# taz.de -- Angeblicher Genozid am sowjetischen Volk: Kreml schafft Gulag-Museum ab
       
       > Nur wenige Orte in Russland erinnern an die Opfer der Stalin-Herrschaft.
       > Ein Museum soll künftig an den „Völkermord am sowjetischen Volk“
       > erinnern.
       
 (IMG) Bild: Die Eröffnung des Gulag History Museum in Moskau am 30. Oktober 2015
       
       Die taz präsentiert unter [1][taz.de/unserfenster] jeden Mittwoch eine
       wöchentliche Auswahl aktueller Berichte aus russischen kritischen Medien.
       Mit diesem Projekt stärkt die taz Panter Stiftung unabhängigen Journalismus
       und ermöglicht es kritischen Redaktionen, ihre Arbeit auch unter
       schwierigen Bedingungen fortzuführen. Meduza öffnet [2][mit dem folgenden
       Beitrag] ein Fenster nach Russland.
       
       Das Gulag-Museum in Moskau galt lange Zeit als eine der wenigen
       institutionellen Zufluchtsstätten, die an die Opfer Stalins erinnern.
       Künftig soll es abgeschafft und in ein „Museum der Erinnerung“ umgewandelt
       werden. Im Mittelpunkt soll dann nicht mehr die Erinnerung an die
       Verbrechen des Stalinismus stehen, sondern der vom Kreml sogenannte
       „Völkermord am sowjetischen Volk“ durch Nazi-Deutschland.
       
       Die Umgestaltung ist kein Zufall, sondern Teil eines größeren Projekts.
       Statt die historische Erinnerung zu verdrängen, will der Kremls sie
       vollständig durch eine konkurrierende Erzählung ersetzen, analysiert
       „Meduza“. Eine Erzählung, die politisch anschlussfähig ist und den
       mittlerweile seit mehr als vier Jahren andauernden [3][Krieg gegen die
       Ukraine] ideologisch stützt.
       
       Das „Museum der Erinnerung“ soll in jenes Gebäude ziehen, in dem sich bis
       zur Schließung im November 2024 das Gulag-Geschichtsmuseum befand.
       Offiziell wurde es wegen „Verstößen gegen Brandschutzvorschriften“
       geschlossen. Erste Repressionen begannen, nachdem der Direktor, Roman
       Romanov, sich geweigert hatte, eine Ausstellung über sowjetische
       Repressionen zu zensieren, [4][berichtet „Meduza“].
       
       Die Sammlungen der alten Einrichtung sollen eingelagert werden. Die neue
       „Genozid-Ausstellung“ soll sich Berichten zufolge auf Archive aus dem
       Projekt „No Statute of Limitations“ stützen, das bereits in russischen
       Klassenzimmern angekommen ist. Dort haben Schulen inszenierte Gedenkfeiern
       organisiert, bei denen Schüler:innen auch für die Opfer der Nazis
       niederknien mussten.
       
       ## Putin schafft sich seine eigene Geschichtsschreibung
       
       Das Konzept des „Völkermords am sowjetischen Volk“ entbehrt in der
       offiziellen Geschichtsschreibung über die Sowjetzeit und im etablierten
       Völkerrecht jeglicher Grundlage. Im Juli 2020 führte Wladimir Putin ihn
       willkürlich in den öffentlichen Diskurs ein. Die Verbrechen der Nazis gegen
       sowjetische Bürger:innen hätten, so sagte er in einer Rede, „keine
       Verjährungsfrist“. Sie sollten sowohl im Inland als auch weltweit als
       Genozid anerkannt werden.
       
       Die russischen Gerichte handelten prompt: Noch im Oktober 2020 erkannte ein
       Gericht die Massenmorde während des Zweiten Weltkriegs erstmals als
       Völkermord an. Zwei Jahre später erhielt auch die Belagerung von Leningrad
       diese Einstufung. Im April 2025 folgte schließlich das Gesetz zur
       „Bewahrung der Erinnerung an die Opfer des Völkermords am sowjetischen
       Volk“. Seitdem haben Abgeordnete der Staatsduma strafrechtliche Sanktionen
       für die „Leugnung des Völkermords“ vorgeschlagen.
       
       Natalja Kalaschnikowa wird die Leitung des neuen Museums übernehmen. In
       Russland gilt sie als Kriegsveteranin; sie trägt mehrere Medaillen, weil
       sie an der „militärischen Spezialoperation“ in der Ukraine teilnimmt. Fast
       monatlich reist sie an die Front in dem überfallenen Land. Was sie dort
       genau macht, ist unbekannt.
       
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       25 Feb 2026
       
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 (DIR) [3] /Schwerpunkt-Krieg-in-der-Ukraine/!t5008150
 (DIR) [4] https://meduza.io/en/feature/2025/01/15/the-end-of-a-life-cycle
 (DIR) [5] https://secure.spendenbank.de/form/1705?langid=1--
       
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