# taz.de -- Videoüberwachung in Schlachthöfen: Tierqual live und in Farbe
       
       > Was bringt Videoüberwachung in Schlachthöfen? Niedersachsens
       > Agrarministerin scheint das auch nicht so genau zu wissen.
       
 (IMG) Bild: Hilfreich, um Verstöße ahnden zu können: Tierschützerinnen zeigen Videoaufnahmen aus einem Schlachthof
       
       Das ist sie wieder, die Diskussion um die Videoüberwachung in
       Schlachthöfen. Dieses Mal hat sie Bundeslandwirtschaftsminister Alois
       Rainer (CSU) kurz vor Weihnachten angezettelt – in seinem Ministerium wird
       derzeit an einem Referentenentwurf gefeilt.
       
       Endlich hat die CSU es auch verstanden, könnte Niedersachsens
       Agrarministerin Miriam Staudte (Grüne) jetzt sagen. Immerhin stand das
       Vorhaben auch bei ihrem Parteikollegen Cem Özdemir schon auf der
       To-do-Liste, als der noch der zuständige Minister in der Ampelregierung
       war.
       
       Und [1][auch im Interview mit der taz hatte Staudte vor etwas mehr als
       einem Jahr noch so geklungen], als würde sie große Hoffnungen in eine
       solche Videoüberwachung setzen. Mittlerweile klingt sie bei dem Thema eher
       verhalten. „Das allein reicht nicht“, ist die Botschaft, die sie sendet.
       
       In Wirklichkeit ist der Kinderglaube, man müsste nur irgendwo eine
       Videokamera aufhängen und schon hört das mit der Kriminalität auf,
       natürlich auch eher eine konservative Marotte.
       
       ## In Niedersachsen gab es das schon einmal
       
       Niedersachsen war damit – nach einer ganzen Reihe von großen
       Schlachthofskandalen – 2019 schon einmal vorgeprescht, zusammen mit
       Nordrhein-Westfalen. Aber damals hieß die Landwirtschaftsministerin Barbara
       Otte-Kinast (CDU). [2][Kassiert worden war das Ganze dann auf der
       Bundesebene – aus Datenschutzgründen.] Die Dauerüberwachung der
       Beschäftigten halten nicht nur Gewerkschaften für problematisch.
       
       Nach dem erneuten konservativen Vorstoß haben sich das Landvolk und andere
       vorsichtig für Videoüberwachung ausgesprochen. Die Branchenverbände mahnen
       lediglich, man müsse aufpassen, kleine Betriebe nicht mit noch mehr
       Bürokratie zu überlasten. Rainer will die Pflicht auch nur für große
       Betriebe vorschreiben. Ab wann ein Betrieb groß ist, muss aber noch genauer
       definiert werden.
       
       Die meisten Tierschutzverbände äußern sich dagegen skeptisch. Sie verweisen
       darauf, dass wirksame Kontrollen schon jetzt oft daran scheitern, dass die
       Amtsveterinäre entweder überlastet sind [3][oder nicht eingreifen.] Da
       nutzt es eben auch nichts, wenn sich bei ihnen auch noch bergeweise
       ungesichtetes Videomaterial auftürmt.
       
       „Die angekündigte Videoüberwachung in Schlachthöfen wird aus unserer Sicht
       leider nicht besonders viel bewirken“, sagte Anna Schubert, Sprecherin von
       Animal Rights Watch, der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. „Durch die
       Akkordarbeit werden Tiere gequält, und jedes Tier kämpft ums Überleben. Das
       wird niemals harmlos ablaufen, und daran wird eine Videoüberwachung auch
       nichts ändern“, sagte sie.
       
       Möglicherweise könnte man mit einer automatisierten Auswertung über so
       etwas wie eine künstliche Intelligenz die knappen Personalressourcen in den
       Veterinärämtern besser steuern und effektiver einsetzen. Auch diese
       Hoffnung hatte Staudte schon einmal geäußert.
       
       Nur müsste eine solche KI-Anwendung ja auch erst einmal entwickelt und
       trainiert werden. Dafür gäbe es immerhin genügend Material aus den
       heimlichen Aufzeichnungen der Tierschützer aus den letzten Jahren.
       
       Für die personelle und technische Ausstattung der Veterinärämter, die meist
       auf Landkreisebene angesiedelt sind, sind allerdings wiederum die Länder
       zuständig – vielleicht ist das ein weiterer Grund, warum sich die
       Begeisterung in Niedersachsen in Grenzen hält.
       
       7 Jan 2026
       
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