# taz.de -- „Der Astronaut“ mit Ryan Gosling: Nach allen Regeln des Sci-Fi-Abenteuerfilms
       
       > Im Spielfilm „Der Astronaut“ muss Ryan Gosling die Erde vor
       > Sonnenfressern retten. Die Robinsonade bedient sich bei
       > Science-Fiction-Klassikern.
       
 (IMG) Bild: Ziemlich spacig: Ryland Grace (Ryan Gosling) in „Der Astronaut“
       
       Es ist ein Sci-Fi-Alptraum: Ohne Erinnerung wacht der Molekularbiologe und
       Lehrer Dr. Ryland Grace (Ryan Gosling) in einer Raumschiffschlafkapsel auf,
       Lichtjahre von der Erde entfernt, in den Nachbarkapseln liegen Tote. Mit
       den Flashbacks an eine problematische Mission, zu deren Teilnahme er – wie
       sich später herausstellt – zudem gezwungen wurde, dämmert ihm, dass er die
       Welt retten muss, der die Sonne abkühlende „Astrophage“-Mikroorganismen den
       Garaus zu machen drohen.
       
       Halbwegs beherzt arrangiert sich der unfreiwillige Astronaut mit seinem
       Schicksal und setzt den Kurs seines Raumschiffs „Hail Mary“ zum Stern Tau
       Ceti, von dessen Atmosphäre er sich eine Lösung beim Umgang mit den
       „Astrophage“-Zellen erhofft.
       
       Und weil Phil Lords und Christopher Millers nach einem Roman von Andy Weir
       inszenierter Film „Astronaut“ eine Robinsonade ist, lässt sich auch bald
       Graces Freitag blicken: In der Nähe von Tau Ceti hat sich ein fremdes,
       beeindruckend gestaltetes Raumschiff eingefunden, dessen Pilot ebenfalls
       der einzige Überlebende einer ähnlichen Mission ist.
       
       Das steinartige, wie ein kopfloses Tier aussehende Alien wird von Grace
       „Rocky“ genannt, und stellt sich, nachdem die beiden Wissenschaftler fix
       und mit technischer Hilfe ihr Kommunikationsproblem gelöst haben, als
       freundliches, unterhaltsames bis geschwätziges Wesen heraus. Der
       beängstigenden Realität begegnen die beiden fortan immerhin zusammen. Denn
       nach allen Regeln des Sci-Fi-Abenteuerfilms ist das die verlässliche
       Methode für einen Triumph: Gemeinsam schaffen wir es.
       
       ## Ein Alien in tönerner Niedlichkeit
       
       Zwischen der Komplexität seiner Machart und der des Drehbuchs lässt sich
       bei „Der Astronaut“ eine erstaunliche Diskrepanz wahrnehmen: Während die
       glänzenden Imax-Bilder einen in ihrer opulenten Eindringlichkeit regelrecht
       see- (beziehungsweise space-)krank zu machen vermögen, sowohl Ryan Gosling
       als Grace als auch Sandra Hüller als (nur in Graces Erinnerung
       auftauchender) Missionsleiterin Eva sich mit großem Eifer über ihre
       Charaktere hermachen, und auch „Rocky“ in all seiner tönernen Niedlichkeit
       die Spannung hält, wirkt das Drehbuch wie ein zusammengeflicktes Best-Of
       der großen Weltraum-Filmklassiker-Ideen.
       
       Die E.T.-Elliott-Freundschaft, aber ohne den Charme des kindlichen
       Hauptdarstellers; die Hippie-Atmosphäre (und die Musik) plus Huey und Dewey
       aus „Silent Running“, aber ohne die Verzweiflung im Handeln des
       Protagonisten; die abstrakte, aber nutzbare Kommunikationsebene von
       „Contact“ und [1][„Arrival“], nur ohne ein genuines Interesse für
       Kommunikation; und nicht zuletzt die Struktur des hervorragenden
       Kinderfilms „Explorers“ von 1985, in dem Erdenkinder bei einer
       Weltraumfahrt auf Aliens stoßen und feststellen, dass es sich ebenfalls um
       Kinder handelt.
       
       So wenig echte Neugier für die Motive von Eva und Grace, so wenig eigene
       Gedanken sind in „Astronaut“ zu spüren, so teuer (unter anderem auch durch
       das im Soundtrack ausgespielte „Two of Us“ von den Beatles!) wirkt das
       Pastiche, dass der Film den Eindruck hinterlässt, einen langen,
       aufwendigen, kostbaren Werbeclip gesehen zu haben, der viel zitiert, aber
       wenig fühlt.
       
       Dabei wäre einiges an Zwiespältigkeit drin: Die kühle, aber zielstrebige
       Missionsleiterin, die den Drückeberger Grace in den Weltraum zwingt, und
       bereit ist, ihn „für das Wohl der Menschheit“ zu opfern, ist eine hoch
       ambivalente Figur, bei der das Gut-Böse-Schema nicht greift. Und dass Grace
       – bis auf Frust und Messietendenzen zu Anfang der Isolation – ebenso wenig
       zu negativen Sentimenten und Depressionen neigt wie sein zehn Jahre zuvor
       die Einsamkeit überwindender Kollege aus der [2][Andy-Weir-Adaption „Der
       Marsianer“], ist beachtlich. Im Fall eines Falles wäre er anscheinend doch
       der richtige Mann im All.
       
       19 Mar 2026
       
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