# taz.de -- Indiens Arbeitsmigranten unter Druck: „Manche überdenken ihre langfristigen Pläne“
       
       > Millionen indischer Arbeitskräfte harren trotz Krieg weiter in den
       > Golfstaaten aus. In ihrer Heimat wird unterdessen Kochgas knapp und Essen
       > teuer.
       
 (IMG) Bild: Für die meisten Arbeitsmigrant:innen ist das Einkommen existenziell, andere haben sich dort längst ein Leben aufgebaut
       
       Zu Beginn des Irankriegs sind indische Studierende, Tourist:innen und
       Geschäftsleute aus den Golfstaaten in ihre Heimat zurückgekehrt. Seither
       wächst die Unsicherheit: Sind Orte wie Dubai noch sicher für Familien und
       auch aus finanzieller Perspektive? Lange galten die Golfstaaten als
       Stabilitätsanker für wohlhabende Inder:innen. Die [1][Investitionen in
       dortige Immobilien] boomten, auch als Absicherung. Der Bollywood-Star Shah
       Rukh Khan warb für Dubais Tourismus.
       
       Knapp 10 Millionen Inder:innen arbeiten in den Staaten des
       Golfkooperationsrats, davon allein über 4 Millionen in den Vereinigten
       Arabischen Emiraten. Aus der Golfregion überwiesen sie im letzten Jahr
       [2][40 Milliarden US-Dollar] nach Indien, das sind etwa 38 Prozent aller
       Überweisungen indischer Arbeitskräfte im Ausland.
       
       Doch hat der Irankrieg schon zu Rückkehrbewegungen geführt: Mehr als
       [3][52.000 Personen] kamen seit Kriegsbeginn aus den Golfstaaten zurück,
       teilte das indische Außenministerium mit. Die meisten
       Arbeitsmigrant:innen aber bleiben trotz angespannter Lage. Für die
       meisten ist das dortige Einkommen existenziell, andere haben sich dort
       längst ein Leben aufgebaut.
       
       Unter ihnen ist Leena, eine Angestellte in ihren Dreißigern. Früher
       arbeitete sie im Versicherungssektor in Indien, heute erzielt sie als
       Angestellte in Dubais Ölindustrie ein höheres Einkommen. Nach einer kurzen
       Zeit im Homeoffice geht sie dort längst wieder zur Arbeit ins Büro.
       
       ## „Die meisten kommen ins Büro“
       
       Die Lage normalisiere sich, sagt sie der taz. Zwar sei es nicht
       verpflichtend, „aber die meisten kommen ins Büro“. „Ich weiß nicht, ob
       schon viele zurückgekehrt sind, doch Dubai managt die Situation sehr gut.“
       Die Sorgen richten sich eher auf die Zukunft: Arbeitsplatzsicherheit,
       wirtschaftliche Perspektiven, Stabilität. „Manche überdenken ihre
       langfristigen Pläne“, sagt Leena.
       
       Verkehr, Infrastruktur, Dienstleistungen liefen, als wäre der Konflikt
       fern. Unternehmen hätten ihre Büros rasch wieder geöffnet und setzten auf
       flexible Arbeitsmodelle. Gleichzeitig gibt es Brüche: Einige Firmen
       schlossen, in anderen wurden Gehälter gekürzt. Besonders betroffen sei der
       Öl- und Gassektor: Angriffe auf Häfen und Freihandelszonen hätten
       Lieferketten gestört und auch Finanzzentren seien unter Druck geraten.
       
       Auch Rupesh aus Westindien ist in Dubai geblieben. Der Techniker, Anfang
       40, lebt seit vier Jahren dort. „Ich arbeite wie gewohnt“, sagt er.
       Entlassungen habe er nicht beobachtet. „Im Moment habe ich keine Pläne,
       nach Indien zurückzukehren.“ Dubai erscheine ihm stabiler als die Heimat,
       wo sich die Lage an anderer Front zuspitze.
       
       So höre er aus Indien von der [4][Knappheit von Kochgas]. Vor allem ärmere
       Haushalte ohne Zugang zu subventionierten Gasflaschen leiden unter hohen
       Preise. Gas wurde zum Luxus. Einige Imbisse und kleine Restaurants mussten
       schließen oder haben ihr Angebot reduziert, da sie wenig Gas haben. Zudem
       haben sich die Gaspreise erhöht, sagt ein Teeverkäufer in Mumbai der taz,
       der nun eine elektrische Kochplatte nutzt. Auch warme Mahlzeiten in
       [5][Schulen] sind zum Teil betroffen.
       
