# taz.de -- Russland auf der Venedig-Kunstbiennale: Diplomatie der Schönheit?
       
       > Russland nimmt wieder an der Kunstbiennale von Venedig teil, damit zeige
       > die Biennale ihre Neutralität. Das stößt nicht nur in Kyjiw auf Kritik.
       
       taz/afp/dpa Russland nimmt wieder an der internationalen Kunstbiennale von
       Venedig teil. Seit Putins Großinvasion der Ukraine hatte sich das Land
       selbst von der weltgrößten Kunstausstellung zurückgezogen, sein Pavillon im
       spätzaristischen Zuckerbäckerstil in den Giardini stand seither leer. Fast:
       Vor zwei Jahren hatte sich schon einmal Bolivien an dem prominenten Ort
       eingemietet, hinter [1][dem Kultur-Deal stand vermutlich ein Lithum-Deal].
       Nun will Russland mit der Ausstellung „The Tree is Rooted in the Sky“ mit
       50 Musikern, Dichtern und Philosophen wieder ganz offiziell in Venedig
       dabei sein.
       
       Der Präsident der Fondazione La Biennale di Venezia, Pietrangelo
       Buttafuoco, hatte eine Teilnahme Russlands vergangene Woche öffentlich
       angekündigt und begrüßt. So solle eine Art „kulturelle Waffenruhe in einer
       von Konflikten geprägten Welt“ ermöglicht werden. In der Tageszeitung La
       Repubblica sprach er von einer „Diplomatie der Schönheit“, die der
       besonderen Geschichte Venedigs entspreche.
       
       In Kyjiw stößt Buttafucos Normalisierung des kriegstreibenden Russlands auf
       Kritik. Die Veranstalter der Venedig-Kunstbiennale sollten „ihre
       Entscheidung überdenken“, riefen der ukrainische Außenminister Andrij
       Sybiha und Kulturministerin Tetjana Bereschna am Sonntag auf. Das
       litauische Außenministerium nannte den Schritt der Biennale „abscheulich“.
       
       ## Trotz des Widerstands der italienischen Regierung
       
       Selbst die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, der Buttafuoco
       eigentlich nahesteht, distanziert sich. Das Kulturministerium in Rom teilte
       mit, die Entscheidung sei „vollkommen eigenständig von der
       Biennale-Stiftung getroffen worden, trotz des Widerstands der italienischen
       Regierung“.
       
       Die Biennale sei eine „offene Institution“, hieß es in einer Erklärung aus
       Venedig. Die Einrichtung weise „jede Form von Ausschluss oder Zensur in
       Kultur und Kunst“ zurück. 99 Länder sind dieses Jahr als Teilnehmer der
       Kunstbiennale gelistet, das [2][autokratisch regierte Katar wird in seinem
       neuen Pavillon] in den Giardini ausstellen, auch Iran will teilnehmen.
       
       Boykottaufrufe gab es bereits, nicht von den Biennale-Veranstaltern, aber
       seitens der sogenannten Arts Not Genocide Alliance, die eine Teilnahme
       Israels verhindern will, Südafrika hingegen zog seinen Beitrag kürzlich
       nach einem Eklat um ein Gaza-bezogenes Werk der Künstlerin Gabrielle
       Goliath zurück.
       
       Die Biennale in Venedig findet seit 1895 statt. In diesem Jahr läuft sie
       vom 9. Mai bis zum 22. November.
       
       9 Mar 2026
       
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