# taz.de -- Schulstreik gegen Wehrpflicht: „Wir stehen für Abrüsten statt Aufrüsten“
> Am Donnerstag findet der zweite bundesweite Schulstreik statt. Der
> 17-jährige Shmuel Schatz aus Berlin ist an der Planung beteiligt.
(IMG) Bild: Rekruten legen ihren Diensteid ab. Am Donnerstag finet der zweite Schulstreik gegen die Wehrpflicht statt
taz: Du bist 17 Jahre alt und gehst noch zur Schule. [1][Seit diesem Jahr
erhält jede:r ab 18 einen Fragebogen] über die Bereitschaft, Wehrdienst zu
leisten. Im nächsten Sommer werden junge Männer ab Jahrgang 2008
verpflichtend zu einer Musterung eingeladen. Der Fragebogen und die
Musterung könnten dich beide betreffen. Was macht das mit dir?
Shmuel Schatz: Ja, ich bin natürlich wütend darüber. Wenn die Wehrpflicht
wirklich eingeführt wird, bin ich gezwungen, zur Bundeswehr zu gehen und
möglicherweise sogar zu sterben, während der Staat schon seit Jahren an
allen Ecken und Enden spart. In der Bildung, gerade in meiner Schule, sehe
ich das ganz, ganz deutlich, etwa am Lehrkräftemangel. Ich sehe das in der
Infrastruktur, im Alltag. Ich sehe das im Gesundheitswesen. Das macht mich
sauer.
taz: Weißt du schon, was du machst, falls du einen Musterungsbrief
bekommst?
Schatz: Ja, ich werde verweigern.
taz: Aber gibt es hier nicht auch eine solidarische Gemeinschaft, die es zu
verteidigen lohnt?
Schatz: Ich denke nicht, dass ich im Kriegsfall für meine Interessen sterbe
oder die meiner Brüder oder Nachbar:innen, sondern für die Profite von
Rüstungskonzernen wie beispielsweise Rheinmetall.
taz: Am Donnerstag findet schon der zweite Schulstreik gegen die
Wehrpflicht statt, für die Hauptversammlung am Potsdamer Platz sind laut
Polizei 2.000 Teilnehmende angemeldet. [2][Damals im Dezember sind nach
euren Angaben rund 55.000 Menschen bundesweit auf die Straße gegangen].
Aber das [3][neue Wehrdienstgesetz] wurde noch am selben Tag verabschiedet.
Was sind eure Ziele für diesen kommenden Streik?
Schatz: Wir hoffen, mehr Menschen auf das Problem aufmerksam zu machen. Die
Wehrpflicht ist immer noch nicht beschlossen, aber es werden immer weitere
kleine Hintertürchen geöffnet. Am Anfang stand selbst die verpflichtende
Musterung nicht fest und ist jetzt beschlossene Sache. Es soll nicht bei
diesen zwei Streiks bleiben. Keine Bewegung hat nach nur einer Aktion ihre
Ziele erreicht.
taz: Wie organisiert ihr euch? Die Bewegung wächst momentan an ganz vielen
Standorten, du bist im Streikkomitee in Berlin tätig.
Schatz: Das ist unterschiedlich. In den lokalen Komitees arbeiten vor allem
Schüler:innen. Sie beteiligen sich an der Vorbereitung auf die Streiks,
aber natürlich haben wir auch Unterstützung von
Schüler:innenvertretungen und Gewerkschaften, die sich je nach Stadt
unterscheiden können.
taz: Wie steht die Schulleitung zu den Streiks?
Schatz: Da gibt es natürlich manche, die stellen sich quer, sind dagegen.
Aber viele Lehrer:innen solidarisieren sich auch aktiv mit den
Schüler:innen und wollen helfen, solche Strukturen an den eigenen
Schulen aufzubauen.
taz: Habt ihr den Eindruck, dass ihr Schüler:innen in der Debatte nicht
wirklich gehört werdet?
Schatz: Ich würde schon sagen, dass wir gehört werden. Aber es wird eben
nichts für uns getan. Es wird keine Politik für uns gemacht. Wenn wir im
Vergleich ansehen, dass ein Leopard-2-Panzer sechs Millionen Euro kostet
und man dafür um die hundert Lehrkräfte für ein Jahr bezahlen könnte, dann
ist das ein Widerspruch.
taz: Was würdest du dir von der Politik wünschen?
Schatz: Dass sie Politik für die Menschen macht, für die Jugend wie auch
für Erwachsene. Es muss Geld in Bildung fließen, in Soziales und ins
Gesundheitswesen. Wie man in Berlin sehen kann, sind viele Jugendclubs sehr
am Kämpfen. Dafür braucht es Geld und nicht für die Bundeswehr. Wir stehen
für Abrüsten statt Aufrüsten.
taz: Schulstreiks kennt man vor allem von Fridays for Future. Wollt ihr das
[4][neue Fridays for Future] werden?
Schatz: Wir versuchen einfach, für unsere Interessen einzustehen, und
werden weiterhin an unseren Forderungen festhalten, bis sie erfüllt werden.
4 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Martha Lippert
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