# taz.de -- Actionfilm „Shelter“ mit Jason Statham: Wie man ein Gesetz und viele Arme bricht
       
       > Tüchtig Seegang auf allen Ebenen bietet der Actionfilm „Shelter“. In
       > ihren Rollen glänzen Jason Statham und die Teenagerin Bodhi Rae
       > Breathnach.
       
 (IMG) Bild: Das Geschenk will er nicht: Michael (Jason Statham) und Jessie (Bodhi Rae Breathnach) in „Shelter“
       
       Bei Filmen bestimmter Genres gehören Überraschungen nur eingeschränkt zu
       dem, was Fans von ihnen erwarten. Actionthriller mit dem Schauspieler
       [1][Jason Statham dürften darunterfallen. Der auf lakonische Einzelgänger
       spezialisierte Star] macht bei seiner jüngsten Rolle in „Shelter“ unter der
       Regie von Ric Roman Waugh keine große Ausnahme. Doch ein bisschen anders
       liegen die Dinge schon, und das in gutem Sinn.
       
       „Shelter“ modifiziert das Muster der Geheimdienst-Verschwörungsstreifen,
       bei denen ein Agent ins Visier seines eigenen Arbeitgebers gerät, nur
       gering: Topagent fällt wegen eines Fehltritts in Ungnade, muss sich
       verstecken, fliegt auf und wird gnadenlos gejagt. „Shelter“ bietet all das
       einschließlich einer Leistungsschau heutiger Überwachungsmöglichkeiten, die
       sich dank Smartphones bieten.
       
       So weit, so vertraut. Gleichwohl setzt er schon zu Beginn einen anderen
       Akzent. Da sitzt dieser Agent, Michael Mason, einsam auf einer ansonsten
       unbewohnten Insel der Äußeren Hebriden vor der schottischen Küste. Rauer
       Fels, peitschende Wellen. Der vorhandene Leuchtturm dient bloß noch als
       Ausguck, seinen Betrieb hat er schon lange eingestellt. Masons einzige
       Gesellschaft ist ein Hund. Einmal die Woche kommt ein Trawler mit
       Verpflegung, der Kapitän, gleichfalls mürrisch, verstärkt von seiner Nichte
       Jessie. Der Kontakt ist minimal, sie setzt per Ruderboot zur Insel über,
       stellt die Vorräte am Strand ab. Mason bleibt stets auf Abstand.
       
       Ein Ereignis, das mit den Unwägbarkeiten des Meeres zu tun hat, lässt
       Jessie auf der Insel stranden. Der schweigsame Mason versucht, seinen
       gewohnten Betrieb mit ihr als ungebetenem Gast fortzusetzen. Nach und nach
       entwickelt sich eine Beziehung, die man als eine Art diplomatischen Umgang
       bezeichnen könnte.
       
       ## Team wider willen
       
       Die Teenagerin Bodhi Rae Breathnach, neben einem kleinen Part in [2][Chloé
       Zhaos „Hamnet“] in ihrer zweiten Filmrolle überhaupt, lässt bei dieser
       Jessie zwischen verängstigt, trotzig und schutzbedürftig souverän allerlei
       Facetten durchscheinen, die das Kammerspiel, als das der Film beginnt,
       unerwartet offen erscheinen lassen.
       
       Von dieser beengten Konstellation aus erweitert „Shelter“ dann nach und
       nach sein Personal und das Territorium, das man mit Mason und Jessie
       erkundet. Denn Jessie ist verletzt und braucht medizinische Versorgung.
       Masons Ausflug ans Festland, um Einkäufe zu machen, setzt erwartungsgemäß
       eine Reihe von Geheimdienstaktivitäten in Gang, die das ungleiche Duo zum
       Team wider Willen machen.
       
       Parallel entspinnt sich der erforderliche Konspirationsplot, bei dem
       Mitarbeiter des MI6 an Bildschirmen sitzen und per Direktübertragung von
       Handybildern den flüchtigen Mason und Jessie aufzuspüren versuchen. Man
       muss nicht paranoid sein, um diese Form der [3][Spionage, ein Gratisservice
       der Kommunikationstechnik], für recht realistisch zu halten. Optisch
       inszeniert Waugh das als scharfen Kontrast von weitgehend unberührter Natur
       einerseits und kühler Hightech-Innenarchitektur der zudem vorwiegend
       virtuell arbeitenden Nachrichtendienstler andererseits.
       
       Mason wird im weiteren Verlauf jedoch viel direkten Kontakt mit Agenten im
       Feldeinsatz haben. Wie „Shelter“ dabei die Figur Jessies in die Geschichte
       einbaut, liefert einige seiner gelungensten Überraschungen. Zudem sorgt die
       Frage, wer beim MI6 genau wen überwacht, für weitere abrupte Wendungen.
       
       Auch sein eigentliches Hauptthema des Agenten mit Gewissen, das seine
       Achillesferse wird, variiert der Film geschickt. Wer sich übrigens beim
       Altersunterschied der Hauptfiguren an den Klassiker „Léon – Der Profi“
       erinnert fühlen sollte, kann beruhigt sein: Den pädophilen Unterton, wie er
       sich in Luc Bessons Erfolgsfilm findet, vermeidet Ric Roman Waugh mehr als
       elegant.
       
       Ein weiterer Vorzug von „Shelter“ ist seine Liebe zum Handwerk. Die
       Actionszenen kommen, was einen weiteren ästhetischen Gegensatz zum
       computerbasierten Arbeiten des MI6 bildet, überwiegend ohne spektakuläre
       technische Spezialeffekte aus. In den Nahkämpfen schlägt sich Jason Statham
       wie immer bestens und mit vollem Körpereinsatz, bei Verfolgungsjagden mit
       dem Auto kommen so schlichte Dinge wie Bodenwellen in unebenem Gelände als
       actionfördernde Störfaktoren zum Einsatz.
       
       Und mit [4][Naomie Ackie] als Geheimdienstchefin hat Waugh eine
       Gegenspielerin, die ungeachtet ihres Figurennamens Roberta Frost über einen
       intakten moralischen Kompass verfügt. Mit ihr hätte man gern noch mehr
       Szenen gesehen.
       
       26 Mar 2026
       
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