# taz.de -- Suche nach Atommüllendlager: Vorsicht vor populistischen Schnellschüssen
> Grundsätzlich ist eine beschleunigte Suche nach einem Endlagerstandort zu
> begrüßen. Nur darf das nicht zu Lasten der Sicherheit geschehen.
(IMG) Bild: Immer wieder protestieren Atomkraftgegner gegen Castortransporte
Das war überfällig. Dass ein Endlagerstandort erst sehr viel später
gefunden sein wird als im Gesetz vorgesehen, pfeifen längst die Spatzen von
Dächern und Kühltürmen. Jetzt soll diese Erkenntnis auch ins Gesetz
geschrieben werden. Gleichzeitig zielt die derzeit erarbeitete
Gesetzesnovelle darauf ab, das Suchverfahren zu beschleunigen. Die
Änderungen sind zu begrüßen, werfen gleichzeitig aber neue Probleme auf.
Vor allem für die Zwischenlagerung. [1][Die Castorbehälter] mit den
abgebrannten AKW-Brennstäben und dem recycelten Schrott aus der
Wiederaufbereitung werden in 16 Lagern aufbewahrt. Sie wurden für einen
Zeitraum von 40 Jahren geplant und genehmigt. Schon 2034 läuft die
Betriebserlaubnis für das Zwischenlager in Gorleben aus, in dem 113
Castoren vor sich hin strahlen. Für das [2][Zwischenlager in Ahaus] endet
die Genehmigung zur Aufbewahrung von Atommüll zwei Jahre später.
Der Betreiber der Anlagen, die bundeseigene Gesellschaft für
Zwischenlagerung, hat zwar bereits das Genehmigungsverfahren für eine
verlängerte [3][Zwischenlagerung in Gorleben] eingeläutet und will auch die
Öffentlichkeit daran beteiligen. Die bisherigen Angebote dazu sind aber
unzureichend und muten eher wie eine Beteiligungssimulation an.
Ein neues Zwischenlagerkonzept muss nicht nur den veränderten
Sicherheitsanforderungen wie Bedrohungen durch Drohnen Rechnung tragen,
sondern auch gemeinsam mit Anwohnern und externen Fachleuten erarbeitet
werden. Bürgerinitiativen drängen zu Recht auf einen nationalen
Begleitprozess für die verlängerte Zwischenlagerung, an dem alle
Standortgemeinden und die Initiativen sowie Umweltverbände beteiligt sind.
Auch die grundsätzlich anzustrebende Beschleunigung des Suchverfahrens darf
nicht auf Kosten der Sicherheit gehen. Aktuell zu vernehmende Vorschläge
aus Regierungs- und Behördenkreisen, die ober- und unterirdische Erkundung
eines Standortes zusammenzulegen oder auf den Bau eines Erkundungsbergwerks
zu verzichten, muten da eher wie populistische Schnellschüsse an und machen
deshalb misstrauisch.
4 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Castor/!t5016256
(DIR) [2] /Niederlage-fuer-Umweltorganisation-BUND/!6159373
(DIR) [3] /Atommuellzwischenlager-in-Gorleben/!6139325
## AUTOREN
(DIR) Reimar Paul
## TAGS
(DIR) Anti-Atom-Bewegung
(DIR) Radioaktivität
(DIR) Atommüll
(DIR) Atom
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Schwerpunkt Atomkraft
(DIR) Atommüll
(DIR) Atomkraftwerk
(DIR) Schwerpunkt Atomkraft
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Atomindustrie unter russischem Einfluss: Staatsgeheimnis Rosatom
Steigt der Kreml-Konzern in die Lingener Brennelementefabrik ein? Die
Antwort der Bundesregierung ist mau – womöglich wegen eines Deals mit
Macron.
(DIR) Ende des Endlagers in Morsleben: Wo sich Atommüll, KZ-Geschichte und Fledermäuse treffen
Das Endlager Morsleben hat wechselvolle Zeiten erlebt. Seine Stilllegung
soll nun allen Ansprüchen genügen – auch ökologischen.
(DIR) Schacht Konrad: Kosten für geplantes Atommüllendlager explodieren
Probleme mit dem Wasserrecht, Klagen – die Probleme beim geplanten
Atommüllendlager Schacht Konrad summieren sich. Nun steigen auch noch die
Kosten.
(DIR) Endlagersuche für Atommüll: Neues bei der 1-Million-Jahre-Frage
Atommüll aus 60 Jahren Kernkraftnutzung muss ein Endlager finden. Geeignet
ist laut einem Bericht nur noch ein Viertel der Bundesrepublik.