# taz.de -- Krieg zwischen Hisbollah und Israel: „Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht“
       
       > Wieder kam es vermehrt zu Luftangriffen in Israel und Libanon. Das
       > libanesische Rote Kreuz warnt vor dem Beschuss von Rettungshelfern.
       
 (IMG) Bild: Raketenangriff: Flammen in einem südlichen Vorort von Beirut in der Nacht zu Donnerstag
       
       In Libanons Hauptstadt Beirut krachten israelische Kampfflugzeuge besonders
       laut über dem Himmel. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag trafen
       heftige Bombardierungen Südbeirut. Israel setzt auch Luftangriffe im
       Südlibanon und in der östlich gelegenen Bekaa-Ebene sowie den Einmarsch mit
       Soldaten im Südlibanon fort.
       
       Am Mittwochabend hatte die schiitische Miliz der Hisbollah Raketen auf Tel
       Aviv abgefeuert, in Koordination mit dem Iran. Die [1][UN-Mission Unifil]
       registrierten am Donnerstag über 120 Geschosse, die von libanesischem
       Gebiet aus auf Israel abgefeuert wurden, sowie 7 israelische Luftangriffe
       und über 120 Artilleriebeschüsse als Reaktion darauf.
       
       Israels Verteidigungsminister Israel Katz hatte am Donnerstag, das
       israelische Militär angewiesen, „seine Operationen im Libanon auszuweiten“.
       
       Durch israelische Angriffe wurden im Libanon 634 Menschen getötet und 1.586
       verletzt, zählt das Gesundheitsministerium. 816.700 Menschen sind in
       Notunterkünften untergekommen. Viel mehr sind vertrieben und müssen bei
       Bekannten oder auf der Straße schlafen.
       
       ## Drohnenangriff in Beirut
       
       In der Nacht auf Donnerstag überraschte ein Drohnenangriff an der
       Strandpromenade in Beirut Kriegsvertriebene, die dort in Zelten oder auf
       Schaumstoffmatratzen schlafen. Der Anschlag traf ein Auto und umstehende
       Menschen, acht Menschen wurden getötet, zählen libanesische Behörden.
       Israels Militär äußerte sich nicht zu dem Motiv des Angriffs.
       
       „Ungeachtet der Absicht des ersten Angriffs, eines ist sicher: Es war ein
       Double-Tap“, sagt Abir Saksouk von „Public Works“. Die Organisation
       dokumentiert die Anschläge und Einflüsse des Kriegs. „Sie haben abgewartet,
       bis sich Menschen versammelt hatten, und dann schlugen sie erneut zu.“
       
       Sogenannte Double-Taps sind eine völkerrechtswidrige Kriegsstrategie, in
       der nach einem Anschlag nochmal angegriffen wird, wenn Menschen zu Hilfe
       eilen. Israel hatte diese inhumane Methode [2][bereits in Gaza] angewendet
       und nun wieder vermehrt im Libanon.
       
       Seit dem 2. März wurden 14 Rettungssanitäter durch israelische Anschläge
       getötet, 24 verletzt, [3][zählt] das libanesische Gesundheitsministerium.
       „Orte werden beschossen, während die Sanitäter vor Ort Verwundete
       evakuieren“, [4][schreibt] das libanesische Rote Kreuz. Am Mittwoch meldete
       die Hilfsorganisation, dass der Rettungssanitäter Youssef Assaf an seinen
       Verletzungen starb. Ein israelischer Angriff traf ihm am 9. März in dem
       Dorf Majdal Zoun im Südlibanon, als er nach einem Anschlag dort erste Hilfe
       leistete.
       
       ## Ersthelfer und Fotografen verletzt
       
       Einen ähnlichen Angriff gab es am Dienstag auf Ersthelfer in Hanawiya, drei
       Menschen wurden getötet, darunter ein Rettungssanitäter. Vergangenen
       Donnerstag wurden zwei Ersthelfer des Roten Kreuzes verletzt. Sie hatten
       Verwundete nach einem Anschlag in Arnoun al-Schaqif behandelt, als sie ein
       zweiter Anschlag traf, [5][meldet] das Rote Kreuz.
       
       „Die Rettungswagen und ihre Besatzungen waren durch die gut sichtbaren
       Rot-Kreuz-Embleme an beiden Seiten und die Beleuchtung der Fahrzeuge
       deutlich erkennbar“, so die Organisation. Sie koordiniere alle Einsätze mit
       der UN-Mission Unifil, die wiederum mit dem israelischen Militär in Kontakt
       steht. „Die Behandlung des Rettungsteams stellt eine Fortsetzung der klaren
       und eklatanten Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht dar“, schreibt das
       Rote Kreuz. „Das humanitäre Völkerrecht verbietet Angriffe auf
       Zivilist*innen sowie zivile und medizinische Einrichtungen.“
       
       Der Fotojournalist Haitham al-Mousawi wurde am Dienstag am Bein verletzt.
       Er hatte nach einem Anschlag die Auswirkungen fotografiert, als ihn ein
       zweiter Anschlag traf, [6][meldet] die französische Stelle von Reporter
       ohne Grenzen. Der Fotograf arbeitet für die Zeitung Al-Akhbar, die
       ideologisch der Hisbollah nahesteht. Ungehindert ihrer politischen
       Ansichten gelten Journalist*innen als Zivilist*innen.
       
       12 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://x.com/UNIFIL_/status/2032053039415103819
 (DIR) [2] https://www.972mag.com/double-tap-israel-gaza-airstrikes-rescue/
 (DIR) [3] https://reliefweb.int/report/lebanon/lebanon-flash-update-5-escalation-hostilities-lebanon-9-march-2026
 (DIR) [4] https://www.instagram.com/p/DVt0RJdiJoD/?igsh=MTVwOHBvdTYwdmY2OA==
 (DIR) [5] https://www.ifrc.org/press-release/ifrc-condemns-killing-lebanese-red-cross-paramedic-lebanon
 (DIR) [6] https://fr.linkedin.com/company/reporters-without-borders
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Julia Neumann
       
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