# taz.de -- Pressefreiheit im Irankrieg: Türkische Journalisten zwischen den Fronten
> Zwei türkische CNN-Journalisten wurden aus unklaren Gründen in Tel Aviv
> verhaftet. Die Stimmung zwischen der Türkei und Israel ist extrem
> angespannt.
(IMG) Bild: Luftabwehrraketen über Tel Aviv: Seit dem Angriff auf Iran steht die israelische Hauptstadt wieder unter Beschuss
In Israel sind am Dienstag kurzfristig zwei türkische Journalisten des
Fernsehsenders CNN Türk festgenommen worden, als sie in Tel Aviv
arbeiteten. [1][Laut Angaben von CNN Türk hätten der Journalist] Emrah
Çakmak und sein Kameramann Halil Kahraman im Zentrum von Tel Aviv gedreht,
wie Anwohner nach einem Alarm in Bunker flüchteten und anschließend die
Bunker nach kurzer Zeit wieder verlassen konnten.
Die Times of Israel [2][berichtet dagegen], die beiden Journalisten hätten
vor dem Hauptquartier der Streitkräfte gefilmt und bei einer Überprüfung
sei festgestellt worden, dass ihre Presseausweise ungültig seien. Nach
einem massiven Protest des türkischen Außen- und Kommunikationsministeriums
wurden die beiden wieder freigelassen.
Die Stimmung zwischen Israel und der Türkei ist extrem feindlich. Der
türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan gehört zu den schärfsten Kritikern
des israelischen „Völkermordes“ in Gaza und kritisiert auch den Angriff auf
Iran scharf. Einige türkische Medien spekulieren darüber, dass sich Israel
nach Iran auch gegen die Türkei wenden könnte.
## Journalisten von Koza TV immer noch in Haft
Im Gegensatz zu ihren CNN-Kollegen sind drei türkische Journalisten,
[3][die bereits am Samstag festgenommen wurden,] immer noch in Haft. Zwei
Journalisten der regionalen Produktionsfirma Koza TV waren im Auftrag der
unabhängigen Nachrichtenagentur Anka zum US-Luftwaffenstützpunkt İncirlik
gefahren, um nachzuforschen, ob von dort auch US-Bomber in Richtung Iran
starteten, obwohl Präsident Erdoğan den US-israelischen Angriff auf das
Nachbarland ablehnte.
Den beiden Journalisten Sergen Ölcer und Mehlika Bilen von Koza TV gelang
es tatsächlich, in İncirlik zu filmen und Bilder an Anka in Ankara zu
schicken, dann wurden sie jedoch festgenommen. Ebenfalls verhaftet wurde
der Chefredakteur von Anka, Kenan Şener. Die Staatsanwaltschaft von Adana,
die die Ermittlungen leitet, begründet die Festnahmen damit, dass Aufnahmen
von Militäreinrichtungen die nationale Sicherheit gefährden würden.
Kenan Şener sagte der Staatsanwaltschaft, es sei sozusagen ein
journalistischer Reflex gewesen, nach den Meldungen über die Angriffe auf
Iran am Samstagmorgen gleich ein Team nach İncirlik zu schicken. Er bereue
das, die Bilder wurden von der Anka-Website entfernt. Dennoch werden Kenan
Şener und die beiden Kollegen von Koza TV weiter in Haft gehalten. Offenbar
eine Abschreckungsmaßnahme, weil die Regierung von Präsident Erdoğan die
absolute Kontrolle über die Berichterstattung zum Krieg in Iran haben will.
Tatsächlich sieht sich Präsident Erdoğan in einer heiklen Situation. Er hat
vor dem Krieg gemeinsam mit anderen arabischen Ländern versucht,
US-Präsident Donald Trump von einem Angriff auf Iran abzuhalten. Jetzt will
er verhindern, dass die Türkei in den Konflikt hineingezogen wird.
Anders als verschiedene arabische Staaten, die schon vor Kriegsbeginn
gesagt haben, sie würden ihre Stützpunkte nicht für Angriffe der USA zur
Verfügung stellen, hat die Türkei dies nicht öffentlich getan.
4 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.hurriyet.com.tr/gundem/cnn-turk-canli-yayini-tel-avivde-israilli-askerlerin-mudahalesiyle-engellendi-43120477
(DIR) [2] https://www.timesofisrael.com/liveblog_entry/two-turkish-journalists-arrested-while-broadcasting-live-outside-idf-headquarters/
(DIR) [3] /Pressefreiheit-in-der-Tuerkei-Neugierige-Journalisten-verhaftet/!6159078
## AUTOREN
(DIR) Wolf Wittenfeld
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