# taz.de -- Tierschutz in Schlachthöfen: Videoüberwachung soll Pflicht werden
       
       > Verstöße gegen den Tierschutz in Schlachthöfen sollen künftig wirksamer
       > aufgedeckt und geahndet werden können – mit zusätzlicher Technik.
       
 (IMG) Bild: Das Tierleid bleibt an der Fleischtheke verborgen. In den Schlachthöfen sollen Kameras es bald dokumentieren
       
       dpa/taz | In größeren Schlachthöfen sollen Kameras zur Kontrolle von
       Tierschutzvorgaben zur Pflicht werden. Das Bundesagrarministerium legte
       jetzt einen Gesetzentwurf zur Einführung einer Videoüberwachung vor. Damit
       sollen Schlachteinrichtungen verpflichtet werden, „tierschutzsensible
       Vorgänge“ zu dokumentieren und die Aufzeichnungen den Behörden
       bereitzustellen. Im Blick stehen soll unter anderem die vorgeschriebene
       Betäubung der Tiere.
       
       Minister Alois Rainer (CSU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Mit der
       verpflichtenden Videoüberwachung in Schlachthöfen schließen wir einen
       blinden Fleck im Tierschutz.“ Zu dem Entwurf können nun Verbände und die
       Länder Stellung nehmen. „Wir wollen zügig damit ins Kabinett“, sagte
       Rainer.
       
       ## Keine heimlichen Aufnahmen
       
       Die Verpflichtung zu Videoaufnahmen sei erforderlich, um eine umfassendere
       und wirksamere Kontrolle von Schlachteinrichtungen zu ermöglichen, heißt es
       in dem Entwurf. Bei Kontrollen vor Ort könnten in der Regel nur ausgewählte
       Bereiche und Zeiträume betrachtet werden. Besonders in großen Schlachthöfen
       liefen jedoch zahlreiche Vorgänge mit lebenden Tieren gleichzeitig ab.
       
       Die Kameras sollen sichtbar installiert werden, sodass die Beschäftigten –
       [1][anders als bei heimlichen Aufnahmen] – ihr Verhalten darauf einstellen
       können, wie das Ministerium erläutert. Per Video überwacht werden sollen
       die Schritte vom Entladen der Transporter über Wartezonen der Tiere, die
       Betäubung und das Setzen des „Entblutungsschnitts“ bis zu ersten weiteren
       Schlachtarbeiten.
       
       ## Tierschutzverbände sind skeptisch
       
       Konkret soll so zu überwachen sein, wie die Tiere auch vor dem Betäuben
       behandelt und versorgt werden. Bei Verletzungen soll zu klären sein, ob sie
       im Schlachthof oder schon zuvor entstanden sind. Zu sehen sein soll
       außerdem, wie gut Betäubungen wirken und wie Betriebe dies selbst
       kontrollieren. Die Videoaufzeichnungen sollen jeweils für die letzten 30
       Schlachttage gespeichert und der zuständigen Behörde arbeitstäglich zum
       Abrufen bereitgestellt werden.
       
       [2][Tierschutzverbände haben sich in der Vergangenheit skeptisch gezeigt],
       dass eine Videoüberwachung zu einer besseren Ahndung von Verstößen oder gar
       mehr Tierwohl führe. Sie führen an, dass wirksame Kontrollen schon jetzt
       daran scheitern, weil Amtsveterinäre Hinweisen nicht genug nachgehen. In
       Niedersachen wurde ein ähnlicher Gesetzesvorstoß aus Datenschutzgründen
       2019 wieder beendet.
       
       ## Pflicht soll für rund 230 Schlachthöfe greifen
       
       Greifen soll die Pflicht für Betriebe, die jährlich mindestens 150.000
       Geflügel oder Kaninchen oder 1.000 „Großvieheinheiten“ von Tieren wie
       Schweinen oder Rindern schlachten. Diese Angabe entspricht in etwa einem
       ausgewachsenen Rind mit 500 Kilogramm Gewicht direkt vor dem Schlachten. Ab
       dieser Schwelle müssen Schlachthöfe generell auch Tierschutzbeauftragte
       haben. Kleinere Betriebe sollen von der Videopflicht ausgenommen sein. Bei
       konkretem Verdacht auf Verstöße soll die Behörde sie aber auch anordnen
       können.
       
       Bis die Pflicht greift, soll eine Übergangsfrist von einem Jahr ab
       Inkrafttreten des Gesetzes gelten – denn die Einrichtung der Systeme
       erfordere zusätzlichen Aufwand in den Betrieben. Betreffen dürfte die
       Pflicht bundesweit 232 größere Schlachteinrichtungen, wie es in dem Entwurf
       heißt. Das Ministerium schätzt, dass die Installation der Systeme je 1.000
       Euro kostet. Dazu kommen würden jährliche laufende Kosten von insgesamt
       172.000 Euro für alle 232 Betriebe.
       
       Rainer sagte: „Die Ampelregierung hatte die Videoüberwachung angekündigt,
       aber dann nicht geliefert. Wir machen das jetzt mit Tempo – so, wie wir es
       im Koalitionsvertrag vereinbart haben.“ Der damalige Minister Cem Özdemir
       (Grüne) hatte eine solche Pflicht in einer Reform des Tierschutzgesetzes
       geplant. Vor dem vorzeitigen Koalitionsbruch kam sie aber nicht mehr
       zustande.
       
       8 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Tieraktivismus/!6098260
 (DIR) [2] /Videoueberwachung-in-Schlachthoefen/!6143536
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Tierschutz
 (DIR) Schlachthof
 (DIR) Videoüberwachung
 (DIR) Tierrechte
 (DIR) Fleischindustrie
 (DIR) Niedersachsen
 (DIR) Kolumne Alles getürkt
 (DIR) Tierschutz
 (DIR) Fleischindustrie
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Landwirtschaft
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Tierschutz: Verband klagt gegen CO2-Betäubung von Schweinen
       
       In der EU werden Schweine vor der Schlachtung meist mit Kohlendioxid
       betäubt und leiden darunter. Ob das so bleibt, muss nun ein Gericht
       entscheiden.
       
 (DIR) Eine zufällig ortsgebundene Beziehung: Mein Toilettenfreund Cem Özdemir
       
       Es treibt ihm die Schamesröte ins Gesicht: Unser Autor hat eine ganz
       besondere Beziehung zum frisch gebackenen grünen Landeschef von
       Baden-Württemberg.
       
 (DIR) Regulierung geplant: Island streitet um die Zukunft von Lachsfarmen
       
       Aquakulturen zur Lachszucht sollen besser geregelt werden. Umweltgruppen
       halten den Gesetzentwurf für industriefreundlich. Auch Brüssel hat Fragen.
       
 (DIR) Videoüberwachung in Schlachthöfen: Tierqual live und in Farbe
       
       Was bringt Videoüberwachung in Schlachthöfen? Niedersachsens
       Agrarministerin scheint das auch nicht so genau zu wissen.
       
 (DIR) Qual-Schlachthof geht neue Wege: Vom Kuhmassaker zum Weideabschuss
       
       Der unter dem Verdacht von Tierschutzverstößen stillgelegte Schlachthof
       Elsfleth könnte neu eröffnet werden, aber ohne Lebendtransporte und
       Tötungen.
       
 (DIR) Tierschutzgesetz der Ampelregierung: Mehr Rinderschutz in 10 Jahren
       
       Die schmerzhafte Anbindehaltung von Rindern soll verboten werden, aber
       nicht sehr bald. Ein Gesetzentwurf sieht weitreichende Ausnahmen vor.