# taz.de -- 98. Oscarverleihung: Eine müde, fast hoffnungslose Veranstaltung
       
       > Paul Thomas Andersons Satire „One Battle After Another“ gewinnt den Oscar
       > als bester Film. So hoffnungsvoll der Film ist, so sehr war die Zeremonie
       > von großer Müdigkeit geprägt.
       
 (IMG) Bild: Ein Oscar nach dem anderen: Regisseur Paul Thomas Anderson mit Trophäen
       
       „One Battle After Another“ ist – neben vielen anderen Dingen – nicht nur
       qua Titel ein Film darüber, dass man nicht aufhören darf zu kämpfen. Am
       Ende der Oscarverleihung in der Nacht zum Montag wurde Paul Thomas
       Andersons Satire über einen ehemaligen linken Aktivisten, der von seiner
       Vergangenheit eingeholt wird, sechsmal unter anderem dafür ausgezeichnet,
       dass jemand seine Wut und seine Dringlichkeit im richtigen Moment zu
       channeln vermag – auch wenn es im Fall der Filmhandlung nicht der müde,
       bekiffte Ex-Kämpfer Bob (Leonardo DiCaprio), sondern seine Tochter Willa
       (Chase Infiniti) ist.
       
       Mit gutem Willen könnte man das jedenfalls so sehen. Pessimist:innen
       (oder Realist:innen) dagegen sehen vielleicht eher Bobs Resignation – die
       sich bei der 98. Oscarverleihung in Los Angeles auf die gesamte Branche
       übertragen zu haben schien: Es war eine müde, fast hoffnungslos wirkende
       Veranstaltung, die angesichts der aktuellen politischen und
       gesellschaftlichen Situation, in der sich das Land und seine Branche
       befinden, lieber abwinkt und einen Martini trinken geht (Paul Thomas
       Andersons Idee nach seinem letzten Gewinn).
       
       Daran änderten auch ein paar Spitzen von Conan O'Brien wenig, der die
       Verleihung des wichtigsten US-amerikanischen Filmpreises zum zweiten Mal
       moderierte: Er spottete zwar kurz über eine „von Kid Rock moderierte“
       Gegenveranstaltung – der Trump-getreue Rockmusiker hatte im Februar eine
       solche „Alternative“ zur von der US-Regierung für ihre Diversität und
       Künstler:innenauswahl kritisierten Superbowl-Halftime-Show
       präsentiert.
       
       Den deutlichsten Affront-Ballon ließ O’Brien gegen den Umgang der
       US-Regierung mit den Epstein-Files platzen: Zwar seien keine britischen
       Hauptdarsteller:innen nominiert, erklärte er, aber ein britischer
       Sprecher habe gesagt: „Immerhin nehmen wir unsere Pädophilen fest.“
       
       ## Zwei leuchtende Hoffnungsschimmer
       
       Das Lachen schien dennoch in den Hälsen der Anwesenden festzustecken,
       ebenso wie in denen der Nation. Die Preisentscheidungen von der auf fast
       11.000 Mitglieder angewachsenen Academy – neben sechs Oscars für Anderson,
       unter anderem „Bester Film“ und „Beste Regie“ freuten Ryan Coogler und sein
       Team sich über vier Trophäen für ihren politischen Genrefilm [1][„Blood &
       Sinners“, darunter der „Beste Hauptdarsteller“ Michael B. Jordan und die
       ausgezeichnete Bildgestalterin Autumn Durald Arkapaw], die als erste Frau
       mit asiatischem Hintergrund somit gleich zwei leuchtende Hoffnungsschimmer
       setzen konnte – waren zwar größtenteils angemessen und nachvollziehbar.
       
       Doch sagen, mit welchen besorgniserregenden Entwicklungen sich die Branche
       spätestens seit Beginn von Trumps zweiter Präsidentschaft herumschlägt,
       wollte kaum jemand der Anwesenden mit US-amerikanischem Pass – über
       Maulkörbe wird bereits spekuliert: Der Chef der US-amerikanischen
       Kommunikationsbehörde FCC Brendan Carr hatte kürzlich getwittert, dass
       Sender, die „hoaxes“ und „news distortion“ beziehungsweise sogenannte „Fake
       News“ über den Äther schicken, einen Lizenzentzug zu befürchten haben.
       
       Und der das offene Wort nie scheuende Sean Penn, der für seinen verspannten
       „White Supremacist“-Klemmi in [2][„One Battle After Another“] mit dem Oscar
       für das beste Schauspiel ausgezeichnet wurde, nahm den Preis nicht
       persönlich entgegen: „Er konnte – oder wollte – nicht hier sein“, ließ sein
       Laudator Kieran Culkin etwas verschnupft wissen.
       
       Allein ein Laudator, der Ex-Oscar-Moderator und öffentliche Trump-Kritiker
       Jimmy Kimmel, sowie der Gewinner des Dokumentarfilm-Oscars für „Mr Nobody
       against Putin“- Regisseur David Borenstein wurden deutlicher: Wenn
       Oligarchen die Medien kontrollieren und Menschen auf offener Straße getötet
       werden, darf man nicht schweigen, sagte Borenstein. Und meinte damit klar
       nicht nur Russland.
       
       16 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Sinners-bei-Oscarverleihung-2026/!6157035
 (DIR) [2] /Film-One-Battle-After-Another/!6111602
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jenni Zylka
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Leonardo DiCaprio
 (DIR) GNS
 (DIR) Oscars
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Schauspiel
 (DIR) Film
 (DIR) GNS
 (DIR) Kulturkolumnen
 (DIR) Spielfilm
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Phänomen Timothée Chalamet: Die Frettchenfrage
       
       Manche lieben, manche verabscheuen ihn. Aber um die Frage, was man nun von
       Timothée Chalamet hält, kommt nicht mal mehr der Vater der Kolumnistin rum.
       
 (DIR) Oscarverleihung: Kollektive Vorsicht
       
       Von Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen war bei den Oscars fast
       nichts zu spüren. Die Filmbranche verspielt ihre wichtigste Aufgabe.
       
 (DIR) Film „Blood and Sinners“ bei den Oscars: Frau von Großformat
       
       Autumn Durald Arkapaw wurde bei den diesjährigen Oscars in der Kategorie
       „Beste Kamera” ausgezeichnet. Sie ist die erste Frau, die diesen Preis
       gewonnen hat.
       
 (DIR) Kulturkampf Kino USA: Besser bekifft als bloß Nihilist
       
       „Linke Eliten“ sind alle, die nicht bei drei in den Trump-Gospel
       einstimmen. Wie der neue Anderson Film „One Battle After Another“ für
       Diskussion sorgt.
       
 (DIR) Film „One Battle After Another“: Trump wird diesen Film hassen
       
       Paul Thomas Andersons Spielfilm „One Battle After Another“ ist virtuos
       inszeniert. Der auf 35-mm gedrehte Film kritisiert den autoritären Umbau
       der USA.