# taz.de -- Verdacht auf Insiderwissen: Reich, weil sie auf die Angriffe wetteten
> Auf Prognose-Plattformen wie Polymarket wurden vor den Militärschlägen
> gegen Iran hohe Wetten abgeschlossen. Das nährt den Verdacht auf
> Insiderwissen.
(IMG) Bild: Donald Trump Junior berät Onlinewetten-Anbieter wie Polymarket zu politischen und wirtschaftlichen Ereignissen
Mit [1][den Luftangriffen auf den Iran haben die USA und Israel] nicht nur
weite Teile des Nahen Ostens in eine Kriegszone verwandelt, sie haben damit
auch manchen Menschen viel Geld eingebracht. Auf Prognose-Plattformen wie
Polymarket und Kalshi wurden in den Stunden vor den Militärschlägen Wetten
im dreistelligen Millionenbereich abgeschlossen. Auch der mögliche Sturz
des getöteten iranischen Staatsoberhaupts, Ali Chamenei, stand bei den
Usern der Plattformen hoch im Kurs.
Die Profite [2][aus Wetten] auf Kriegshandlungen fallen in eine moralische
und regulatorische Grauzone. US-Kongressabgeordnete der Demokratischen
Partei fordern deshalb ein Verbot von dieser Art der Wetten.
„Es ist Wahnsinn, dass das legal ist“, schrieb der demokratische Senator
Chris Murphy in einem Post auf einem Social-Media-Kanal. „Ich werde so
schnell wie möglich einen Gesetzentwurf einbringen, um dies zu verbieten.“
Er behauptete auch, dass Personen aus dem Umfeld von US-Präsident Donald
Trump von „Krieg und Tod profitieren würden“. Auch wenn Trumps Sohn, Donald
Trump Jr., als Berater für Polymarket arbeitet – einen Beweis für diese
Unterstellung lieferte Murphy nicht.
Der Senator aus Connecticut reagierte mit seinem Post auf eine Analyse der
Firma Bubblemaps. Der Untersuchung zufolge haben sechs User einen
Wettgewinn von 1,2 Millionen Dollar erzielt, nachdem sie ihre Wetten nur
wenige Stunden vor den Angriffen abgeschlossen hatten.
## Wetten auf die Absetzung von Chamenei
Laut der Nachrichtenagentur Reuters wurden auf der Plattform Polymarket
Wetten in Höhe von knapp 530 Millionen Dollar abgeschlossen, die mit dem
Angriff auf den Iran in Verbindung standen. Weitere rund 150 Millionen
Dollar flossen bezüglich der Absetzung von Irans Oberhaupt [3][Ali
Chamenei].
Vor allem Demokraten fürchten, dass Prognose-Plattformen mit ihren
scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten, Wetten anzunehmen, Anreize schaffen
könnten, Konflikte anzuheizen, und Insiderhandel ermutigen. „Prognosemärkte
dürfen nicht dazu dienen, aus dem Vorwissen über Militäraktionen Profit zu
schlagen. Wir brauchen Antworten, Transparenz und Aufsicht“, erklärte der
demokratische Abgeordnete Mike Levin.
Doch für den Ökonomen Robin Hanson sind dies Märkte nicht so einfach zu
regulieren. „Alle Berufsgruppen und Institutionen, die auf dem Austausch
von Informationen beruhen, bergen die Gefahr, dass Menschen dazu verleitet
werden, Geheimnisse preiszugeben, die sie versprochen hatten für sich zu
behalten“, sagte er im Interview mit der taz.
Sollte es Regierungs- und Militärangehörigen verboten werden, auf
Prognose-Plattformen Wetten abzuschließen, dann sollte es ihnen laut Hanson
genauso wenig erlaubt sein, mit Journalisten zu sprechen, da diese
ebenfalls Geheimnisse verraten könnten.
Der Ökonom der George Mason University, der sich mit Wirtschaftsregularien
und Prognosemärkten beschäftigt, ist nicht gegen Verbote, auch nicht bei
Wetten auf Militäraktionen, die US-Soldaten in Gefahr bringen könnten. Doch
er plädiert für „gleiche Regeln für alle“.
Prognosemärkte erfreuen sich seit der US-Wahl 2024 wachsender Beliebtheit.
Sie operieren allerdings in einer regulatorischen Grauzone. Pläne, dies zu
ändern, existieren bereits.
US-amerikanische Rohstoffhandelsgesetze verbieten Geschäfte, die auf Tod
und Krieg basieren, da solche Wetten eine finanzielle Belohnung für Gewalt,
menschliches Leid und geopolitische Instabilität schaffen. Ob auch
Prognosemärkte unter diese Gesetze fallen, ist bislang rechtlich nicht
geklärt.
4 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Hansjürgen Mai
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