       vorgenommen, zwei kenianische Rekrutierungsagenten im Oktober wegen
       Menschenhandel vor Gericht gestellt.
       
       Laut einem Geheimdienstbericht, der am Mittwoch in Kenias Parlament
       vorgestellt wurde, seien bereits 1.000 Kenianer rekrutiert worden, 89
       Kenianer seien derzeit aktiv an der Front im Einsatz, 39 liegen verletzt in
       Militärkrankenhäusern, 28 würden vermisst und sind vermutlich verstorben.
       Kenias Außenminister Musalia Mudavadi nennt die Praxis „inakzeptabel“ und
       erklärt, er werde im März nach Moskau reisen und die russische Regierung
       „dringend auffordern, ein Abkommen zu unterzeichnen, das die Einberufung
       kenianischer Soldaten verbietet.“ Er versprach den Familien, bei der
       Rückholung der Leichen behilflich zu sein. Die russische Botschaft in Kenia
       streitet in einem auf der Plattform X veröffentlichten Schreiben alles ab
       und spricht von einer Propaganda-Kampagne in den kenianischen Medien.
       
       Witwe Mukiza in Uganda verfolgt die Ereignisse in Kenia genau und wünscht
       sich, Ugandas Regierung würde diesem Beispiel folgen. „Ich fühle mich so
       hilflos“, seufzt sie und zeigt einen Brief, den sie an die russische
       Botschaft in Kampala geschrieben hat. Darin bittet sie um Unterstützung,
       damit die Familie ihren Mann „nach unserer Kultur und Familientradition
       beisetzen“ kann. Eine Antwort hat sie bis heute nicht bekommen.
       
       „Wie sollen wir je richtig Abschied nehmen, wenn wir ihn nicht beerdigen
       können?“, fragt sie. In der ugandischen Kultur sind die Rituale rund um den
       Tod wichtig, um die Trauer der Angehörigen zu lindern. Ihren beiden Kindern
       hat sie bislang nichts vom Tod ihres Vaters erzählt. „Ohne Beerdigung wird
       es für sie schwer sein, das zu verstehen“, sagt sie leise in ihr
       Taschentuch.
       
       20 Feb 2026
       
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