# taz.de -- Boston Marathon im Jahr 1967: Als Nummer 261 die Männerwelt aufmischt
> Langstreckenläufe seien nichts für Frauen, hieß es in den 1960ern. Dann
> schmuggelte sich Kathrine Switzers in ein Rennen und bewies das
> Gegenteil.
(IMG) Bild: Veranstalter Jock Semple versucht 1967 Kathrine Switzer von der Marathonstrecke in Boston zu reißen
Eine Gruppe Männer steht an der Startlinie des Boston-Marathons. Es ist
kalt und regnerisch an diesem Apriltag 1967, viele der Läufer tragen ihre
dicken Pullover und Wollmützen auch noch, als der Startschuss ertönt. Dann
wird es plötzlich laut auf der Rennstrecke. „Get the hell out of my race“,
ruft Jock Semple, einer der Veranstalter des Rennens. Er versucht die
Startnummer 261 gewaltsam von der Bahn zu zerren. Zwei Mitläufer gehen
dazwischen. Nummer 261 beendet nach 4 Stunden und 20 Minuten das Rennen –
[1][als erste bei einem Marathon angemeldete Frau].
Nachdem sie ins Ziel kommt, wird Kathrine Virginia Switzer disqualifiziert.
Sie hatte sich zusammen mit ihrem Trainer und ihrem damaligen Freund
angemeldet. Von dem Tag beim Boston-Marathon schreibt sie in ihrer
Autobiografie. In dem Formular trug sie den Namen K. V. Switzer ein. Die
Veranstalter gingen davon aus, das seien die Initialen eines Mannes,
schließlich waren Frauen gegen Ende der 1960er Jahre nicht für
Langstreckenläufe zugelassen. Es hieß, sie seien physisch nicht dazu in der
Lage, längere Strecken zu laufen, ohne dass ihre Fruchtbarkeit Schaden
nehme.
Aber Kathrine Switzers Marathon hat Veränderungen in der Laufwelt
angestoßen. Die Aufmerksamkeit, die Switzer nach dem Rennen bekam, lag vor
allem an dem Pressebus, der sie auf der Strecke begleitete. Er hatte die
Frau bemerkt und hielt den Angriff durch den Veranstalter Jock Semple fest.
Noch am selben Abend stand die Geschichte in der Zeitung. Die Veranstalter
konnten Frauen die Teilnahme nicht länger verweigern, und ab 1972, also
fünf Jahre nach Switzers Lauf, wurden Frauen offiziell für den
Boston-Marathon zugelassen.
## Run like a girl
Dass Frauen körperlich in der Lage dazu sind, die Marathonstrecke
zurückzulegen, bewies die amerikanische Läuferin Roberta Gibb bereits im
Jahr 1966. Doch Gibb war ohne Anmeldung und damit auch ohne Startnummer
angetreten. Sie versteckte sich vor dem Rennen in einem Gebüsch in der Nähe
des Startpunkts, und als die Hälfte des Feldes unterwegs war, mischte sie
sich unter die Läufer.
In den darauffolgenden Jahren gab es immer mehr Langstreckenläufe, die auch
Frauen antreten ließen. Durch Druck des Internationalen
Leichtathletikverbands sowie einer Petition von Sportlerinnen wurden Frauen
im Jahr 1984 schließlich auch bei [2][Olympia] für den Marathon zugelassen.
Zuvor durften sie bei Olympia nur Strecken bis zu 800 Meter laufen.
Kathrine V. Switzer setzte sich nach dem Boston-Marathon weiter in der
Frauenlaufbewegung ein, organisierte selbst Frauenläufe und arbeitete als
Fernsehkommentatorin bei Frauensportevents. 1984 etwa co-kommentierte sie
für das US-Fernsehen den ersten olympischen Frauenmarathon bei den Spielen
in Los Angeles. [3][2017 lief sie im Alter von 70 Jahren erneut den
Boston-Marathon] mit der Startnummer 261, mit der sie bereits 50 Jahre
zuvor angetreten war.
22 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Amélie Richter
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