# taz.de -- Nach Glyphosat-Gutachten: Krebsforscher verliert seinen Posten
> Direktor Mandrioli muss das Ramazzini-Institut verlassen. Waren seine
> Forschungsergebnisse zu brisant? Institut und Betroffener widersprechen
> sich.
(IMG) Bild: Auch für Menschen schädlich? Pflanze nach dem Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat auf einem Senffeld in Frankreich
Kostete ein für die Industrie unbequemes Glyphosat-Gutachten Daniele
Mandrioli seinen Job? Oder fiel der Direktor des Krebsforschungszentrums am
Ramazzini-Institut in Bologna bloß einer „internen Reorganisation“ zum
Opfer, wie die Institutsleitung behauptet?
Der Mediziner Mandrioli leitete das „Cesare Maltoni“-Zentrum seit 2020. Es
forscht dazu, welche Gefahr von chemischen Substanzen ausgeht, Krebs
auszulösen, und ist auf diesem Gebiet führend. In den letzten Jahrzehnten
[1][wurden in breit angelegten Langzeitstudien etwa 200 Substanzen vor
allem an Ratten und Mäusen getestet]. Bei 47 wurden die Forscher*innen
fündig.
Auch beim Glyphosat, dem weltweit meistgenutzten Herbizid, das in der EU
für die Landwirtschaft noch bis mindestens 2033 zugelassen ist. Seit 2015
untersuchten die Forscher*innen den Wirkstoff, im Juni 2025
veröffentlichten sie [2][die „Global Glyphosate Study“], bei der Mandrioli
die Federführung hatte.
Kernergebnis war, dass Glyphosat auch in niedriger, bisher als sicher
geltender Dosierung krebserregend wirkt. Daraufhin kündigte die
Generaldirektion Gesundheit der EU-Kommission eine Überprüfung ihrer
bisherigen Risikobewertung und damit auch der Zulassung des Herbizids an.
Der Chemiekonzern Bayer-Monsanto warf der Studie schwere methodologische
Fehler vor.
## Druck aus der Wirtschaft?
Mandrioli bekam Ende Dezember 2025 die Papiere, ohne eine öffentliche
Erklärung der Ramazzini-Leitung. Erst am 16. Februar gab diese eine
Mitteilung raus, die Trennung sei „einvernehmlich“ und aufgrund einer
„internen Reorganisierung“ erfolgt. Anlass für diese öffentliche
Information seien „unkorrekte“ Presseberichte, dass Mandrioli wegen der
Glyphosat-Studie auf Druck aus der Wirtschaft geschasst worden sei. Die
Studie, die schon vor Mandriolis Berufung zum Direktor begonnen wurde,
werde auch in Zukunft fortgesetzt. In Widerspruch zur Rede von der
„Reorganisation“ steht, dass das Institut jetzt einen neuen Direktor für
sein Krebsforschungszentrum sucht.
Auch Mandrioli sagte in seinem einzigen Interview seit dem Jobverlust dem
Corriere della Sera, die Kündigung sei allein „vom Institut entschieden“
worden. Seine Anwälte hätten dann die Vertragsauflösung ausgehandelt.
Mandrioli redet auch von einem enormen Druck, dem er nach Veröffentlichung
der Glyphosat-Studie ausgesetzt gewesen sei.
„Tiefe Sorge“ äußern die gewerkschaftlich organisierten
Mitarbeiter*innen des Forschungszentrums, und auch Philip Landrigan,
jahrelang Leiter der dem Institut verbundenen Accademia Ramazzini,
verlangte in einem offenen Brief nach Erklärungen. Bisher sind sie nicht
gekommen.
2 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Neue-Tierversuche/!6093991
(DIR) [2] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40490737/
## AUTOREN
(DIR) Michael Braun
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zitiert.