# taz.de -- Neue Untersuchungen im Magdeburger Dom: Otto der Große war wirklich groß
> Das mittelalterliche Grabmal Kaiser Ottos I. muss saniert werden. Offen
> war bislang, ob die sterblichen Überreste im Sarg tatsächlich dem Kaiser
> gehören.
(IMG) Bild: Archäogentische Analysen an den Gebeinen Ottos des Großen aus dem Magdeburger Dom belegten, dass es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um Otto handele
epd | Bei dem Toten aus dem Kaisergrab im Magdeburger Dom handelt es sich
mit großer Sicherheit um Otto den Großen (912-973). „Es passt auch
genetisch perfekt“, sagte der Direktor des Landesamtes für Denkmalpflege
und Archäologie (LDA) Sachsen-Anhalt, Harald Meller, am Mittwoch in
[1][Magdeburg] zur Vorstellung von Untersuchungsergebnissen: alles spreche
für Otto.
Aufgrund der notwendigen Sanierung des Steinsarkophags wurden im
vergangenen Jahr die sterblichen Überreste freigelegt. Meller bezeichnete
die Ergebnisse der anthropologischen und naturwissenschaftlichen
Untersuchungen als „bahnbrechend“ und lobte die interdisziplinäre
Forschungsarbeit.
Der Beauftragte der evangelischen Kirchen in Sachsen-Anhalt, Albrecht
Steinhäuser, betonte, dass „die menschliche Würde nicht mit dem Tod
erlischt“. Doch die wissenschaftlichen Untersuchungen an den Gebeinen seien
„in vertrauensvoller Zusammenarbeit“ und enger Abstimmung mit der Kirche
erfolgt. Der Magdeburger Dom wurde im Jahr 1567 evangelisch.
## Kaisergrab im Hohen Chor
Schon wenige Tage nach Öffnung des Sarges hatten die Forscher im Juni des
vergangenen Jahres mitgeteilt, dass die Gebeine im Sarg auf einen älteren
Mann etwa um die 60 Jahre schließen ließen. Zudem sei er mit etwa 1,80
Meter Größe für das [2][Mittelalter] überdurchschnittlich groß gewesen.
Otto I. war ab 962 römisch-deutscher Kaiser. Im Jahr 937 gründete er in
Magdeburg das Mauritiuskloster und ließ dieses zu einer prächtigen
Kathedrale ausbauen. Dort wurden Otto und seine erste Frau Editha
bestattet. Das Kaisergrab befindet sich im Hohen Chor des gotischen Doms.
## Der Kaiser aus dem Harz
Bereits zu Lebzeiten wurde Otto I. (912-973) „der Große“ und „Vater des
Vaterlandes“ genannt. Er einte das zuvor fragile ostfränkisch-deutsche
Königreich. Durch Vereinigung mit dem Königreich Italien erneuerte er das
Römische Kaiserreich, welches später als „Heiliges Römisches Reich
deutscher Nation“ bezeichnet wurde und bis 1806 Bestand hatte.
Heiratsbünde, Bistumsgründungen und siegreiche Kriege beförderten die
Ottonen während seiner Regentschaft zu einem der mächtigsten europäischen
Herrscherhäuser.
Als Sohn des Sachsenherzogs Heinrich I. wurde Otto I. am 23. November 912
in Wallhausen südlich des Harzes geboren. Wohl 929 heiratete er die
angelsächsische Prinzessin Editha (910-946), mit der er den
[3][Handelsplatz Magdeburg an der Elbe] zu einem befestigten Pfalzort
ausbaute. Nach dem Tod seines Vaters erhielt Otto 936 in Aachen die
Königswürde. Als Königin Editha 946 starb, wurde sie in der Mauritiuskirche
in Magdeburg beigesetzt.
In den Folgejahren musste sich der König gegen mehrere Aufstände aus den
Reihen seiner Familie und anderer Fürsten durchsetzen. Zum Schutz seiner
Herrschaft erhob er deshalb verstärkt Bischöfe und Äbte in den Stand von
Reichsfürsten und übertrug ihnen Teile der Verwaltung.
## Kaiserkrönung in Rom
Im Jahr 951 heiratete Otto die Witwe Adelheid von Burgund (931-999) und
erlangte die langobardische Königswürde. In den Folgejahren dehnte er seine
Herrschaft bis nach Süditalien aus. Zudem besiegte er 955 marodierende
ungarische Reitertruppen auf dem Lechfeld bei Augsburg und festigte seine
Macht im Reich. In mehreren Feldzügen besiegte Ottos Heer auch die
slawischen Stämme östlich von Havel und Elbe. Zur Landentwicklung gründete
er die Bistümer Brandenburg und Havelberg.
962 wurde Otto der Große im Petersdom in Rom von Papst Johannes XII. zum
Kaiser gekrönt. In der Folge förderte Otto den Ausbau der Magdeburger
Moritzkirche, indem er „kostbaren Marmor nebst Gold und Edelsteinen“ aus
Italien für den Dombau bringen ließ. Nach mehreren vergeblichen Anläufen
erhielt er 968 die päpstliche Zustimmung zur Gründung des Erzbistums
Magdeburg. Der Magdeburger Dom wurde seinerzeit als „ecclesia mirae
magnitudinis“, als Kirche von wunderbarer Größe, verehrt.
## Letzte Ruhe im Magdeburger Dom
Am 7. Mai 973 starb der Kaiser in Memleben an der Unstrut. Seine letzte
Ruhestätte fand er im Magdeburger Dom, wo sein Grab bis heute geehrt wird.
Auf dem Thron folgte ihm sein Sohn Otto II. nach, der im Jahr zuvor mit der
byzantinischen Prinzessin Theophanu vermählt worden war.
Archäologische Ausgrabungen zwischen 2001 und 2010 auf dem Magdeburger
Domhügel haben den Beleg dafür erbracht, dass der Kaiserdom des 10.
Jahrhunderts etwa 50 Meter nördlich des heutigen Domes gestanden hatte.
Hingegen sei wohl erst Anfang des 11. Jahrhunderts ein Neubau der
Kathedrale am Südrand des Domhügels entstanden. Vermutlich noch im 11.
Jahrhundert wurden die Gräber von Königin Editha und Kaiser Otto in den
südlichen Neubau überführt, wo sie bis heute zu finden sind. Beim
Stadtbrand 1207 wurde der Dom stark beschädigt und abgerissen. An seinem
Platz entstand der erste gotische Dom nördlich der Alpen, der heutige
Magdeburger Dom.
18 Mar 2026
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