# taz.de -- Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Das Duell der Bodenständigen
       
       > Bei der TV-Runde zwischen SPD und CDU geht es harmonisch zu. Die
       > Kandidaten sind einer Meinung – wenn nicht die Sache mit dem Sonderurlaub
       > wäre.
       
 (IMG) Bild: Wollen trotz Körpergröße als kleine Leute gesehen werden: Alexander Schweitzer (links) und Gordon Schnieder am Dienstag beim SWR
       
       Es sind zwei Männer im Anzug, beide drei Kinder, katholisch, mit 16 in die
       Jugendorganisation ihrer Partei eingetreten. Schon bei der ersten Frage
       wollen [1][die beiden rheinland-pfälzischen Spitzenkandidaten] unbedingt
       eines: zeigen, wie bodenständig sie sind.
       
       Ohne auf die Frage des Moderators zu antworten, legt SPD-Spitzenkandidat
       [2][Alexander Schweitzer] vor: „Ich bin der Sohn eines Binnenschiffers, aus
       einem Arbeitnehmerhaushalt, es ist nicht selbstverständlich, dass ich hier
       stehe“, und sein Herausforderer Gordon Schnieder von der CDU gleich
       hinterher: „Ich bin in einem kleinen Dorf in der Vulkaneifel groß geworden.
       Ich war dort im Gemeinderat, ich war dort Ortsbürgermeister, da gilt noch
       der Handschlag.“
       
       Das Motto „nah bei de Leut“ gilt als Erfolgsrezept [3][des langjährigen
       Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, des SPD-Manns Kurt Beck.]
       Insbesondere in den ländlich geprägten Regionen des Landes. Sowohl
       Schweitzer als auch Schnieder halten sich daran und streuen die Botschaft
       auch im Lauf des TV-Duells immer wieder ein.
       
       Das Duell, [4][das der SWR am Dienstagabend live ausstrahlte], sollte vor
       allem unentschlossenen Wählern bei ihrer Entscheidung am 22. März helfen.
       Aktuell liegen CDU und SPD eng beieinander: In den aktuellen Umfragen liegt
       die CDU bei 28, die SPD bei 27 Prozent. In der CDU setzt man derweil große
       Hoffnungen in das Duell, um den eigenen Kandidaten bekannter zu machen.
       Bisher galt dessen Wahlkampf als etwas blass.
       
       Noch führt bei den Bekanntheitswerten nämlich Alexander Schweitzer. Das
       liegt vermutlich an Schweitzers Amtsinhaberbonus, da er im letzten Jahr den
       Posten der damaligen Ministerpräsidentin [5][Malu Dreyer] übernahm. In
       Rheinland-Pfalz regiert seit 2016 eine Ampelkoalition aus SPD, Grünen und
       FDP. Insgesamt regiert die SPD dort seit 35 Jahren. Für die CDU wäre es der
       achte Anlauf, um eine Wahl gegen die SPD in dem Bundesland zu gewinnen.
       
       ## Nicht überall einig, aber meistens
       
       Eine echte Zuspitzung gibt es während des Duells nicht. Schweitzer versucht
       sich staatsmännisch zu geben, verweist auf Erfolge der Landesregierung und
       betont gerne, wenn er und Gordon Schnieder sich einig sind. Fast so, als
       arbeite man schon an einer Großen Koalition aus SPD und CDU – laut
       aktuellen Umfragen die wahrscheinlichste Option.
       
       Einigkeit herrscht zum Beispiel in großen Teilen der Bildungs- und
       Klimapolitik: Beide finden, es braucht ein Social-Media-Verbot bis 14 Jahre
       und Polizei an „Brennpunktschulen“. Auch als Schnieder das
       [6][Klimaschutzgesetz] der Landesregierung kritisiert, gibt sich Schweitzer
       gemäßigt. Laut dem Gesetz soll Rheinland-Pfalz schon 2040 klimaneutral
       werden, also fünf Jahre vor dem Bund. Schnieder will das kippen – das
       Gesetz sei wirtschaftsfeindlich und gefährde Arbeitsplätze. Wirklich
       verteidigen tut Schweitzer das Gesetz seiner Regierung nicht. Vielleicht
       auch, weil Gewerkschaften das Gesetz kritisieren.
       
       Die beiden Kandidaten fallen sich während der Debatte kaum ins Wort,
       lächeln sich gelegentlich an, bleiben sachlich. In einigen Punkten stellen
       sie trotzdem unterschiedliche Standpunkte klar.
       
       In der [7][Bildungspolitik] spricht sich Schweitzer für den Status quo aus:
       Eltern sollten weiter entscheiden, auf welche Schule sie ihre Kinder nach
       der Grundschule schicken. Die unangekündigten Tests, die Rheinland-Pfalz
       abgeschafft hat, verteidigt er. Schnieder hingegen spricht sich gegen
       beides aus und fordert Videoüberwachung an Schulen. Der Moderator Sascha
       Becker hakt nach: auch bei Minderjährigen? Die Frage beantwortet Schnieder
       nicht.
       
       Bei der Migrationspolitik warnt Schnieder vor einer zugewanderten
       „Messerkriminalität“ und einem überlasteten Gesundheitssystem. Schweitzer
       widerspricht: „Es ist mir ein bisschen zu einseitig, weil ich gerade in
       unserem Gesundheitssystem ganz viele Menschen mit Migrationshintergrund
       treffe, die dafür sorgen, dass wir alle gut versorgt sind, wenn wir zum
       Arzt oder ins Krankenhaus gehen.“
       
       Außerdem spricht Schnieder sich für die Grenzkontrollen zu Frankreich und
       Luxemburg aus. Dort stehen viele Pendler regelmäßig im Stau. Schweitzer
       fordert schon seit einiger Zeit, die Kontrollen wieder abzuschaffen.
       
       Insgesamt gelingt es Schnieder jedoch, die Landesregierung zu kritisieren
       und Schweitzer in Erklärungsnot zu bringen – teilweise wirkt dieser sogar
       nervös, weicht Fragen aus. Konkrete Vorwürfe erhebt der CDU-Kandidat dann
       bei der Wirtschaftspolitik gegen die aktuelle Landesregierung: Vor kurzem
       platzten in Kaiserslautern die Pläne, dort eine Batteriezellfabrik des
       Unternehmens ACC zu bauen. Schnieder kritisiert, die Landesregierung habe
       zu wenig für das Projekt getan. Jetzt fehlten in der sowieso abgehängten
       Region dringend nötige Arbeitsplätze.
       
       Wirklich hitzig wird es erst beim letzten Punkt. Seit einigen Tagen steht
       Schweitzers Landesregierung in der Kritik, weil eine Beamtin Sonderurlaub
       bekam, um als Kampagnenleiterin den SPD-Wahlkampf zu organisieren.
       Schweitzer verteidigt die Praxis, sagt, das sei in Deutschland üblich.
       
       Schnieder hingegen wirft der Regierung vor, der Vorfall sorge für
       Politikverdrossenheit und ein Bild der „Selbstbedienung“. Schweitzer
       verweist darauf, dass auch CDU-Kanzler Friedrich Merz und Schnieder selbst
       Mitarbeiter hätten, die beurlaubte Landesbeamte seien. So sollte man nicht
       miteinander umgehen, man merke, es sei Wahlkampf, stellt er fest.
       
       Der scheint jetzt endlich etwas in Schwung zu kommen. Nach den 60 Minuten
       hat dann Schnieder das letzte Wort und nutzt es noch einmal, um zu betonen:
       Er war einmal Ortsbürgermeister.
       
       11 Mar 2026
       
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 (DIR) Jana Laborenz
       
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