# taz.de -- Das erste Passivhaus: Als die Sonne nach Hause kam
> Schon früh erkannte Mária Telkes das Potenzial der Sonne für die Zukunft.
> 1948 baut sie gegen Widerstände das erste Haus Passivhaus.
(IMG) Bild: Eleanor Raymond (r.) und Mária Telkes (l.) haben zusammen das erste Passivhaus gebaut
Das Haus, in das im Winter 1948 erstmals eine junge Familie zieht, trägt
die Zukunft in sich. In Dover, einer Kleinstadt unweit von Boston, sticht
es zwischen den kompakt gebauten Häusern mit ihren kleinteiligen
Sprossenfenstern hervor. Sein steiles Pultdach erhebt sich hoch über das
Erdgeschoss, an der Südseite des Hauses erstreckt sich eine lange
Fensterfront.
Mária Telkes hat es gebaut, um die Energie der Sonne einzufangen. Stolz
präsentiert die Biophysikerin in alten Aufnahmen ihr passives Wärmekonzept
hinter dem „Dover Sun House“, wo nun ihr Cousin mit seiner Familie zu
Demonstrationszwecken wohnt.
Damit es im Haus in der schneebedeckten Landschaft warm wird, brauche es
nicht mehr als die natürliche Sonneneinstrahlung, erklärt [1][das Magazin]
Popular Science in seiner März-Ausgabe 1949. Tagsüber fallen die Strahlen
durch die 18 stockwerkhohen Dachfenster auf ein schwarzes Blech, woraufhin
Ventilatoren die erwärmte Luft an die in den Wänden versteckten
Wärmespeicher verteilen. Diese enthalten Glaubersalz (Natriumsulfat), das
bei Wärme schmilzt und sie so speichert. Kristallisiert es nachts, gibt es
sie wieder ab.
Allerdings war das System nicht sonderlich langlebig und verschliss mit der
Zeit. Und durch die steigenden Strompreise rechnete sich der Betrieb bald
nicht mehr, sodass es nach wenigen Jahren durch eine Ölheizung ersetzt
wurde. Dennoch war Telkes einem wichtigen Gedanken auf der Spur.
## Auf eigene Faust der Sonne hinterher
1900 in Ungarn geboren, erkannte sie schon früh das Potenzial der
Sonnenenergie, besonders für Menschen ohne herkömmliche Energieversorgung.
Nach ihrer Promotion in physikalischer Chemie in Budapest kam Telkes 1939
als einzige Frau zum neuen Solarenergieprojekt des Massachusetts Institute
of Technology. Während des Zweiten Weltkriegs entwickelte sie dort für das
US-Militär einen aufblasbaren Solardestillator, der mithilfe von
Sonnenlicht Meerwasser entsalzen konnte.
Aber Mária Telkes hatte auch immer wieder Differenzen mit ihren Kollegen,
sie wollten die Pläne für ihr Dover Sun House nicht unterstützen. Also
suchte sie sich auf eigene Faust Sponsorinnen und tat sich mit der
Architektin Eleanor Raymond und der Grundstückserbin und Bildhauerin Amelia
Peabody zusammen.
Ein neuartiges [2][Passivhaus], noch dazu von einem reinen Frauentrio
entwickelt, sorgte Ende 1948 für einen gewissen Medienrummel. Immer wieder
pilgerten Grüppchen zum futuristischen Haus. Doch im Werben um ihre
wissenschaftliche Leistung hinter dem Dover Sun House wusste die schon bald
als „Sonnenkönigin“ titulierte Mária Telkes diese Aufmerksamkeit für ihre
Botschaft zu nutzen. „Sonnenlicht wird früher oder später [3][ohnehin als
Energiequelle genutzt werden]“, schrieb Telkes 1951 in einem
wissenschaftlichen Artikel und fügte hinzu: „Warum also warten?“
17 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://archive.org/details/1945-to-1949-popular-science/1949-03%20Popular%20Science/page/106/mode/2up
(DIR) [2] /Kostenwunder-Passivhaus/!5101346
(DIR) [3] /Debatte-Energiewende/!5064999
## AUTOREN
(DIR) Leonard Kirschhöfer
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