# taz.de -- Repression nach G20 in Hamburg: Was bleibt vom Rondenbarg?
> Die Staatsanwaltschaft hat den letzten Angeklagten im
> Rondenbarg-Verfahren die Einstellung angeboten – acht Jahre nach den
> Protesten gegen G20.
(IMG) Bild: Viel zu lernen über Repression: Protest vor dem Rondenbarg-Prozess 2024 in Hamburg
In der vergangenen Woche hat die Staatsanwaltschaft Hamburg den letzten
Angeklagten im sogenannten Rondenbarg-Komplex angeboten, ihre Verfahren
einzustellen, in den meisten Fällen gegen eine Geldauflage. Das haben die
[1][Ortsgruppen der Roten Hilfe Hamburg und Stuttgart sowie die
Solikampagne Gemeinschaftlicher Widerstand] bekannt gegeben.
Wenn die Angeklagten das Angebot annehmen, endet damit eine massive
staatliche Verfolgungswelle gegen Teilnehmende einer Demo während der
Anti-G20-Proteste in Hamburg – nach mehr als acht Jahren der Unsicherheit
für die Betroffenen. „Die Einstellung ist eine große Erleichterung“, sagt
Ezra vom Bundesvorstand der Roten Hilfe der taz.
Beim [2][Rondenbarg-Prozess] geht es um das, was am frühen Morgen des 7.
Juli 2017 am Rondenbarg in einem Industriegebiet im Hamburger Westen bei
Protesten gegen den G20-Gipfel passiert war. Das ist in einem Polizeivideo
zu sehen: Behelmte Polizist*innen rennen brüllend auf einen kleinen
Demozug zu. Sie schlagen und treten.
Von hinten kommt ein Wasserwerfer. Sekunden später liegen die meisten
Teilnehmenden am Boden, gekrümmt, jemand hält sich den Kopf. „Wir bräuchten
dringend Sanis bei uns“, sagt ein Polizist über Funk. „Hier unten liegt
eine verletzte Person mit offenem Bruch.“ „Oh, scheiße“, antwortet der
Kollege.
## Jahrelange Repression
Bei der Flucht vor der Polizei stürzten einige Demonstranten zwei Meter
tief auf einen Parkplatz, als ein Geländer brach. Zahlreiche von ihnen
wurden verletzt, 14 schwer – Polizeibeamt*innen überhaupt nicht.
Umso erstaunlicher, was folgte: Bis heute wurde keine*r der
Polizist*innen verurteilt. Stattdessen gab es massive Repression gegen
Teilnehmende der Demo. 59 wurden in Gewahrsam genommen, einige bis nach dem
Gipfel-Ende in Untersuchungshaft. In den folgenden Monaten kam es zu
Hausdurchsuchungen und einer umstrittenen Öffentlichkeitsfahndung in ganz
Deutschland. Am Ende hagelte es Strafverfahren gegen 86 Personen.
## Pyros und ein paar Steine
Besondere Aufmerksamkeit erhielt der Fall des damals 19-jährigen Italieners
Fabio V., der fünf Monate lang in U-Haft saß, ohne dass ihm individuelle
Taten zugeordnet werden konnten. Sein Verfahren endete ergebnislos.
Insgesamt kam es nur zu zwei Verurteilungen vor Gericht. Alle anderen
Verfahren wurden eingestellt. Im September 2024 verurteilte das Landgericht
Hamburg nach 27 Prozesstagen [3][zwei Menschen zu Geldstrafen von je 90
Tagessätzen]. Sie wurden des Landfriedensbruchs sowie der Beihilfe zu
versuchter gefährlicher Körperverletzung, zu tätlichem Angriff, Widerstand
gegen Vollstreckungsbeamte und Sachbeschädigung für schuldig befunden.
Konkret ging es unter anderem um Steinwürfe Richtung Polizei, die nicht
trafen, um Pyros und Böller. Selbst die Richterin räumte ein, dass es sich
bei den Taten um „Peanuts“ handelte.
