# taz.de -- Neuer Wirtschaftsweiser: Felbermayr für Emissionshandel in Landwirtschaft
       
       > Der Top-Ökonom empfiehlt, dass die EU Treibhausgase, Dünger und Pestizide
       > der Agrarbranche bepreist. Das soll Umweltschäden reduzieren.
       
 (IMG) Bild: Landwirte liefern Nahrungsmittel, aber schaden auch der Umwelt: Traktor fährt mit angehängter Egge auf einem Feld in Brandenburg
       
       Der [1][designierte Wirtschaftsweise Gabriel Felbermayr] rät, die
       [2][Landwirtschaft] in den EU-Emissionshandel einzubeziehen. „Das gleiche
       Instrument sollte auch auf andere Schadstoffe wie Stickstoffdünger und
       Pflanzenschutzmittel ausgeweitet werden“, heißt es in einer Studie, die der
       Ökonom gemeinsam mit Kollegen seines Österreichischen Instituts für
       Wirtschaftsforschung im Auftrag der Umweltorganisation Nature Solidarity
       verfasst hat. Ein [3][„Grenzausgleichsmechanismus“] solle verhindern, dass
       dann ein Teil der Lebensmittelproduktion ins Ausland außerhalb der EU
       verlagert wird.
       
       Die Landwirtschaft liefert der [4][Studie] zufolge zwar die Rohstoffe zur
       Ernährung. Aber die Branche verursache weltweit rund 20 Prozent der
       Treibhausgasemissionen. Zudem gebe sie pro Hektar Ackerfläche jährlich über
       50 Kilogramm mehr Stickstoff in die Umwelt ab, als von den Pflanzen
       aufgenommen wird. Das trägt zur Verschmutzung des Wassers bei. Die Autoren
       sehen auch einen „maßgeblichen Beitrag zum Artensterben durch
       Pflanzenschutzmittel und die dadurch ermöglichten Anbauverfahren“.
       
       Doch diese Umweltschäden würden bisher weder von den Landwirten noch den
       Verbrauchern über den Preis der Güter bezahlt. „Das begünstigt den Einsatz
       von Produktionsmethoden mit negativen Auswirkungen auf die Umwelt“, so das
       Autorenteam um Felbermayr, der in Kürze in den Sachverständigenrat der
       Bundesregierung zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung
       [5][berufen werden soll]. Zwar schreibe die Europäische Union den
       Landwirten Umweltauflagen vor, wenn sie Agrarsubventionen erhalten wollen.
       Aber dieses System sei teuer, bürokratisch und „nicht sehr wirksam“.
       
       ## Verursacher zur Kasse bitten
       
       Deshalb empfiehlt Felbermayr „marktbasierte Instrumente nach dem
       Verursacherprinzip, weil sie Umweltschäden einen Preis geben und dort
       ansetzen, wo sie entstehen“. Gleichzeitig würden sie den Betrieben die
       Freiheit lassen, diese Kosten des Umweltverbrauchs auf die günstigste Weise
       zu senken.
       
       Ein Emissionshandel für die Landwirtschaft ist so ein System: Die
       Agrarbetriebe müssten je Tonne Treibhausgas ein Zertifikat bezahlen. Falls
       sie es nicht mehr benötigen, könnten sie es verkaufen. Doch welche
       Treibhausgase genau an welcher Stelle bepreist werden sollen, lässt
       Felbermayr offen. Zu aufwendig sei, die Emissionen jedes Betriebs
       individuell zu berechnen. Aber der Staat könnte zum Beispiel bei der Zahl
       der Tiere ansetzen, mit der der Ausstoß von Methan und Lachgas
       zusammenhängt. „Betriebe müssten Zertifikate für jede Vieheinheit
       erwerben“, skizziert Felbermayr.
       
       Allerdings müssten die Verbraucher zumindest vorübergehend etwas mehr für
       Lebensmittel bezahlen. Der Anteil der Kosten von landwirtschaftlichen
       Rohstoffen an den Preisen sei jedoch gering, so die Studie. Ein „Klimageld“
       beispielsweise könnte die Belastung reduzieren.
       
       Der Deutsche Bauernverband ließ eine Bitte der taz um Stellungnahme bis
       Redaktionsschluss unbeantwortet. Vor Kurzem hatte Verbandspräsident Joachim
       Rukwied jedoch aus Anlass des Irankriegs gefordert, selbst die bisherige
       [6][CO2-Bepreisung von Diesel auszusetzen], die auch die Landwirtschaft
       belastet. Die Betriebe könnten sonst die aktuellen Kostensteigerungen nicht
       tragen, so Rukwied.
       
       18 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Vorschlag-von-CDU-Wirtschaftsministerin/!6159877
 (DIR) [2] /Landwirtschaft/!t5007831
 (DIR) [3] /Einfuhr-von-Stahl-Duenger-und-Co/!5963230
 (DIR) [4] https://nature-solidarity.org/aktivitaeten/wifo-studie-verursacherprinzip-in-der-landwirtschaft/
 (DIR) [5] https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2026/03/20260304-vorschlag-berufung-gabriel-felbermayr-sachverstaendigenrat.html
 (DIR) [6] https://regionalheute.de/bauernverband-will-aussetzung-von-co2-bepreisung-1773183664/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jost Maurin
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Landwirtschaft
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Emissionshandel
 (DIR) Europäische Union
 (DIR) Landwirtschaft
 (DIR) Biogas
 (DIR) Schwerpunkt Glyphosat
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Europäischer Emissionshandel: EU will Energiepreise gegen Klimaschutz ausspielen
       
       Angesichts steigender Energiepreise überlegt die EU-Kommission, den Handel
       mit CO₂-Zertifikaten zu schwächen. Wie viel das bringt, ist strittig.
       
 (DIR) Nach Glyphosat-Gutachten: Krebsforscher verliert seinen Posten
       
       Direktor Mandrioli muss das Ramazzini-Institut verlassen. Waren seine
       Forschungsergebnisse zu brisant? Institut und Betroffener widersprechen
       sich.
       
 (DIR) Umwelthilfe über Biogasheizungen: „Für die Atmosphäre nichts gewonnen“
       
       Biogas sei oft klimaschädlicher als fossiles, sagt Umweltschützer
       Müller-Kraenner. Es verbrauche Flächen, auf denen Lebensmittel wachsen
       sollten.
       
 (DIR) Vergleich von Bayer mit US-Krebsopfern: Keine Absolution für Glyphosat
       
       Trotz des Vergleichs bleiben Zweifel an der Sicherheit von Glyphosat.
       Lebensmittel lassen sich auch ohne den Pestizidbestseller erzeugen.