# taz.de -- Siedlergewalt: Wieder Tote im Westjordanland
> Seit Beginn des Iran-Kriegs hat die Gewalt im Westjordanland zugenommen.
> Immer mehr Palästinenser*innen werden von Siedlern erschossen.
(IMG) Bild: Töten immer häufiger Palästinenser*innen: israelische Siedler im Westjordanland
Die Gewalt im Westjordanland nimmt weiter zu. Sechs Palästinenser sind seit
Beginn des [1][US-israelischen Kriegs mit Iran] getötet worden – die
meisten von ihnen durch Schüsse, abgefeuert von israelischen Zivilisten.
In der Nacht von Samstag auf Sonntag haben radikale Siedler das Dorf Abu
Falah, nordöstlich von Ramallah, gestürmt. Laut dem palästinensischen
Gesundheitsministerium sind zwei Dorfbewohner im Alter von 24 und 57 dabei
erschossen worden. Ein dritter Mann ist laut der palästinensischen
Nachrichtenagentur Wafa an den Folgen von Tränengas gestorben, das
israelische Streitkräfte einsetzten, um die Menschenansammlung aufzulösen.
Fünf weitere Menschen wurden verletzt.
Nach Angaben der Agentur, die sich auf Augenzeugen bezieht, erschossen die
Siedler die zwei Männer, als diese sich ihnen entgegengestellten. Israels
Militär erklärt auf taz-Anfrage, eine behördliche Untersuchung sei
eingeleitet worden.
Des Weiteren wurde in Wadi al-Rakhim am Samstag ein Mann erschossen und
sein Bruder schwer verletzt, als Siedler ihre Schafe auf palästinensischem
Land weiden ließen und sie laut Augenzeugen in die Häuser der
Dorfbewohner*innen treiben wollten. Als die Einwohner*innen
reagierten, schlugen die Siedler sie mit Stöcken und eröffneten das Feuer.
Mehrere Menschen wurden verletzt.
Laut israelischem Militär tötete ein Reservist den Mann. Der Soldat sei
nach Meldungen über eine Konfrontation ins Dorf gekommen. Die Untersuchung
laufe noch.
## Bisher keine Berichte über Festnahmen
Zwei weitere Männer waren bereits am vergangenen Montag getötet worden, als
Siedler das Dorf Qaryut, südlich von Nablus angegriffen. Laut
Medienberichten habe es einen Streit um Land gegeben, die Israelis sollen
den Brüdern in Kopf und Bauch geschossen haben.
Das israelische Militär schreibt, die Streitkräfte verurteilten die Gewalt
scharf. Kommandant Avi Bluth sagte nach dem Angriff in Abu Falah: „Dies ist
ein inakzeptabler Vorfall. Es wird null Toleranz geben gegenüber
Zivilisten, die das Gesetz in die eigenen Hände nehmen. Diese Handlungen
repräsentieren nicht den Staat Israel.“ Berichte über Festnahmen gab es
bislang jedoch nicht.
Im Schatten des Irankriegs [2][nimmt die Gewalt im Westjordanland] zu. Die
israelische Menschenrechtsorganisation Yesh Din zählte 50 Fälle von Gewalt
gegen Palästinenser*innen allein in den ersten vier Kriegstagen.
Bereits seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 haben Siedlerangriffe
enorm zugenommen. Die Regierung hat tausende Gewehre unter
Zivilist*innen verteilt und Siedler*innen für die
Reservisteneinheiten rekrutiert. Dies verwandelt sie laut Yesh Din in
„einen inoffiziellen Militärzweig in einem Gebiet, in dem sie im
dauerhaften Landkonflikt mit den palästinensischen Einheimischen leben“.
Die israelische NGO B’teselem findet deutlichere Worte: „Unter der Deckung
des israelisch-amerikanischen Angriffs auf Iran“ bringe die Zusammenarbeit
zwischen Armee und Milizen israelischer Siedler die ethnische Säuberung des
Westjordanlands voran. Die Armee hatte bereits in der Vergangenheit
[3][derlei Anschuldigungen] zurückgewiesen. Indes werden sowohl israelische
Soldat*innen als auch Siedler*innen selten wegen Verbrechen gegen
Palästinenser*innen verurteilt.
Am Montag nannte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes die jüngsten Vorfälle
einen „traurigen Höhepunkt“, das Ministerium verurteile die Angriffe „aufs
Schärfste“. Die palästinensische Bevölkerung sei auf den Schutz der
israelischen Stellen angewiesen. Dieser werde „in unzureichendem Maße
gewährleistet“. Auf Fragen zu Sanktionen und Lösungen antwortete er
ausweichend.
Am Dienstag gab Wafa bekannt, dass erneut sechs Palästinenser bei
Siedlerangriffen nahe Nablus am Montag verletzt worden waren. Auch
versuchten Siedler, den Zugang zu einer Moschee im Dorf Majdal Bani Fadil
zu versperren, als sich Gläubige noch im Gebäude befanden. Bei einer Razzia
in der Nähe von Ramallah verhafteten israelische Streitkräfte den
palästinensischen Journalisten Abdul Karim Al-Alami.
9 Mar 2026
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