# taz.de -- Mangelware Quark und Skyr im Supermarkt: Finger weg von meinen Grundnahrungsmitteln!
> Das Internet hat die Proteinwunder Quark und Skyr für sich entdeckt, in
> Supermärkten werden sie zu einem knappen Gut. Unser Autor muss kreativ
> werden.
(IMG) Bild: Ein Quarkengpass hat jetzt gerade noch gefehlt
Schon wieder alle Regale leer? Zustände wie 2020 zu pandemischen
Hamsterkaufzeiten herrschen seit Wochen in vielen deutschen Supermärkten.
Nur dass statt Klopapier, Speiseöl und Mehl plötzlich die Mopro-Abteilung
geplündert wird. Mit Mopro sind, sprechfaule [1][Leute von Fach und Welt
wissen das], Molkereiprodukte gemeint. Konkret betroffen sind Quark und das
aus Island stammende und auch bei uns beliebte Mopro Skyr.
Und warum? Weil Influencer dem halben Internet eingetrichtert haben, dass
man diese Produkte gerade unbedingt in rauen Mengen zu verschlingen hat,
weil sie so furchtbar gesund sind und superleckaaa.
Teilweise mag das ja stimmen; Quark und Skyr haben kaum Fett und viel
Eiweiß, [2][was wichtig ist, um unsere Muskeln und Knochen zu kräftigen].
Zum Teil ist es auch dreist gelogen. Insbesondere Magerquark schmeckt
säuerlich und sonst nach nicht viel, außerdem hinterlässt er ein fades,
trockenes, irgendwie pelziges Mundgefühl. So etwas isst man doch nicht!
Eigentlich hatte das die Mehrheit der Menschen auch verinnerlicht und ließ
schön die Finger von dem Zeug, was zur Folge hatte, dass Quark nie zum
trendigen Lifestyleprodukt hochgejazzt wurde. Doch seit vergangenem Sommer
gehen mehr und mehr Rezepte in den sozialen Netzwerken viral. Quark oder
Skyr statt Milch in alle Teigrezepte ergibt proteinreiches Gebäck, Quark
oder Skyr mit Tiefkühlfrüchten fettfreies Eis. Quark oder Skyr mit Keks:
hmmm, [3][ein schneller, günstiger, gesunder Käsekuchenersatz]! Und
besonders pervers: Quark mit Monster White, einem Energydrink mit
Zitrusgeschmack, was je nach Quarkdichte im Glas daherkommt wie
Zitronensorbet, Actimel oder Zitronenbuttermilch.
Los ging der Wahnsinn, wie so oft, bei den Amis und Briten, was anfangs
kein Problem war, denn die kennen überhaupt keinen Quark. So begnügten sich
ihre FollowerInnen auch hierzulande eben mit Greek yogurt oder cottage
cheese. Es dauerte Monate, bis irgendwer auf den Trichter kam, dass es bei
uns ja auch den viel günstigeren und viel gesünderen Quark gibt. Und so
nahm der üble Hype seinen Lauf.
In einer Info der Molkereifachwelt heißt es, das Handelspanel des
Marktforschungsinstituts Nielsen habe im vergangenen Jahr ein konstant
hohes Zuwachsniveau in der Kategorie Quark mit einem Jahresergebnis von
plus 7,4 Prozent registriert. Seit Anfang März werde punktuell von leer
gekauften Regalen im Mopro-Segment gesprochen. Jedoch lasse sich die
gestiegene Nachfrage bislang leicht bedienen. Es sei weder mit Engpässen
noch mit Preisveränderungen zu rechnen.
Aber was, wenn das nicht so bleibt? Ich brauche diesen Quark! Ich habe ihn
schon immer im Kühlschrank stehen, bin ich doch mit Quarkspeisen
aufgewachsen: Quarkkeulchen zum Frühstück, Kräuterquark mit Kartoffeln zum
Mittag, Quarkkuchen zum Kaffee, Quarkbrötchen zum Abendbrot und Fruchtquark
als Nachtisch. Quark ist mein Grundnahrungsmittel, umso mehr, seitdem auch
ich mich bewusst proteinreich ernähre. Und so viele Möglichkeiten der
Eiweißzufuhr habe ich nicht, denn mir schmecken weder Tiere noch
Hülsenfrüchte – und Haferflocken in äquivalenten Mengen sind mir zu teuer.
Ein Quarkengpass träfe mich dementsprechend hart, [4][härter als die
Ölkrise]. Schließlich fahre ich Rad und heize nicht mehr, was also schert
mich euer Krieg?
So liebäugele ich mit zwei Optionen, der Quarkflation entgegenzutreten.
Entweder stelle ich DIY-Quark her. Zwar habe ich kein Labenzym zu Hause,
das für gewöhnlich die Milch in Eiweiß und Molke trennt, aber Zitronensaft
oder Apfelessig sollen einen ähnlichen Dienst tun. Drei Esslöffel Säure
lassen erwärmte Milch ausflocken, sodass man nach ein paar Stunden Ruhezeit
die Molke durch ein Baumwolltuch abgießen können soll. Zurück bleibt purer
Quark.
Oder aber ich sorge für ein Ablenkungsmanöver und starte einen neuen
viralen Hit, dem das Internet künftig hinterherhechelt. Am besten mit
irgendwelchen Ladenhütern, die vorher kein Schwein beachtet hat. In
Instantkartoffelpüree gegarte Innereien mit einem crunchy Topping aus
Dosenchampignons und Salzstangen sind nämlich gerade deeer Hit in den USA,
weil supergesund und superleckaaa. Haben Sie’s gewusst?
5 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Philipp Brandstädter
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