# taz.de -- Antikriegsdemo in Hamburg: Friedensbewegung geht wieder gemeinsam auf die Straße
       
       > Für ein Ende des Krieges der USA gegen den Iran gehen am Freitag mehrere
       > linke Gruppen auf die Straße. Und zwar gemeinsam, das war zuletzt anders.
       
 (IMG) Bild: Kundgebung „Nein zur Islamischen Republik Iran!“ am 28. Feruar in Hamburg: Jetzt ruft die Friedenbewegung zur gemeinsamen Demo auf
       
       Wie steht man zum Krieg der [1][USA gegen Iran]? Nach den ersten Angriffen
       gingen am 28. Februar Tausende Menschen aus der iranischen Community auf
       Hamburgs Mönckebergstraße und jubelten, weil es gegen das Mullahregime
       ging. Doch inzwischen gibt es auch die Gegenstimmen. „Hands off Iran! Krieg
       gegen Iran sofort stoppen“ lautet das Motto, unter dem das [2][„Hamburger
       Forum“] für Freitag zu einer Demo in der Hamburger Innenstadt aufruft.
       
       „Viele sagen uns, es ist gut, dass ihr zu so einer Demo aufruft“, sagt
       Forumsprecher Holger Griebner. „Es kann nicht sein, dass das sonst nur
       Anhänger der Schah-Treuen tun, die so tun, als ob die Angriffe die
       Befreiung von einem Joch wären.“ Bei der Demo dabei sei zum Beispiel auch
       das „Offene Treffen für Antimilitarismus und Frieden“, bei dem viele junge
       Menschen [3][Schulstreiks gegen die Wehrpflicht] organisierten. Für
       Griebner ist klar, dass die USA mit dem Angriffskrieg das Völkerrecht
       verletzen. „Die Regierung in Teheran hat kein anderes Land überfallen. Man
       kann nicht das Völkerrecht mit Füßen treten, indem man für einen
       Regime-Change mit Bomben wirft.“
       
       Auf der Abschlusskundgebung soll ein [4][offener Brief der Gruppe
       Sciene4peace] verlesen werden, die von der Bundesregierung fordert, sich
       [5][dem Kurs Spaniens anzuschließen]. „Die spanische Regierung verbietet
       den USA Starts von ihren Flughäfen in Richtung Iran. Das sollte die
       deutsche Regierung auch tun“, sagt Griebner.
       
       ## Zersplitterte Hamburger Szene vereint
       
       Die Hamburger Friedensszene war zuletzt etwas zersplittert. Wegen
       verschiedener [6][Akzentuierungen der Positionen] etwa zum russichen
       Angriffskrieg auf die Ukraine gab es zum Beispiel im vergangenen Juni
       anlässlich des erstmals auf dem [7][Rathausmarkt gefeierten
       „Veteranentages“] neben der Kundgebung des Hamburger Forums eine zweite, zu
       der die Linke und ein weiteres Antikriegsbündnis aufgerufen hatten.
       
       Doch dieses Mal wird gemeinsam demonstriert. „Wir rufen zur Beiteiligung an
       der Kundgebung am Freitag um 16 Uhr am Hachmannplatz auf“, sagt David
       Stoop, der friedenspolitische Sprecher der Hamburger Linksfraktion. Einen
       Aufruf, der das Mullahregime als Bastion des Antiamerikanismus feiere,
       hätte man nicht unterstützt. „Aber das ist hier nicht der Fall“, sagt
       Stoop.
       
       Die Linke kritisiere den Krieg in Iran mit einer „doppelten
       Schlagrichtung“. Zwar handle es sich bei der Regierung in Iran um eine
       Terrorregierung, ein autoritäres Regime. „Wir unterstützen eine
       Demokratisierung im Iran. Das gelingt aber nicht mit Luftangriffen der USA:
       die sind völkerrechtswidrig.“ Leid der Zivilbevölkerung – und das werde
       verursacht, wenn es beispielsweise eine Grundschule trifft – sei „kein
       Beitrag zu Demokratie und Menschenrechten“, so Stoop.
       
       Auch habe US-Verteidigungsminister Pete Hegseth für die USA deutlich
       gesagt, es gehe hier nicht um den Aufbau eines demokratischen Staates,
       sondern nur um amerikanische Interessen. Vor diesem Hintergrund kritisiert
       Stoop auch Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), der sich „nach
       der Ministerpräsidentenkonferenz hinstellt und den Iran kritisiert und mit
       keinem Wort auf die Völkerrechtswidrigkeit des Angriffs eingeht“.
       
