# taz.de -- Regulierung geplant: Island streitet um die Zukunft von Lachsfarmen
       
       > Aquakulturen zur Lachszucht sollen besser geregelt werden. Umweltgruppen
       > halten den Gesetzentwurf für industriefreundlich. Auch Brüssel hat
       > Fragen.
       
 (IMG) Bild: Lachszucht im Fjord von Djupivogur, Island
       
       Die Gegner der [1][isländischen Lachsindustrie] geben nicht auf. Auch wenn
       ihr Ziel nicht in Sicht ist: Sie sehen immerhin Anlass für Optimismus, wie
       Jón Kaldal der taz im Videointerview berichtet. Er und seine Organisation
       Icelandic Wildlife Fund (IWF) gehören zu denen, die gegen den aktuellen
       Entwurf für ein neues isländisches Aquakulturengesetz kämpfen.
       
       Die Branche ist in Island sehr schnell sehr stark gewachsen – 2014 kamen
       noch 4.000 Tonnen Zuchtlachs aus Islands Fjorden, 2022 waren es 45.000, für
       2025 kommen vorläufige Zahlen auf 70.000 Tonnen. Das bringt
       Herausforderungen mit sich. 2023 beispielsweise verendeten 1,7 Millionen
       Fische innerhalb weniger Monate wegen Lachslausbefalls oder mussten getötet
       werden.
       
       Die Regierung in Rejkjavik bastelt deshalb seit Jahren an einem neuen
       Gesetz, das auf die rasante Entwicklung reagieren soll. Aus einem Entwurf
       von 2024 wurde nach großem Widerstand nichts, inzwischen gab es
       Parlamentswahlen und eine neue Regierung, die nun einen neuen Versuch
       startet.
       
       Bei der öffentlichen Konsultation Anfang dieses Jahres gab es eine
       Rekordzahl an kritischen Reaktionen – auch bedingt durch die international
       ausgerichtete Kampagnenarbeit, die auch das Outdoor-Unternehmen Patagonia
       unterstützt hatte. 900 Einwendungen habe es aus Island gegeben, 2.300 aus
       der „internationalen Community“, teilte ein Sprecher des Unternehmens mit.
       Der überarbeitete Entwurf soll im Frühjahr ins isländische Parlament
       eingebracht werden.
       
       Die zentrale Sorge der Gegner: Die Lachsfarmen in natürlichen Gewässern
       würden die Ökosysteme zerstören, entflohene Zuchtlachse den isländischen
       Wildlachsbestand bedrohen. Daran würde auch das neue Gesetz nichts ändern,
       so Kaldal.
       
       Die Umweltschützer sähen die Lachszucht in isländischen Fjorden am liebsten
       wieder ganz abgeschafft. Sie bemängeln, dass der Gesetzesentwurf kein
       Ausstiegsszenario enthält. In einer Petition fordern mehrere isländische
       NGOs, die Vergabe von Lizenzen zu stoppen und Betreiber dazu zu
       verpflichten, zu einer geschlossenen Haltung oder landbasierten Systemen
       überzugehen. Laut einer Umfrage von 2025 sind knapp 65 Prozent der Isländer
       gegen Lachszucht in offenen Netzkäfigen.
       
       Ganz [2][anderer Druck] kommt nun aus Brüssel: Die Überwachungsbehörde der
       Europäischen Freihandelsassoziation EFTA hat Zweifel, ob Island sich bei
       der Lachsfarm-Lizenzvergabe an die EU-Wasserrahmenrichtlinie gehalten und
       zuvor den Zustand der Gewässer bewertet hat. Die Behörde informierte das
       Umweltministerium Ende Januar darüber, dass sie Ermittlungen gestartet hat,
       und forderte Antworten.
       
       ## Lobby der Lachsindustrie
       
       Für Kaldal sind das gute Nachrichten. Denn der aktuelle Entwurf ist aus
       seiner Sicht „noch schlechter“ als der vorherige. Teile davon läsen sich,
       „als wären sie direkt von der Lachsindustrie formuliert“ – etwa ein Passus
       über „zu erwartende Mortalität“. Man gehe also davon aus, dass das Verenden
       eines Anteils an Zuchtlachsen normal sei. Und wie hoch dieser Anteil sei,
       würde nach diesem Entwurf die Industrie selbst bestimmen. Stürben mehr
       Lachse, müssten die Unternehmen nur eine Umweltabgabe leisten, beklagt
       Kaldal. Sanktionsmöglichkeiten wie Lizenzentzug, die der vergangene Entwurf
       noch vorgesehen habe, fehlten nun.
       
       Karl Steinar Óskarsson hat keine politische Haltung zu Lachs, aber als
       Bereichsleiter der isländischen Lebensmittel- und Veterinärbehörde MAST
       viel mit der Zucht zu tun. Seine Abteilung überwacht die existierenden
       Lachsfarmen. Óskarsson hält den aktuellen Gesetzentwurf für „einen
       wichtigen Versuch, ein klareres generelles Regelwerk für Aquakultur zu
       schaffen“, wie er der taz schreibt.
       
       Einen Teil der Kritik könne er aber nachvollziehen, vor allem wenn es um
       eindeutigere und durchsetzbare Regeln zu Fischwohl, Mortalität, in die
       Wildnis entkommenen Fischen und Biosicherheit gehe. Dass die Industrie laut
       diesem Entwurf ihre eigenen Regeln bestimmen könnte, würde er aber nicht
       sagen. „Ich denke, das endgültige Gesetz wird den Behörden klare Werkzeuge
       geben, um frühzeitig zu intervenieren und wenn nötig, Sanktionen in
       praktischer und vorhersehbarer Weise anzuwenden“, so Óskarsson.
       
       13 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] /Island-und-die-EU/!6158550
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anne Diekhoff
       
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