# taz.de -- Okraschoten: Köstlicher Schleim aus der Schote
       
       > Okraschoten sehen aus wie Bohnen, sind aber keine Bohnen. Und der
       > Schleim, den sie beim Kochen absondern, ist wohltuend.
       
 (IMG) Bild: Okraschoten gehören zu den ältesten Lebensmitteln und werden derzeit neu entdeckt
       
       Wenn es ein Gemüse gibt, das mir Demut beigebracht hat, dann sind es
       Okraschoten. Als ich sie vor vielen Jahren an einem Gemüsestand entdeckte,
       musste ich sie sofort probieren. Weil sie ähnlich aussehen wie grüne
       Bohnen, dachte ich, ich könnte sie genauso zubereiten. Heraus kam ein
       weiches, sehr schleimiges Etwas, das mich ratlos zurückgelassen und
       animiert hat, vieles [1][über Okraschoten] zu lernen. Diese Erkenntnisse
       möchte ich heute teilen.
       
       Okraschoten werden der Familie der Malvengewächse zugeordnet und haben
       überhaupt nichts mit Bohnen zu tun. Ursprünglich stammen sie wohl aus West-
       oder Ostafrika, was nicht mehr genau zurückverfolgt werden kann, da sie zu
       den ältesten Gemüsearten der Welt zählen und schon seit Jahrtausenden
       kultiviert werden.
       
       Heute sind sie aus vielen Landesküchen nicht mehr wegzudenken, etwa im
       US-Bundesstaat Louisiana, wohin sie durch den Sklavenhandel gelangten und
       wo sie als Hauptzutat ins Nationalgericht Gumbo gehören.
       
       Das Tolle an Okraschoten ist nicht nur der leicht nussige Geschmack, der
       mit zahlreichen anderen Gemüsesorten, Kräutern und Zitrusfrüchten wunderbar
       harmoniert, sondern auch das, was in dieser etwas unscheinbaren Schote
       steckt. Wenn ich bei meinem ersten Kochversuch gewusst hätte, dass gerade
       der Glibber super gesund ist und alle Schleimhäute des menschlichen Körpers
       schützt, hätte ich mich über das Ergebnis mehr gefreut.
       
       ## Das Bindemittel ist schon mit drin
       
       Gibt man Okraschoten in Suppen und Eintöpfe, bekommt man nicht nur die
       größtmöglichen gesundheitlichen Vorteile, sondern durch den Schleim
       außerdem ein gratis Bindemittel. Je kleiner man sie schneidet, desto
       schleimiger werden sie. Kocht man sie in Tomatensoße, Zitronen- oder
       Essigwasser, verhindert die Säure einen Großteil der Schleimbildung.
       
       Man kann Okraschoten aber auch kross und trocken essen. Dafür halbiere ich
       sie längs und mariniere sie in wenig Öl, Salz, Cayennepfeffer und etwas
       Sumach. Dann lege ich sie nebeneinander auf ein Blech und backe sie bei 190
       Grad Umluft für 20 bis 30 Minuten. Das Ergebnis sind leckere Chips, die gut
       zu Dips passen und sich kein bisschen einschleimen. Klappt auch mit diesem
       Rezept aus Indien: Okraschoten in Ringe schneiden, mit Kurkuma, Chili und
       Salz mischen und heiß frittieren.
       
       Alternativ schmore ich gern Zwiebel und Knoblauch in Öl an, gebe etwas
       Paprikapulver, Salz und Pfeffer hinzu, schmeiße klein gewürfelte
       Auberginen, Paprika und Okraschoten in den Topf und köchle alles 10 bis 15
       Minuten mit etwas Gemüse- oder Hühnerbrühe ein. Am Ende gebe ich reichlich
       [2][Koriander] und Petersilie dazu und lasse es mir schmecken. Sie
       hoffentlich auch. Guten Appetit!
       
       25 Mar 2026
       
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