# taz.de -- Genossen von Mullahs und Mördern: Die neue autoritäre Linke
       
       > Wenn die Linke es nicht schafft, Grenzen gegen den Autoritarismus in den
       > eigenen Reihen aufzuzeigen, wird sie selbst zur Gefahr. Und das zur
       > Unzeit.
       
 (IMG) Bild: Sympathisanten feiern das Massaker vom 7. Oktober zum Jahrestag 2025 in Berlin-Mitte
       
       Die Reaktionen einiger Linksradikaler auf den aktuellen Iran-Krieg kamen
       nicht als Überraschung, sie waren ideologisch vorprogrammiert.
       
       Die dogmatische Splittergruppe „Kommunistische Organisation“ verkündet ihre
       Solidarität mit der Islamischen Republik: „Nieder mit dem Imperialismus –
       es lebe der Widerstand der Völker!“
       
       Die trotzkistische Sekte „Klasse gegen Klasse“ schreibt, die Linke müsse
       sich „eindeutig“ auf die Seite Irans stellen – und den Widerstand bis zur
       Niederlage der USA, Israels und Europas unterstützen. Und die Hamburger
       Kommunisten von AKK verteidigen das Schwenken von Flaggen des
       Mullah-Regimes auf Demos und warnen vor einer „Delegitimierung“ der
       Islamischen Republik.
       
       Das sind nur drei Beispiele – es gibt etliche weitere. Man könnte diese
       Parteinahme einer neuen Generation roter Gruppen, die bereits das
       Hamas-Massaker gegen Israel am 7. Oktober 2023 als legitimen Widerstand, ja
       [1][als dekolonialen Befreiungsakt] interpretierten, als skurrile Randnotiz
       abtun. Doch sie gewinnen an Einfluss innerhalb der linksradikalen Szene.
       Und sie treten in Allianzen mit etablierten linken Strukturen auf: So sitzt
       die „Kommunistische Organisation“ in gleich zwei Bündnissen mit
       Untergruppen der Linkspartei – dem „Kufiya-Netzwerk“ und dem
       „Internationalistischen Bündnis Berlin“.
       
       ## Die globalisierte Intifada
       
       Diese Gruppen stehen sinnbildlich für das, was ich als die neue autoritäre
       Linke bezeichne. Und die Positionierungen dieser an sich sektenhaften
       K-Gruppen strahlen aus – [2][in Universitäten], in die Kulturszene und in
       die sozialen Medien.
       
       Die Verherrlichung islamistischer Terroranschläge wird in diesem Milieu
       normalisiert, und zwar weltweit. Es wird zur „Globalisierung der Intifada“
       aufgerufen, während von Belgien bis Bondi Beach [3][Anschläge gegen
       Jüdinnen und Juden] verübt werden.
       
       Erst am Wochenende erklärte ein Landesverband der Linkspartei [4][sich
       stolz zu einem „antizionistischen“] – und lehnt damit das Existenzrecht
       Israels ab. Linke Gruppen in Deutschland arbeiten trotz Samidoun-Verbot des
       Bundesinnenministeriums weiterhin mit Anhängern des israelfeindlichen
       Netzwerkes zusammen – eine Tarnorganisation der Terrorgruppe PFLP.
       
       Eine verständliche Emotionalisierung angesichts eines brutalen Kriegs mit
       zehntausenden zivilen palästinensischen Opfern, darunter viele Frauen und
       Kinder, wird von Fundamentalisten gekonnt instrumentalisiert. Sie verkaufen
       eine verkürzte Gut-Böse-Erzählung der Welt. Und liefern dazu einen
       dringenden Appell, zu handeln – gegen die angeblichen Schuldigen, auch hier
       in Deutschland.
       
       ## Der Westen im Allgemeinen
       
       In dieser Erzählung wird das ultimative Böse durch den jüdischen Staat
       Israel verkörpert. Jede Nuance der vielfältigen Gesellschaft dort wird
       nivelliert, um ihn zu dämonisieren. Aus einem Land der Schoah-Überlebenden
       und jüdischer Geflüchteter aus dem Nahen Osten (ab 1948 mussten
       schätzungsweise 850.000 Juden aus arabischen Ländern und Iran fliehen),
       wird das vermeintliche Paradebeispiel eines Kolonialismus, den es zu
       bekämpfen gilt. Auch mit Gewalt gegen Zivilisten. Bewaffnete Gruppen, die
       ebendas tun – ob Hamas, Hisbollah oder Huthis –, werden als heroische
       Widerstandskämpfer angefeuert, ihre Taten relativiert.
       
       Auch der Westen im Allgemeinen und die USA im Besonderen werden zum
       Erzfeind der neuen autoritären Linken – der große Satan, um es mit den
       Worten der Ajatollahs zu formulieren. Man muss kein Trump-Fan sein, um zu
       erkennen, was droht, wenn es autokratischen Staaten wie China, Russland und
       Iran gelingt, die unipolare Ordnung der USA aufzubrechen. Eine sicherere
       Welt definitiv nicht.
       