       ## 90 Prozent von Indiens Gasimporten kommen vom Golf
       
       Rund [6][90 Prozent] der indischen Flüssiggasimporte passieren
       normalerweise [7][die Straße von Hormus, wo jetzt die Tanker feststecken].
       Indien versucht deshalb, mehr Gas lokal zu produzieren, auch weichen
       Haushalte auf Kohle oder [8][Kerosin] aus.
       
       Die Krise verschiebt Migrationsbewegungen innerhalb Indiens.
       Arbeitsmigrant:innen verlassen Städte wie [9][Mumbai] oder
       [10][Surat], wo die Lebenshaltungskosten ohne günstige Mahlzeiten durch
       kleine Essenslieferservices, denen es an Kochgas fehlt, oder ohne eigene
       Gasflaschen, um selbst zu kochen, unerschwinglich wird.
       
       Per Zug und Bus ziehen Arbeiter:innen jetzt ihre ohnehin geplante
       saisonale Rückkehr aufs Land vor – in der Hoffnung auf dortige
       Unterstützung. Im ländlichen Indien, wo auch mit Holz oder Dung statt Gas
       gekocht wird, ist das Leben günstiger als in der Stadt, wo die Menschen
       jetzt stundenlang auf Gas warten.
       
       Doch es gibt auch Warnungen im Ausland: In Katar rief Indiens Botschaft die
       Fischer nach der teilweisen Wiederaufnahme des Seeverkehrs dazu auf,
       Sicherheitsvorschriften strikt einzuhalten. Auch hat der Konflikt schon
       Tote unter den Migrant:innen gefordert: Mindestens acht indische
       Staatsbürger sollen bislang ums Leben gekommen sein, zuletzt bei einem
       Angriff auf eine Energieanlage in Kuwait.
       
       Indien hat im Gegensatz zu den Nachbarländern Pakistan, Bangladesch und Sri
       Lanka noch keinen Mangel an Benzin und Diesel. Doch sorgen sich auch diese
       Länder über [11][sinkende Rücküberweisungen]. Seit Jahrzehnten ist der Nahe
       Osten für Bangladesch wie Pakistan mit jeweils 5 Millionen
       Arbeitsmigrant:innen dort wichtig für die eigene Wirtschaft.
       
       Pakistan hat schon zahlreiche Energiesparmaßnahmen eingeführt und etwa
       Universitäten auf Onlineunterricht umgestellt. [12][Islamabad versucht
       zudem, im Konflikt zwischen den USA und Iran zu vermitteln.]
       
       1 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.forbesindia.com/article/news/realty-check-war-in-the-gulf-puts-indias-dubai-property-bet-at-risk/2992305/1
 (DIR) [2] https://www.dw.com/en/iran-war-puts-south-asias-gulf-remittances-at-risk/a-76513989
 (DIR) [3] https://www.newsonair.gov.in/over-52-thousand-indians-brought-back-home-from-gulf-countries-since-outbreak-of-war-says-mea/
 (DIR) [4] /Auswirkungen-des-Iran-Kriegs-in-Suedasien/!6161178
 (DIR) [5] https://timesofindia.indiatimes.com/city/kolkata/gas-crisis-forces-schools-to-tweak-midday-meal-menu/articleshow/129885334.cms
 (DIR) [6] https://www.pib.gov.in/PressReleasePage.aspx?PRID=2238525
 (DIR) [7] /Blockade-der-Strasse-von-Hormus/!6166472
 (DIR) [8] https://www.deccanherald.com/india/centre-relaxes-kerosene-supply-rules-for-60-days-to-ease-lpg-pressure-allows-sale-through-petrol-pumps-3949167
 (DIR) [9] https://indianexpress.com/article/cities/mumbai/as-lpg-runs-dry-a-quiet-reverse-migration-of-workers-takes-hold-in-mumbai-10610364/
 (DIR) [10] https://www.thehindu.com/news/national/gujarat/west-asia-tensions-hit-surat-migrant-workers-leave-over-lpg-shortage/article70772751.ece
 (DIR) [11] https://www.dawn.com/news/1986741/gulf-instability-and-remittances-risk
 (DIR) [12] /Moegliche-Gespraeche-im-Iran-Krieg/!6166736
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Natalie Mayroth
       
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