Das Besondere an dem Verfahren: Keine dieser Straftaten ordnete das Gericht
den beiden Angeklagten persönlich zu. Dennoch bestrafte es sie – einfach,
weil sie bei der Demo anwesend gewesen waren. Damit folgte es der
Argumentation der Staatsanwaltschaft, wonach die Teilnehmer*innen durch
ihr geschlossenes Auftreten und dunkle Kleidung zum Schutz derer
beigetragen hätten, die bei der Demo Straftaten begangen hatten.
## Gemischtes Fazit
Das Urteil war historisch, es widersprach dem [4][Brokdorf-Urteil des
Bundesverfassungsgerichts von 1985, nach dem man nicht für Straftaten
anderer Demoteilnehmender verurteilt werden kann] und wurde [5][scharf
kritisiert]. Schon im Vorfeld warnten [6][Verfassungsrechtler vor einem
Angriff auf die Versammlungsfreiheit].
Was bleibt also vom Rondenbarg? „Das Fazit ist gemischt“, sagt Ezra von der
Roten Hilfe. Betroffen von der staatlichen Repression waren Menschen aus
ganz Deutschland. „Nach so vielen Jahren haben Leute eine andere
Lebenssituation, Kinder, Lohnarbeit.“ Die Einstellung der Strafverfahren
sei auch Ergebnis der jahrelangen Kampagne zur Unterstützung der
Betroffenen.
Man habe dabei viel gelernt, steht im Statement der Soligruppen, „über
gesellschaftliche Zuspitzung, über Solidarität und Zusammenhalt, aber auch
über die zerstörerische Langzeitwirkung von Repression“.
Hinweis: In einer früheren Version des Artikels stand, dass den Angeklagten
die Einstellung gegen die Zahlung von Geldstrafen angeboten wurde. Richtig
sind Geldauflagen. Das haben wir korrigiert.
10 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://rondenbarg-prozess.rote-hilfe.de/2026/03/10/g20-rondenbarg-das-letzte-kapitel/
(DIR) [2] /G20-Gegnerinnen-vor-Gericht/!5719624
(DIR) [3] /G20-Demos-in-Hamburg/!6031226
(DIR) [4] /Polizeikritiker-aus-den-eigenen-Reihen/!5741412
(DIR) [5] https://www.rav.de/publikationen/infobrief-126-2024/straftat-anwesenheit
(DIR) [6] /Prozess-in-Hamburg-nach-G20-Protesten/!5487396
## AUTOREN
(DIR) Amira Klute
## TAGS
(DIR) G20-Prozesse
(DIR) Schwerpunkt G20 in Hamburg
(DIR) Polizei Hamburg
(DIR) Repression
(DIR) Polizei
(DIR) Schwerpunkt Stadtland
(DIR) Dokumentarfilm
(DIR) Schwarzer Block
(DIR) Schwerpunkt G20 in Hamburg
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) G20-Demos vor Gericht: Der Rechtsstaat verendet im Gewerbegebiet
Das letzte große Verfahren wegen des Hamburger G20-Gipfels könnte mit
Geldauflagen enden. Die juristische Aufarbeitung ist eine Blamage für die
Anklage.
(DIR) G20-Dokumentarfilm „Wir sind so frei“: Ein Staat macht sich Feinde
Christian Lehmann-Feddersen und Alf Schreiber dokumentieren mit „Wir sind
so frei“ die Folgen des G20-Gipfels. Ihr Ziel: eine Gegenöffentlichkeit.
(DIR) Urteil im G20-Rondenbarg-Prozess: Tiefschlag der Hamburger Justiz
Im Rondenbarg-Prozess wurden zwei G20-Gegner*innen zu Unrecht verurteilt.
Grundprinzipien des Rechtsstaats galten für sie nicht.
(DIR) G20-Demos in Hamburg: Schwarze Kleidung = kriminell
Der Rondenbarg-Prozess gegen G20-Gegner*innen endet mit Geldstrafen. Dabei
wird den Verurteilten vor allen ihr Outfit am Demo-Tag zum Verhängnis.