       Auch andere Hamburger Politiker hatten sich zu Iran geäußert. Der
       SPD-Abgeordnete und Sohn iranischer Einwanderer [8][Danial Ilkhanipour
       hatte Mitte Februar im taz-Interview] erklärt, er sehe in dem Schah-Sohn
       Reza Pahlavi die einzige Option für einen politischen Übergang weg vom
       Mullahregime und dass es ohne militärische Hilfe der USA kaum gehen werde.
       Und die in Teheran geborene Grünen-Politikerin [9][Maryam Blumenthal]
       erklärte jüngst in einem [10][WDR-Gespräch], dass die iranische Bevölkerung
       einen massiv bewaffneten Staat gegenüberstehe und deshalb ein Regimewechsel
       ohne externe Hilfe kaum denkbar sei.
       
       [11][Keyvan Taheri], ebenfalls in Iran geborener Hamburger, sieht das
       anders. Seine Tante und Cousinen leben in Teheran. „Meine Tante sitzt zu
       Hause und hat keinen Schutzraum. Seit dem Krieg wird dort jeden Tag
       bombardiert“, berichtet der frühere Linken-Politiker. „Ich verstehe nicht,
       wie man hier in Hamburg ein politisches Amt bekleiden kann und sagt, da
       muss jetzt von außen militärisch eingegriffen werden.“ Taheri störten zudem
       die tanzenden Anhänger der Pahlavi-Bewegung. „Wenn ein Land angegriffen
       wird und Menschen sterben, sollte wenigstens ein Minimum an Pietät gelten“,
       sagt er.
       
       Iran sei auch gesellschaftlich nicht mit Afghanistan oder Irak zu
       vergleichen. „Die Regierung hat eine tiefe Struktur, der ein bis zwei
       Millionen Menschen angehören. Die lässt sich nicht mit einem
       Enthauptungschlag beseitigen.“ Auch gehörten die Sanktionen gegen Iran auf
       den Prüfstand, da sie nur die soziale Not der Zivilbevölkerung
       verschärften.
       
       Taheri war bis 2022 Vorsitzender der Hamburger Linken und trat inzwischen
       in die SPD ein. Auf Facebook schrieb er nun: „Wer eine starke Stimme für
       den Frieden will, kommt am Freitag zur Demonstration.“
       
       Eine weitere Demonstartion soll es am Samstag geben. Die Gesellschaft von
       Deutsch-Iranern (GDI) ruft laut [12][Hamburger Abendblatt] zur
       Großdemonstration für den freien Iran auf. „Wir setzen uns für einen
       Regimewechsel durch den organisierten Widerstand ein“, sagt Javad Dabiran,
       der die Demo koordiniert. Auch er fügt hinzu: „Der Einsatz von Militär
       durch die USA und Israel ist keine Lösung.“
       
       12 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /-Nachrichten-zum-Irankrieg-/!6161651
 (DIR) [2] https://daten2.verwaltungsportal.de/dateien/seitengenerator/ff0c0fe2f571aec46e7681fcd1046fde186743/20260313_Flugbatt_Iran.pdf
 (DIR) [3] /Schulstreiks-gegen-Wehrpflicht/!6159240
 (DIR) [4] https://cryptpad.fr/form/#/2/form/view/sdoqKLW3Go1PY75-7oAn+PbxJavPhCEwfmdndveP4ec/
 (DIR) [5] /Deutschland-und-der-Iran-Krieg/!6160366
 (DIR) [6] /Kundgebungen-am-Antikriegstag/!5952878
 (DIR) [7] /Streitgespraech-ueber-Veteranentag/!6093746
 (DIR) [8] /SPD-Politiker-zum-Schah-Sohn/!6153620
 (DIR) [9] /Hochschulpolitik-in-Hamburg/!6137395
 (DIR) [10] https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/exiliraner-zukunft-iran-100.html
 (DIR) [11] https://de.wikipedia.org/wiki/Keyvan_Taheri
 (DIR) [12] https://www.abendblatt.de/hamburg/politik/article411414656/grosse-demo-gegen-den-krieg-im-iran-am-wochenende-5000-teilnehmer-erwartet.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kaija Kutter
       
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