# taz.de -- Kochen mit Vulkanspargel: Ganz schön bitter
> Mehr als nur Salat: Die Bitterstoffe der Puntarella sind nicht nur gut
> für die Leber, sondern auch für die Liebe.
(IMG) Bild: Die Sehnsucht nach der eigensinnigen und wildschönen winterlichen Delikatesse Puntarella wird hierzulande jährlich größer. Zu Recht!
Noch bis März hat sie Saison: die Puntarella. Wer das Glück hat, in der
Nähe eines guten Gemüsestands zu wohnen, wird sie nun finden – und essen
wollen. Denn die Sehnsucht nach der eigensinnigen und wildschönen
winterlichen Delikatesse, die schon die Italiener [1][im antiken Rom] zu
schätzen wussten, wird hierzulande jährlich größer. Zu Recht!
Der Name der Puntarella leitet sich von „punta“ ab, also „Spitze“. Damit
wäre auch schon geklärt, wie der Salat aussieht, mit seinen feinen spitzen
Trieben, die aus der Wurzel der [2][Chicoréepflanze] wachsen. Mal sind sie
recht lang, mal knubbelig dick, weshalb man sie auch Vulkanspargel oder
wilden Chicorée nennt.
Das Gemüse ist besonders in Latium, Kampanien und Apulien beheimatet und
galt früher als typisches winterliches Armeleuteessen. Ich habe mal gehört,
dass man überzeugt war, Puntarelle würden Paare noch enger aneinander
binden – jedenfalls, wenn man die Blätter mit einem bestimmten
Knoblauchdressing zubereitet und gemeinsam isst. Vielleicht war’s aber auch
der Knoblauchgeruch, der potenzielle Seitensprünge verhindert hat?
Puntarelle stabilisieren jedenfalls nicht nur die Liebesbeziehung, sie sind
auch außerordentlich köstlich und gesund. Bitterer als Chicorée, aber nicht
ganz so bitter wie [3][Löwenzahn]. Dabei sind die zarten inneren Sprossen
milder als die äußeren. Wer es nicht so hat mit Bitterkeit, kann die
Puntarella für zwei Stunden in Eiswasser legen, die Triebe kurz blanchieren
und im kalten Wasser abschrecken oder reichlich Fett und etwas Honig
hinzufügen.
## Zu Fisch, Schnecken oder Pasta
Ich persönlich mag’s bitter (Bitterstoffe schützen die Leber!), deswegen
esse ich Puntarelle gern roh und pur als Salat. Dazu passt zum Beispiel
eine Zitrusvinaigrette aus Zitronen und Orangen, Anchovis und ein paar
Oliven. Oder ich schmore die grob geschnittenen länglichen Puntarelle in
etwas Olivenöl in der Pfanne an, füge Knoblauch und etwas Chili sowie Salz
und Pfeffer hinzu, hebe alles unter eine Pasta und streue großzügig
Pinienkerne und gehobelten Parmesan darüber. Wer ohne tierische Proteine
nicht kann, dem empfehle ich eine kräftige Salsiccia aus der Haut genommen,
in kleinen Fuzzelchen angebraten und darübergestreut.
Zur Puntarella passt aber auch hervorragend Fisch, der klein geschnitten
über das Gemüse kommt. Oder Schnecken, Wachteln und Strauß, falls es jemand
gern exotischer mag. Für Vegetarier kombiniere ich die Puntarelle mit
Ricotta und Pasta. Lässt man die Nudeln weg, entsteht eine wunderbare
kleine Vorspeise, die leicht und gesund ist und dennoch von innen wärmt.
Guten Appetit!
12 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Sarah Wiener
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