# taz.de -- Raisina Dialogue in Delhi: Indiens Bühne für die neue Weltordnung
> In Delhi sprechen Israel, Iran, Russland und der Westen – wenn auch nicht
> immer miteinander. Die Konferenz zeigt Indiens widersprüchliche
> Partnerschaften.
(IMG) Bild: Der Ehrengast der Raisina Dialoge aus Finnland, Alexander Stubb, gemeinsam mit Narendra Modi auf dem Weg zu einer Pressekonferenz
Während im Nahen Osten der [1][Krieg weiter tobt,] präsentiert sich Indien
beim 11. Raisina Dialogue in Delhi erneut als Ort, an dem eine neue
Weltordnung propagiert wird und Kriegsparteien ihre Positionen
nebeneinander darstellen können. So kamen trotz der aktuellen Eskalation
sowohl [2][Israels Außenminister] als auch [3][Irans stellvertretender
Außenminister] zu Wort – wenn auch in getrennten Formaten.
[4][Israels] Gideon Sa’ar (Neue Hoffnung) verteidigte die Linie seiner
Regierung und bezeichnete Iran als Aggressor. Teheran greife „nicht weniger
als zehn Länder“ an und destabilisiere den gesamten Nahen Osten, sagte der
konservative Politiker in einer Schalte. Am nächsten Morgen widersprach
Irans Vizeaußenminister Saeed Khatibzadeh auf der Bühne in Delhi. „Wir
haben keinen Plan für diesen Krieg – wir leisten Widerstand“, erklärte der
iranische Diplomat. Iran handle strategisch. Die Beendigung des Konflikts
liege jedoch bei jenen, die ihn begonnen hätten, so Khatibzadeh.
Diese Gleichzeitigkeit der Perspektiven ist kein Zufall. In Delhi treffen
Staaten aufeinander, die heute in anderen internationalen Formaten kaum
mehr zusammenkommen – von westlichen Nato-Partnern bis zu Vertretern aus
Russland, Iran oder den BRICS-Staaten.
Der diesjährige Ehrengast, der finnische Präsident Alexander Stubb, griff
in seiner [5][Rede] die Verschiebung der internationalen Politik auf. „Der
Globale Süden wird stärker bestimmen, wie die nächste Weltordnung
aussieht“, sagte er und Indien könne eine Schlüsselrolle dabei einnehmen.
Stubb sprach von einem möglichen „New Delhi Moment“: einem globalen Treffen
nach dem Vorbild der Konferenz von San Francisco im Jahr 1945, aus der die
Vereinten Nationen hervorgingen.
## „Das war die Ordnung des Westens“
Indiens Außenminister Subrahmanyam Jaishankar regierte hingegen eher
nüchtern. Große geopolitische Abkommen seien in einer fragmentierten Welt
schwer durchzuhalten. Stattdessen entstünden Kooperationen zunehmend in
flexiblen Formaten und thematischen Partnerschaften. Zugleich stellte er
die bisherige internationale Ordnung infrage: „Seien wir ehrlich: Wessen
Ordnung war das? Das war die Ordnung des Westens.“
Auch die Debatten um China und Taiwan spiegelten diese Verschiebung wider.
Helena Legarda, China-Expertin am deutschen Mercator Institute for China
Studies, betonte, dass Konflikte wie im Nahen Osten Peking vor allem
„rhetorischen Spielraum eröffnen“. So könne sich Peking international als
verantwortungsbewusste Macht darstellen, während der Westen als Quelle
globaler Instabilität erscheine.
Dhruva Jaishankar vom indischen Thinktank Observer Research Foundation
(ORF), der die Konferenz mit ausrichtet, erinnerte derweil daran, dass ein
möglicher Angriff auf Taiwan durch China weiterhin droht. Die Diskussionen
zeigen, wie Raisina zur Bühne für Indiens außenpolitische Strategie
geworden ist, in der möglichst viele Partnerschaften parallel gepflegt
werden.
Der Politikwissenschaftler Tobias Scholz (SWP) beschreibt es als
Diversifizierung: Indien arbeite „im Grunde mit jeder Macht der Welt
zusammen“ und versuche, aus jeder einzelnen Beziehung möglichst viel
herauszuholen. Neben Diplomat:innen und Strateg:innen nahmen
zahlreiche Wirtschaftsvertreter:innen und Thinktanks teil. Eine große
deutsche Delegation war ebenfalls vor Ort – ein Zeichen für die
[6][wachsende Zusammenarbeit.]
Auch Washington beobachtet diese Entwicklung aufmerksam. Der
stellvertretende US-Außenminister Christopher Landau sagte bei seinem
Auftritt, man freue sich über das bilaterale Handelsabkommen mit Indien.
Doch man werde „nicht dieselben Fehler machen wie vor 20 Jahren mit China“.
Damals habe man geglaubt, China werde seine Märkte öffnen, doch stattdessen
sei es zum Rivalen geworden.
8 Mar 2026
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(DIR) Natalie Mayroth
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