# taz.de -- Energiewende in Schleswig-Holstein: Windkraft-Boom trotz Gegenwind aus Berlin
       
       > Schleswig-Holstein will schon 2040 klimaneutral sein. Auf der Fachmesse
       > „Powernet“ debattieren 600 Experten darüber, welche Hürden es dabei noch
       > gibt.
       
 (IMG) Bild: Längst produziert das Land mehr Windenergie, als es verbraucht: Solarpaneele auf einem Dach vor Windrädern
       
       In 14 Jahren, bereits 2040, [1][will Schleswig-Holstein klimaneutral sein].
       Welche Hindernisse auf dem Weg dorthin zu bewältigen sind und was bereits
       gut läuft, berieten rund 600 Fachleute bei der [2][Fachmesse „Powernet“ in
       Neumünster].
       
       Für die Landesregierung ist die Energiewende „das
       Schleswig-Holstein-Projekt“, beteuerten Umweltminister Tobias Goldschmidt
       (Grüne) und Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) gleichermaßen.
       Kritik geht in Richtung der Bundesregierung.
       
       Tillmann Frank braucht Energie, viel Energie: Seine Firma in Schwentinental
       bei Kiel produziert biologische Pflanzenzschutzmittel, darunter
       Fadenwürmer, die gegen Schädlinge eingesetzt werden. Die Alternativen zu
       chemischen Pestiziden verkaufen sich weltweit, besonders Agrarbetriebe in
       Süd- und Nordamerika zählten zu den Abnehmern, berichtet der
       Geschäftsführer.
       
       Seine grünen Produkte will Frank gern mit grünem Strom herstellen. Aber das
       sei gar nicht so einfach, sagt er: Es würde teurer, vor allem aber reichten
       die Stromleitungen nicht aus. Und Solarpaneele dürfe er zwar auf Dächer
       bauen, nicht aber an die Fassaden – die Bauordnung der Gemeinde steht
       dagegen.
       
       ## Ausbau von Wind- und Solarkraft kommt voran
       
       Umwelt- und Energiewendeminister Tobias Goldschmidt kennt das Problem,
       lösen kann er es nicht: „Bei diesen Fragen haben die Kommunen die
       Planungshoheit.“ Und das solle auch so bleiben, betont sein
       Kabinettskollege Claus Ruhe Madsen: „Wir wollen nicht alles von oben
       vorgeben.“ Aber beide gehen davon aus, dass Gemeinden ihre Regeln ändern
       würden, wenn es Proteste aus dem Ort gebe. „Ich bin dran“, versprach
       Tillmann Frank.
       
       Schleswig-Holstein ist Windkraft-Musterland, es produziert bereits weit
       mehr nachhaltigen Strom, als es selbst verbrauchen kann, und [3][wird
       weitere Flächen ausweisen].
       
       Auch der Ausbau von Solarparks und Photovoltaik-Anlagen schreitet voran.
       Anders als in anderen Regionen Deutschlands ist die Zustimmung groß, auch
       weil die erneuerbare Energie Geld bringt: Fast 120 Millionen Euro an
       Gewerbesteuer wehten aus den Windparks in die Gemeindekassen, berichtete
       Goldschmidt. Die Zuwachszahlen machen ihn hoffnungsvoll: „Wir sind auf der
       Zielgerade der Energiewende.“
       
       Claus Ruhe Madsen betonte die Bedeutung von Wind- und Sonnenkraft als
       „Sicherheitsenergie“, die das Land weniger abhängig von Exporten mache.
       Hinzu kämen Arbeitsplätze und neue Unternehmensansiedlungen. Privatleute
       würden von Bürgerwindparks profitieren.
       
       Wie das geht, weiß Reinhard Christiansen von der Genossenschaft „Grenzland
       Bürgerenergie“. Mehr als 2.000 Genoss:innen aus ganz Schleswig-Holstein
       beteiligen sich bereits an dem Projekt in Ellhöft nahe der dänischen
       Grenze. Der dort erzeugte Strom aus Solar- und Windenergie soll in
       Wasserstoff verwandelt werden, dazu baut die Genossenschaft mehrere
       Elektrolyseure, eine Wasserstoff-Tankstelle ist bereits in Betrieb.
       
       Die Akzeptanz sei groß, nur von den Banken, die zögerlich bei der
       Finanzierung seien, wünscht er sich mehr Mut. Und eine Leitung des
       geplanten Wasserstoff-Netzes in den Norden bräuchte es. Insgesamt aber
       alles lösbar, findet Christiansen, der schon mehrere Windparks gegründet
       hat: „Hürden stören uns nicht, wir sind Macher.“
       
       ## Bundesministerin Reiche will lieber Gaskraftwerke
       
       Marcus Hrach vom [4][Landesverband der erneuerbaren Energien (LEE)] fasste
       zusammen: „Wir sind weit. Aber um das Ziel zu erreichen, müssen noch einige
       Schalter umgelegt werden.“ Er nannte die Debatte um Strompreiszonen und
       Netzentgelte. Regionen, die viel nachhaltigen Strom produzierten, sollten
       einen Vorteil gegenüber anderen haben, forderte er.
       
       Schleswig-Holstein kann solche Fragen nicht allein lösen – doch von der
       Bundregierung kommt zurzeit eher Gegen- als Rückenwind.
       „Arbeitsverweigerung“ warf Tobias Goldschmidt Bundeswirtschaftsministerin
       Katherina Reiche vor. Die Christdemokratin und frühere Managerin einer
       Eon-Tochterfirma will den Ausbau der erneuerbaren Energie [5][zugunsten von
       Gaskraftwerken bremsen].
       
       Auch Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) appellierte zum Auftakt der
       Messe an die anderen Länder und den Bund: „Beim Klimaschutz darf es jetzt
       kein Zurück geben. Schleswig-Holstein zeigt, wie die Energiewende gelingen
       kann.“ Und er warb für den Standort: „Als künftige Wasserstoffdrehscheibe
       bieten wir beste Voraussetzungen für Investitionen in klimaneutrale
       Industrie.“
       
       3 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Klimaneutrales-Schleswig-Holstein/!6021577
 (DIR) [2] https://www.powernet.sh/
 (DIR) [3] https://www.schleswig-holstein.de/DE/landesregierung/themen/energie/windenergie-raeumliche-steuerung
 (DIR) [4] /Reaktion-auf-Kurswechsel-des-Bundes/!6111681
 (DIR) [5] /Rueckschlag-fuer-die-Energiewende/!6111291
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Esther Geisslinger
       
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