# taz.de -- Kritik an elektronischer Patientenakte: Wenig Nutzen, hohe Hürden
       
       > Ein knappes Jahr nach dem Start ziehen Verbraucherschützer:innen
       > Bilanz zur E-Patientenakte. Und weisen auf Potenziale hin.
       
 (IMG) Bild: Ein Bild aus vergangenen Tagen: Analoge Patientenakten im Martin-Luther-Krankenhaus in Berlin
       
       Die elektronische Patientenakte bringt für Versicherte derzeit wenig
       Nutzen. Das ist die [1][Bilanz] des Verbraucherzentrale Bundesverbandes
       (vzbv) knapp ein Jahr nach dem bundesweiten Start. „Die elektronische
       Patientenakte schöpft ihr Potenzial derzeit nicht aus“, sagte Ramona Pop,
       Vorständin des vzbv am Mittwoch. Einer Umfrage des Verbandes zufolge nutzen
       nur 14 Prozent der Versicherten die digitale Akte aktiv, loggen sich also
       per App oder am Computer ein. Eine [2][Abfrage des Redaktionsnetzwerks
       Deutschland] im Januar bei den Krankenkassen war zu noch niedrigeren Zahlen
       gekommen: Demnach nutzen nur 3,6 Prozent der gesetzlich Versicherten die
       Akte aktiv.
       
       Die elektronische Patientenakte (ePA) [3][war vor knapp einem Jahr für alle
       gesetzlich Versicherten, die nicht widersprochen haben, gestartet].
       Medizinische Einrichtungen wie Arztpraxen und Krankenhäuser müssen darin
       unter anderem Befunde, Diagnosen und verordnete Medikamente speichern,
       damit andere Behandler:innen und die Patient:innen selbst darauf
       zugreifen können.
       
       Die ePA ist Teil einer umfassenden Digitalisierung des Gesundheitssystems.
       Die aktuelle und die vorigen Bundesregierungen versprechen sich davon, dass
       das System effizienter wird, weil etwa Doppeluntersuchungen vermieden
       würden. Datenschützer:innen und IT-Expert:innen hatten früh Bedenken
       angemeldet, dass bei Sicherheit und Schutz der persönlichen
       Gesundheitsdaten Lücken bestehen.
       
       Der vzbv sieht die ePA grundsätzlich positiv. „Sie hat das Potenzial, die
       Gesundheitsversorgung für die Patientinnen und Patienten sicherer,
       effizienter und transparenter zu gestalten“, sagte Pop. Aber es hapere an
       der Umsetzung: Zunächst gab es [4][Sicherheitslücken], die den Start
       verzögerten. Die Informationspolitik der Krankenkassen bezeichnet Pop als
       „mehr als dürftig“. Und schließlich muss einen komplizierten
       Registrierungsprozess durchlaufen, wer als Patient:in auf die Akte
       zugreifen will.
       
       ## Versicherte wünschen mehr Flexibilität
       
       Der Verband hat in zwei Untersuchungen bei Versicherten nachgefragt, welche
       Verbesserungen sie sich wünschen. Ganz vorne: eine genaue Steuerung, welche
       Praxis, Klinik oder welche:r andere Behandelnde welche der eingestellten
       Daten sehen kann. Momentan gilt das Alles-oder-nichts-Prinzip: Es lässt
       sich beispielsweise nicht einstellen, dass der Hausarzt den Befund der
       Kardiologin sehen darf, die Zahnarztpraxis und der Orthopäde aber nicht.
       Außerdem wünschen sich die Versicherten digitale Untersuchungshefte, etwa
       den Impfpass. Und Hinweise auf eventuelle Wechselwirkungen von
       Medikamenten.
       
       „Die ePA muss alltagsnahe Mehrwerte für Versicherte schaffen“, fordert Pop.
       Ein Fehler in der Konzeption sei auch, dass jede Krankenkasse ihre ePA
       selbst gestaltet. Das erschwere es, dass sich etwa Familienmitglieder bei
       technischen Problemen gegenseitig helfen, wenn sie bei verschiedenen
       Krankenkassen sind.
       
       Auch der Hausärzteverband zieht eine kritische Bilanz: Bei der
       Infrastruktur komme es häufig zu Ausfällen und Störungen. „Die ePA
       scheitert derzeit also nicht an den Praxen, sondern an der mangelhaften
       Umsetzung und der störungsanfälligen Technik“, sagte der Bundesvorsitzende
       des Deutschen Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, Markus Beier, der Funke
       Mediengruppe.
       
       Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat erst vergangene Woche erklärt,
       wie sie die ePA weiterentwickeln will. Mehr Kontrolle für Versicherte über
       die eigenen Daten kam dabei nicht vor. Stattdessen plant sie mehr
       Vernetzung. So sollen ePA-Daten perspektivisch mit Daten etwa aus der
       Pflege-, Unfall oder Rentenversicherung verknüpft werden können. Außerdem
       soll ein Forschungspseudonym geschaffen werden. Eine große Masse an
       Gesundheitsdaten, auch aus der ePA, soll dann pseudonymisiert für die
       wissenschaftliche und industrielle Forschung zur Verfügung stehen. Im
       Unterschied zur Anonymisierung sind bei einer Pseudonymisierung
       Rückschlüsse auf die Personen möglich.
       
       18 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.vzbv.de/pressemitteilungen/elektronische-patientenakte-viel-potenzial-bislang-wenig-nutzen
 (DIR) [2] https://www.rnd.de/politik/nach-wie-vor-nutzt-nur-ein-bruchteil-der-gesetzlich-versicherten-aktiv-die-digitale-patientenakte-7S3AFNZ2K5BKRKG7KTC5VANPOE.html
 (DIR) [3] /Zwischen-Widerspruechen-und-KI/!6082220
 (DIR) [4] /Ethischer-Hacker-ueber-Gesundheitskonten/!6060883
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Svenja Bergt
       
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