# taz.de -- Fußball-WM und mexikanische Mafia: Das Kartell kickt mit
> Auch Mexikos Jalisco-Kartell will an der Fußball-WM verdienen. Trotz der
> Jagd auf die Chefs bleibt das kriminelle Unternehmen aktiv.
(IMG) Bild: Ein Kreuz für El Mencho vor dem Friedhof Recinto de la Paz in Zapopan
Keine Sorge, [1][die Weltmeisterschaft] wird stattfinden. Auch in Mexiko.
Denn daran hat auch das Jalisco-Kartell (CJNG) großes Interesse. Klar, der
[2][gewaltsame Aufruhr der Mafia-Truppe im Februar] hat auch im Bundesstaat
Jalisco für reichlich Unruhe gesorgt. Die brennenden Autos, Busse und
Geschäfte, mit denen die Kriminellen auf die Verhaftung und den Tod ihres
Chefs [3][Nemesio Oseguera aka El Mencho], reagierten, legten unter anderem
die Landeshauptstadt Guadalajara lahm. Also den Ort, an dem mehrere der
WM-Kicks ausgetragen werden. Aber auch für das CJNG zählt in erster Linie:
das Geschäft. Und wer will sich das schon durch Krawall verderben?
Jalisco ist samt den anliegenden Bundesstaaten Nayarit, Colima und
Aguascalientes eines der Gebiete, die praktisch komplett von dem Kartell
kontrolliert werden. Die Kriminellen kassieren Schutzgeld von
Markthändler*innen, Taxifahrer*innen und Restaurantbesitzer*innen,
waschen ihr Geld durch Hotelanlagen oder Nachtclubs und besitzen Immobilien
im Stadtteil Zapopan, in dem das Akron-Stadion beheimatet ist. Ganz
abgesehen von dem Koks, Marihuana und anderen Drogen, die sich die
WM-Tourist*innen einpfeifen.
Auch deshalb konnte Präsidentin Claudia Sheinbaum nach den Angriffen
erklären, für die Besucher*innen der Weltmeisterschaft bestünde
„keinerlei Risiko“. So ganz will sie sich aber nicht auf das
Geschäftsinteresse der Mafia verlassen. [4][Rund 100.000 Sicherheitskräfte]
– Nationalgarde, Militär, Polizei – bereiten sich im Rahmen des „Plan
Kukulcán“ auf ihre Einsätze in den drei WM-Austragungsorten Mexiko-Stadt,
Monterrey und Guadalajara vor, unterstützt von den Soldat*innen einer
Eliteeinheit namens „Fledermäuse“.
Diese Mobilmachung klingt martialisch und verwundert in einem Land, in dem
sich jährlich 45 Millionen internationale Tourist*innen an Stränden,
archäologischen Stätten und im Großstadttrubel vergnügen. Oft wissen diese
nicht einmal, dass in einigen Regionen Krieg herrscht, geschweige denn,
dass sie etwas davon zu spüren bekämen. Auch den Auftritt von Shakira, den
jüngst 400.000 Fans in der Hauptstadt feierten, konnte die Regierung
problemlos managen. Wo wirtschaftliche oder propagandistische Interessen
bestehen, geht alles.
Anders sieht es dort aus, wo sich Menschen diesen Interessen
entgegenstellen. Neben den Zehntausenden, die jährlich als Kanonenfutter
von der Mafia verheizt werden, trifft das auch Aktivist*innen, die sich
gegen verbrecherische Geschäfte wehren, bei deren Umsetzung korrupte
Politiker*innen, Unternehmen und Mafia Hand in Hand arbeiten: Bauprojekte,
illegaler Bergbau, Ausbeutung in der Landwirtschaft.
Als sich etwa Limonenbauern im Bundesstaat Michoacán gegen
Schutzgeldzahlungen wehrten, fällten die Kriminellen ihre Bäume. Vergangene
Woche [5][schossen Unbekannte auf den Umweltschützer Erik Saracho]. Der
Aktivist kämpfte unter anderem gegen den Bau eines Luxushotels an einem
Strand von Nayarit. Er überlebte, doch vergangenes Jahr starben 14
Aktivist*innen eines gewaltsamen Todes, seit 2018 waren es etwa 140.
## Umfangreiches Franchise-System
Die illegalen Infrastrukturprojekte und die meist straflos bleibenden
Angriffe sind nur durch diese korrupten Verhältnisse möglich. Das
Jalisco-Kartell ist durch ein umfangreiches Franchisingsystem in diese
Strukturen eingebunden. Zahlreiche lokale Banden agieren unter seinem Label
oder werden von dem Kartell geschützt. Ja, dass die Regierung deren Chef El
Mencho militärisch verfolgt hat, ist notwendig. Dennoch wird das
weitverzweigte Unternehmen auch unter neuer Führung munter weiterkillen –
so lange, bis diese Struktur vor Ort zerschlagen ist.
Zu diesem Netzwerk zählen nicht zuletzt Politiker*innen von Sheinbaums
linker Partei Morena. Sich von ihnen zu trennen, ist eine der größten
Herausforderungen für die Staatschefin. Doch davon kann bislang nicht die
Rede sein, schließlich könnte das den Einfluss der Partei in vielen
Regionen verringern. Und so verdienen die lokalen Eliten, ob
Unternehmer*innen, Politiker*innen oder die Mafia, weiter an den
kriminellen Geschäften. Auch im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft.
17 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Fussball-WM/!t5010455
(DIR) [2] /Gewalt-in-Mexiko/!6154508
(DIR) [3] /Nach-Tod-von-mexikanischem-Drogenboss/!6156772
(DIR) [4] /13-WM-Spiele-in-Mexiko/!6158137
(DIR) [5] https://amerika21.de/2026/03/283731/mexiko-umweltaktivist-angeschossen
## AUTOREN
(DIR) Wolf-Dieter Vogel
## TAGS
(DIR) Kulturkolumnen
(DIR) Kolumne Latin Affairs
(DIR) Fußball und Politik
(DIR) Kartell
(DIR) Fußball-WM
(DIR) Fußball-WM
(DIR) Mexiko
(DIR) Fußball
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Mexiko
(DIR) Mexiko
(DIR) Podcast „Fernverbindung“
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Fußball-WM in Mexiko: Und die Fans singen neben verscharrten Leichen
Im Juni kommt die WM nach Guadalajara. Während die Vorbereitungen laufen,
wird rund ums Stadion nach verschleppten Kindern und Geschwistern gesucht.
(DIR) Fußball-WM 2026 in Mexiko: Olé? Oje!
Mexiko-Stadt bereitet sich auf die WM vor. Derweil kämpfen Anwohner im
Süden mit Wasserknappheit, steigenden Mieten und den Folgen des
Mega-Events.
(DIR) Gewalt in Mexiko: Präsidentin gegen Drogenboss
Nach der Tötung des Kartell-Anführers „El Mencho“ eskaliert die Gewalt der
Narcos. Gelingt Claudia Sheinbaum, woran vor ihr alle scheiterten?
(DIR) 13 WM-Spiele in Mexiko: Ein Fußballspiel wie eine Festung
Nach der Gewaltwelle weitet die mexikanische Regierung die
Sicherheitsmaßnahmen für die WM massiv aus. Ein Spiel gegen Island war ein
Test dafür.
(DIR) Gewalt in Mexiko: Wie gelingt der Kampf gegen die Drogenkartelle?
Ein toter Drogenboss und eine gewaltsame Racheaktion – wohin steuert Mexiko
nach der Tötung von „El Mencho“? Und wieso ist die Zerschlagung der
Kartelle so schwer?