# taz.de -- Russland und der Iran-Krieg: Bellen, aber nicht beißen
> Russlands Reaktionen auf die Tötung Chameneis sind verbal, aber
> praktische Unterstützung bleibt aus. Moskau hofft auf deutlich steigende
> Öleinnahmen.
(IMG) Bild: Russlands Präsident Wladimir Putin und sein iranischer Präsidentenkumpel Massud Peseschkian im Dezember 2025
Auf den „brüllenden Löwen“ konnte Wladimir Putin nur als kläffender Köter
antworten. Als „zynischen Verstoß gegen alle Normen der menschlichen Moral
und des Völkerrechts“ verurteilte der Kremlherr die [1][Tötung Chameneis im
Rahmen der Operation „Roaring Lion“] der USA und Israels am Samstag in
Teheran.
Russland und Iran hatten noch [2][im Januar 2025 in Moskau] ein Abkommen
über eine „umfassende strategische Partnerschaft“ für die nächsten 20 Jahre
unterzeichnet. Beide Seiten betonten, dass dieser 47 Punkte umfassende Pakt
die Zusammenarbeit in allen Bereichen – insbesondere in Wirtschaft, Energie
und Militär, aber auch bei der geheimdienstlichen Kooperation – vertiefen
soll. Putin erklärte, das Abkommen werde der Zusammenarbeit neue Impulse
verleihen. Während die iranische Seite klarstellte, dass es keine
gegenseitige Beistandsklausel gibt, da der Iran für seine eigene Sicherheit
sorge.
Gerade in den ersten zwei Jahren nach Russlands Vollinvasion in der Ukraine
im Februar 2022 war Moskaus Militär stark auf Lieferungen iranischer
„Schahed“-Kampfdrohnen angewiesen. Inzwischen wurden sie in Russland in
„Geran“ umgetauft und werden im dort selbst hergestellt. In Syrien
unterstützte der Kreml den Diktator Baschar al-Assad bis zu dessen Flucht
Anfang Dezember 2024 nach Moskau durch seine Luftwaffe. Die schoss den Weg
in Rebellengebieten frei für Irans Al-Quds-Brigaden, den Auslandstruppen
der berüchtigten iranischen Revolutionsgarden, die am Boden Massaker
durchführten.
Irans bisher einziges Atomkraftwerk Buschehr im Süden des Landes wurde vom
russischen Atomkonzern Rosatom 1995 fertiggestellt –nachdem Siemens und AEG
den Bau nach der Islamischen Revolution 1979 eingestellt hatten. Vier neue
Reaktorblöcke hatten Russland und Iran im September 2025 vereinbart – für
25 Milliarden Dollar.
## Indien und China wollen wieder mehr russisches Öl
Teheran und Moskau sind auch Mitglieder der Shanghai Cooperation
Organization, eines autokratischen, von China geführten
Sicherheitsbündnisses, das laut Statut auch demokratische Umbrüche
verhindern, wissenschaftlich-technische und wirtschaftliche Zusammenarbeit
fördern soll.
Doch beim Werben um den großen Partner China wurden Russland und Iran auch
immer wieder zu Rivalinnen: Peking versucht durch seine Transportkorridore
im Rahmen der neuen „Seidenstraße“, Zentralasien und Iran, die von Russland
umworben werden, direkt anzubinden. Im vorigen Mai wurde die erste
Fracht-Eisenbahnlinie vom chinesischen Xian ins Gebiet Teheran eröffnet.
China kauft auch 90 Prozent der iranischen Ölexporte auf, die weitgehend
unter Sanktionen stehen. Zuletzt haben sich iranische und russische
Produzenten ein Unterbietungsrennen geliefert, um ihr Öl an China zu
verkaufen. Denn wegen der scharfen US-Sanktionen nahm vor allem Indien
deutlich weniger russisches Rohöl ab.
Durch die faktische Durchfahrsperre der Straße von Hormus im Persischen
Golf vor Irans Küste, durch die gewöhnlich gut ein Fünftel der weltweiten
Ölförderung auf Tankern transportiert wird, dreht sich die Lage: Nun wollen
Indien und China die im Indischen Ozean dümpelnden Tanker mit russischem Öl
in ihre Raffinerien lenken.
## Ein Fall Irans wäre schlecht für Russland
„Kurzfristig gesehen werden die Folgen für uns erfreulich sein. Denn
aufgrund dieses Konflikts steigen die Ölpreise“, meint der Duma-Abgeordnete
Anatolij Wasserman. Russlands Ölexporte brächten nun wieder „einen
beträchtlichen Betrag ein“. Allerdings haben EU-Sanktionen den Preis für
russisches Öl, das mit Tankern unter westlicher Rechtsordnung transportiert
werden darf, auf 47 Dollar pro Barrel gedeckelt. Aktuell ist der Ölpreis
auf 81 Dollar gestiegen, aber Russland bekam zuletzt von China gerade noch
um die 40 Dollar.
Zudem warnt Wasserman wie andere russische ExpertInnen vor einer Schwächung
der geopolitischen Rolle Russlands. Moskau verliert mit Syrien, der
US-Festnahme des venezolanischen Diktators Nicolás Maduro und einem
möglichen Fall Irans wichtige Partner. „Von Großmächten, die der Brics
angehören, wird erwartet, dass sie auch ihre Machtfähigkeiten unter Beweis
stellen“, so der russische Abgeordnete.
„Russland kann seinen Partner nicht schützen, was Reputationsverlust und
Imageschaden bedeutet“, konstatiert auch Sabine Fischer, Russland-Expertin
der deutschen Stiftung Wissenschaft und Politik. Moskaus Einfluss „in der
Region und auf die Entwicklungen ist minimal, und das ist für alle Welt
sichtbar“. Die Lage in Iran sei „nicht besonders zuträglich für das Image,
das Moskau sich zu geben versucht als Großmacht, die fähig ist zu
Machtprojektionen auch in anderen Erdteilen“. Dazu habe der Kreml nicht die
Fähigkeiten und Mittel.
Allerdings lenke der [3][Irankrieg von der Ukraine] ab. Moskauer
Militärblogger jubeln, dass Israel große Mengen Patriot-Raketen zum
Abfangen iranischer Raketen einsetze. Entsprechend weniger amerikanische
Flugabwehrraketen könne Europa für die Ukraine kaufen. Das nütze dem Kreml
in seinem Ukrainekrieg.
Sollte Iran am Ende der „Löwen-Operation“ unter westliche Kontrolle geraten
und die Ölsanktionen gegen Iran aufgehoben werden, würde dies laut
Ölmarkt-ExpertInnen langfristig einen Abwärtsdruck auf die russischen Öl-
und Gaseinnahmen ausüben.
5 Mar 2026
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(DIR) Mathias Brüggmann
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