       Das manichäische Freund-Feind-Schema der neuen autoritären Linken wird
       außerdem nach innen projiziert. Wer widerspricht oder nicht „auf Linie“
       ist, gilt schnell als Gegner, Feind und Verräter. Und wird dementsprechend
       aggressiv bekämpft.
       
       In Telegram-Chats der Linksjugend Solid, der Jugendorganisation der
       Linkspartei, wird fantasiert über die Erschießung vermeintlicher
       politischer Gegner im linken Lager – der „Antideutschen“. [5][Beim
       Bundeskongress des Verbands] im November 2025 berichteten Delegierte davon,
       wie andere Genossen ihnen gedroht hätten, sie nachts in ihren Hotelzimmern
       aufzusuchen. Einige reisten deshalb vorzeitig ab, andere entschieden sich,
       ihre Kandidatur für den Bundesvorstand zurückzuziehen.
       
       ## Aus erster Hand
       
       Ich kenne die Aggressivität der neuen autoritären Linken aus erster Hand.
       Aufgrund meiner Berichterstattung bin auch ich Drohungen ausgesetzt. Auf
       Ticketautomaten, Litfaßsäulen und Mülleimern klebten Sticker mit meinem
       Foto und Namen, die mich beleidigen und als „Genozid-Propagandist“
       diffamieren. Selbstgebastelte Fahndungsplakate [6][rufen offen zu meiner
       Eliminierung auf], samt roten Hamas-Dreiecken.
       
       [7][Pressefeindlichkeit bildet eine zentrale Säule] der antidemokratischen
       Ideologie der neuen autoritären Linken. Etablierte Qualitätsmedien, von der
       New York Times bis zum Tagesspiegel und der FAZ, werden zum Feind erklärt,
       mit Hamas-Symbolen markiert oder gar durch Protestaktionen blockiert. In
       Italien stürmten Aktivisten [8][das Büro der Zeitung La Stampa] und
       beschimpften die Journalisten als „Terroristen“. Selbst die taz wurde mit
       Gaza-Graffiti beschmiert.
       
       Auf Demos werden Journalisten bedroht oder körperlich angegriffen. In den
       sozialen Medien wird „Rechenschaft“ für Journalisten gefordert, gar ein
       „Nürnberg 2.0“. Eine Sprache, die man sonst eher von Reichsbürgern und
       Querdenkern kennt.
       
       Das dadurch entstehende kritische mediale Vakuum innerhalb der neuen
       autoritären Linken füllen Verschwörungsblogs, Desinformationskanäle und die
       Propagandasender autokratischer Staaten von der Türkei über Katar bis
       Russland. Die Anfeindungen gegen mich kamen [9][zunächst von Red Media],
       einem Portal, das eng verzahnt ist mit dem russischen Staatsmedium RT.
       
       Von dieser Szene gehen inzwischen schwere Straftaten aus. In Großbritannien
       brachen Anhänger der als Terrororganisation verbotenen Palestine Action in
       eine Luftwaffenbasis ein und beschädigten Militärflugzeuge; einer brach bei
       einem weiteren Einbruch die Wirbelsäule einer Polizistin mit einem
       Vorschlaghammer. Die Gruppe ist inzwischen auch in Deutschland aktiv.
       
       In Washington erschoss mutmaßlich ein Mann, der vorher in einer
       sozialistischen Partei aktiv war, kaltblütig zwei Mitarbeiter der
       israelischen Botschaft – und erfuhr Solidarität von einigen linksradikalen
       Gruppen. Hinzu kommen etliche Brandanschläge von unbekannten Tätern, etwa
       [10][gegen die linke Kneipe Bajszel] in Berlin-Neukölln, deren Betreiber
       ebenfalls Morddrohungen ausgesetzt sind.
       
       Diese autoritäre Radikalisierung kommt zur Unzeit. Denn die liberale
       Demokratie hat gerade genügend Feinde, von der rechtsextremen AfD über
       Irans antiwestliche Terrorachse bis hin zu Putins Russland. Wenn die Linke
       es nicht schafft, klare Grenzen gegen den Autoritarismus in den eigenen
       Reihen aufzuzeigen, wird sie selbst zur Gefahr.
       
       19 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [5] https://www.tagesspiegel.de/politik/in-chatgruppen-wird-zu-sauberungsaktionen-aufgerufen-mobbing-in-der-partei-die-linke-eskaliert-14735360.html
 (DIR) [6] https://blogs.taz.de/hausblog/taz-chefredaktion-zur-bedrohung-von-nicholas-potter/
 (DIR) [7] /Schlaege-Tritte-Morddrohungen/!6024978
 (DIR) [8] /Pressefreiheit-in-Italien/!6134142
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