# taz.de -- Historiker über den Braunschweiger Löwen: „Sie waren davon ausgegangen, im Löwen Schätze zu finden“
       
       > Schatzsucher*innen, Nazis, Busfahrten – der Braunschweiger Löwe hat viel
       > erlebt. Alfred Walz erklärt, was das Denkmal einzigartig macht.
       
 (IMG) Bild: Draußen steht nur doch die Kopie, das Original steht muckelig warm im Museum
       
       taz: Herr Walz, was ist am Braunschweiger Burglöwen so besonders? 
       
       Alfred Walz: Besonders ist zunächst seine Einzigartigkeit. Der
       [1][Braunschweiger Burglöwe] ist ein Bronze-Bildwerk aus der zweiten Hälfte
       des zwölften Jahrhunderts. Es hat sich erhalten und ist seit 1985 im Museum
       ausgestellt. Auf dem ursprünglichen Sockel auf dem Burgplatz steht
       mittlerweile eine Kopie. Eine großformatige freistehende plastische
       Bronzearbeit und zudem eine Tierbronze aus dieser Zeit ist sehr selten.
       Einzigartig für die hochmittelalterliche Zeit ist der Burglöwe als
       stellvertretendes Sinnbild eines Herrschers – in diesem Falle Herzog
       Heinrichs des Löwen.
       
       taz: Der war ein Welfe, gehörte also einem der mächtigsten
       Adelsgeschlechter Europas an, Stichwort [2][„Welfenschatz“]. Es gab
       Gerüchte, im Inneren des Löwen könnte sich ein Schatz verbergen, oder? 
       
       Walz: Es gab mal eine Geschichte, der zufolge die höfische Gesellschaft
       Geld in den Rachen des Löwen geworfen haben soll. Durch eine auf der Brust
       des Löwen angebrachte Tür sei das Geld wieder herausgeholt worden. Im 19.
       Jahrhundert wurde dann aber festgestellt, dass hinter der angeblichen Tür
       keine Öffnung war.
       
       taz: Im Zweiten Weltkrieg soll trotzdem im Löwen nach einem Schatz gesucht
       worden sein. Was hat es damit auf sich? 
       
       Walz: Der Löwe wurde 1941 vom Sockel genommen, um ihn vor Beschädigungen
       durch Kriegseinflüsse zu schützen. Er kam zunächst ins Herzog Anton
       Ulrich-Museum in Braunschweig. Das werden Sie in der Literatur nirgends
       lesen, aber es gibt dazu eine sehr verlässliche Quelle und sogar Fotos.
       1943 war das Museum nicht mehr sicher genug und der Löwe wurde in den
       Rammelsberg, einen Bergwerkstollen südlich von Goslar, gebracht. Als der
       Krieg vorbei war, stellte man fest, dass Unbekannte hinten in den Löwen ein
       handgroßes Loch eingeschlagen hatten. Sie waren offensichtlich davon
       ausgegangen, im Löwen Schätze finden zu können.
       
       taz: In diesen Kriegsjahren stand eine Kopie auf dem Burgplatz. Das war
       aber nicht die einzige Kopie, auch NS-[3][Reichsluftfahrtminister Herrmann
       Göring] soll eine bekommen haben. 
       
       Walz: Das stimmt, Anfang 1937 übergab der braunschweigische
       Ministerpräsident Dietrich Klagges eine Bronzekopie des Löwen an Hermann
       Göring. Göring ließ die Kopie dann auf seinem Landgut, in Carinhall,
       aufstellen, wo sie nach dem Krieg noch erhalten war, bald danach wurde sie
       aber eingeschmolzen.
       
       taz: Die Kriege hat der Löwe also überstanden, mittlerweile steht das
       Original aber nicht mehr unter freiem Himmel. Wieso? 
       
       Walz: Die Haut des Löwen war im Laufe der Jahrhunderte zerfressen worden,
       nicht zuletzt aufgrund der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Die
       Umwelteinflüsse hatten dem Löwen so sehr zugesetzt, dass klar war, dass
       unter diesen Umständen seine Zerstörung riskiert würde. In der
       Restaurierungswerkstatt wurde zudem festgestellt, dass die Bronzehaut
       undicht ist. Folglich blieb keine andere Wahl als die, für den Burglöwen
       einen Standort in einem klimatisierten Raum zu finden.
       
       taz: Nachbildungen haben es hingegen in die große weite Welt geschafft,
       eine Kopie steht in Harvard. Was begeistert die Menschen so sehr an dieser
       Löwen-Abbildung? 
       
       Walz: Die Nachbildung in Harvard steht vor dem Germanischen Museum. Damals
       war ein Deutscher, Kuno Francke, Direktor des Museums. Und der hatte die
       Vision, so Francke, „dass das Löwenstandbild als weithin wirkender
       Vertreter deutscher Tüchtigkeit und Mannhaftigkeit auf dem Boden der Neuen
       Welt dastehen wird“. Die anderen Kopien wurden teils aus dynastischen
       Gründen angefertigt, andere haben mit der Geschichte der Welfen oder
       speziell mit Heinrich dem Löwen zu tun. In Lübeck und Schwerin stehen
       Abgüsse – Heinrich der Löwe war maßgeblich an der Gründung dieser beiden
       Städte beteiligt.
       
       taz: Aber auch abseits der Skulpturen ist der Braunschweiger Löwe zu
       finden. 
       
       Walz: Das stimmt. Für mich ist dies eine besonders schöne Vorstellung:
       Seine Seitenansicht ist hauptsächlich durch das Logo des
       Fahrzeugherstellers MAN bekannt. Das heißt, überall in der weiten Welt, wo
       MAN-Busse fahren, fährt auch der Burglöwe mit. Ist schon was Tolles, dieser
       Gedanke.
       
       18 Mar 2026
       
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