# taz.de -- KI-Gipfel in Delhi: Großer Auftritt für Indien, doch die USA geben den Takt vor
> Das Land inszeniert sich beim KI-Gipfel als Brückenbauer und untermauert
> seinen Führungsanspruch. Auf der Bühne setzen jedoch die Konzerne aus dem
> Silicon Valley die Akzente.
(IMG) Bild: Die Vertreter Indiens und der USA zeigen sich zufrieden mit den Ergebnissen des Gipfels
Mit der Ausrichtung des [1][Gipfeltreffens zur Künstlichen Intelligenz (KI)
in Delhi] hat Indiens Premierminister Narendra Modi seine diplomatische
Stärke bewiesen: Er brachte nicht nur Chefs globaler Tech-Konzerne, sondern
auch Regierungen außerhalb von Formaten wie der [2][G20] zusammen.
Begleitet wurde die Konferenz von einer Expo, auf der sich indische und
internationale Tech-Firmen präsentierten und die wegen des Andrangs bis
Samstag verlängert wurde.
Im Rahmen des Gipfels kündigte Indiens IT-Minister Ashwini Vaishnaw die
[3][„New Delhi-Erklärung“] an, die am Samstag publik wurde. Sie versteht
sich als politischer Rahmen für internationale Zusammenarbeit und
verantwortungsvolle KI-Entwicklung und formuliert die Vision von „AI for
All“.
Unterstützt wird die Initiative von [4][88 Organisationen und Staaten],
darunter die EU und die Schweiz. Im kommenden Jahr wird der KI-Gipfel in
Genf stattfinden. Der Schweizer Präsident Guy Parmelin warb in Delhi für
eine multilaterale, regelbasierte Ordnung jenseits der großen
Technologieblöcke China und USA – ein Ansatz, der sich mit Europas Streben
nach digitaler Souveränität deckt.
„Man muss ein Monopol oder Duopol vermeiden“, so Parmelin. Zugleich betonte
er, dass es für kleinere Länder viele Möglichkeiten zur Kooperation gebe.
In der Regulierungsfrage klang er zurückhaltender und näher an der
indischen Position als an jener der EU: „Wenn wir zuerst den Rahmen
festlegen, könnten wir auch positive Innovationen blockieren.“
Für einen Dämpfer sorgte die Absage von Jensen Huang, dem Chef des
Chipriesen Nvidia, dessen Hochleistungs-Chips als Schlüsseltechnologie der
KI gelten. IT-Minister Vaishnaw äußerte unterdessen die Hoffnung, dass
Halbleiter in den kommenden Jahren zu einer Stärke Indiens werden könnten.
Auffällig waren auf der Expo zahlreiche indische KI-Anwendungen für
Alltagsprobleme: von der Planung digital gesteuerter Rettungsgassen über
Tuberkulose-Früherkennung per Hustenanalyse mit Tablet bis zum Roboterhund
zur Überwachung von Industrieanlagen. Zwischen den Ständen drängten sich
Studierende und Tech-Interessierte zugleich.
Eine Herausforderung bleibt: Der KI-Boom treibt den Stromverbrauch durch
neue Rechenzentren in die Höhe, während die EU bis 2050 klimaneutral werden
will. Digitalminister Karsten Wildberger zeigte sich kurzfristig
optimistisch, räumte aber langfristigen Handlungsbedarf ein.
Insgesamt hätte Deutschland auf dieser Bühne jedoch stärker glänzen können:
Der Messeauftritt wirkte nüchtern, neue Start-ups blieben rar. Wildberger
betonte: „Wir sprechen vielleicht nicht immer viel darüber, aber es
passiert sehr viel beim Thema KI“, etwa in der Grundlagenforschung.
Nach London, Seoul und Paris zeigte der vierte globale KI-Gipfel, zu dem
rund 250.000 Zuschauer erwartet wurden, wie stark die USA die digitale
Sphäre dominieren. Auf der Hauptbühne setzten vor allem Tech-Chefs wie
Sundar Pichai (Alphabet), Sam Altman (OpenAI) und Dario Amodei (Anthropic)
die Akzente und machen deutlich, dass Deutschlands Rückstand mehr ist als
ein Kommunikationsdefizit.
21 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /KI-Gipfel-in-Indien/!6155974
(DIR) [2] /Vorbericht-G20-in-Indien/!5955605
(DIR) [3] https://www.pib.gov.in/PressReleasePage.aspx?PRID=2231208&v=4®=3&lang=2
(DIR) [4] https://www.hindustantimes.com/india-news/us-russia-china-among-88-countries-to-sign-new-delhi-ai-declaration-as-india-calls-for-ai-for-all-101771674052551.html
## AUTOREN
(DIR) Natalie Mayroth
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